ZukunftsForum IV: Denken und Arbeiten in der Welt von morgen

Die Experten und Themenpaten

Die ZukunftsForen werden von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen begleitet, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Auskunft in Fachfragen geben und dabei helfen, die Diskussionen in den übergreifenden Zusammenhang einzuordnen.


Erfahren Sie hier mehr über die Expertinnen und Experten, die das vierte ZukunftsForum begleiten.


Christian Cohrs

Der Anspruch, Arbeit und Selbstverwirklichung zusammenzubringen, verträgt sich naturgemäß nur bedingt mit traditionellen Vorstellungen wie Nine-to-Five-Job und linear verlaufender Karriere. Das beweist Christian Cohrs‘ Lebenslauf eindrücklich: Er hat an der Ruhr-Universität Bochum Theaterwissenschaft studiert, beschäftigte sich dort mit Fragen urbaner Inszenierung und Identität, flüchtete dann vor der Arbeitslosigkeit in journalistische Praktika, die ihm schließlich einen ersten Job bei „How to Spend it“, dem Luxusmagazin der „Financial Times Deutschland“, verschafften. Es folgten Stationen bei Wirtschaftstiteln und ein Job für eine Golfzeitschrift. Außerdem ist er Mit-Autor des Buchs „Generation Selfie“. Seit September 2016 leitet Cohrs die Redaktion von „Business Punk“. Das Berliner Wirtschaftsmagazin porträtiert mit Fokus auf die internationale Startup-Szene Menschen, denen es nicht darum geht, klassisch „Karriere zu machen“, sondern eigene Ideen zu realisieren.

Bernd Dworschak

„Beim Thema Industrie 4.0 wissen wir noch nicht exakt, wohin die Reise geht,“ sagt Bernd Dworschak, der in seiner Forschung der Frage nachgeht, welche Kompetenzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig brauchen werden. Nach seiner Ansicht wird der Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steigen. Und die müssen vor allem interdisziplinär denken können und ein ausgeprägtes Prozessverständnis haben. Dworschak hat Soziologie und Neuere Englische Literatur an der Universität Tübingen sowie an der University of Leicester in England studiert. Seit 2002 ist er Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. Seit 2016 leitet er dort das Team „Kompetenzmanagement“. Seine Arbeitsschwerpunkte konzentrieren sich auf die Themen demografischer Wandel, Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen und Kompetenzmanagement. Aktuell beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Kompetenzen sowie mit Fragen der Kompetenzentwicklung in der Industrie 4.0.

Henning Kautz

Der Prozess der Automatisierung von Arbeitsprozessen ist für Hennig Kautz, seit 2005 Leiter der gewerblich-technischen Berufsausbildung bei Continental am Unternehmenssitz in Hannover, nicht neu. Seit 20 Jahren bildet er aus. Von Anfang an war die Anpassung von Ausbildungsformen und -inhalten an automatisierte Produktionsprozesse Bestandteil seiner Arbeit. In der Digitalisierung sieht er eine Chance, nicht nur zunehmend körperliche Arbeit zu vermeiden, sondern auch größere Anteile der Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Nach seiner Einschätzung erfordert die Digitalisierung zunehmend kognitive Fähigkeiten der Akteure. So wird beispielsweise bei Continental derzeit die Ausbildung durch digitale Lerneinheiten ergänzt: Azubis lernen hier, sich Ausbildungsinhalte digital zu erschließen. Henning Kautz hat nach seiner Berufsausbildung zum Maschinenschlosser und dem Fachabitur Maschinenbau mit Fachrichtung Verfahrens- und Umwelttechnik an der Fachhochschule Hannover studiert.

Jeong Hong Oh

Heute wächst eine Generation auf, die mehr Verantwortung übernehmen möchte, das aber in klassischen Arbeitsstrukturen kaum kann. Es geht nicht mehr um Geld oder Macht, sondern um Sinnhaftigkeit in der eigenen Arbeit, sagt Jeong Hong Oh, der sich als Mönch bezeichnet. Er ist Mitglied und Miteigentümer der Design Thinking Agentur Dark Horse Innovations, die er, wie er sagt, gemeinsam mit 30 Mitgründern nach dem Modell eines Klosters in Berlin Kreuzberg organisiert: Die Gründer sind gleichberechtigt am Unternehmen und an allen Entscheidungen beteiligt und bestimmen auch selbst über Inhalt und Form ihres Engagements. In so einer Arbeitssituation geht es Oh nicht mehr um Work-Life-Balance, sondern um Life-Balance: Das zu machen, was mit Sinn erfüllt und Spaß macht. Jeong Hong Oh hat Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin studiert. Seine heutigen Kollegen hat er bei seinem anschließenden Aufbaustudiengang in Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam kennengelernt. Die Spannbreite, wie wir arbeiten und arbeiten wollen, wächst, sagt er, und es müssen Modelle entwickelt werden, die diesen Ansprüchen gerecht werden.

Sabine Pfeiffer

Prof. Dr. habil. Sabine Pfeiffer ist seit 2014 Professorin für Soziologie an der Universität Hohenheim. Seit fast zwanzig Jahren forscht sie zur Entwicklung von Arbeit und Gesellschaft, darunter zehn Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF München). Nach dem Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie und der Promotion erwarb Sabine Pfeiffer 2009 ihre Habilitation im Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Von 2010 bis 2014 war sie Professorin für Innovation und kreative Entwicklung an der Hochschule München. Eine zentrale Rolle spielt in ihrer Forschung der Wandel und die Prägung moderner Arbeit durch IT, Robotik, BigData und Social Media unter den Schlagworten Web 2.0 und Industrie 4.0. Prof. Pfeiffer hat eine Ausbildung zur Werkzeugmacherin absolviert, sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Plattform Industrie 4.0.

Tobias Schwarz

Tobias Schwarz arbeitet seit 2016 als Coworking Manager im St. Oberholz in Berlin. Dort, wo sich die „selbsternannte digitale Boheme“ trifft, wie ein Reiseführer schreibt, sieht Schwarz das Modell für die Zukunft der Arbeit, den Coworking Space. Freelancer und Kreative bilden hier eine Gemeinschaft, die sich temporär Büros oder den Schreibtisch teilen, aber auch Ideen. Hier gedeihen nach seiner Überzeugung Innovation und Kreativität. Coworking ist für Schwarz aber auch „freies Arbeiten“, sich ohne Chef und ohne Denkbeschränkungen „immer wieder selbst zu erfinden, sich gut zu fühlen“ – also ein neuer Ansatz von Arbeit, auch „Neue Arbeit“ genannt. Nach seiner Ansicht gilt es, darüber nachzudenken, wie man dieses neue Arbeitsmodell ausweiten und möglichst vielen Menschen ermöglichen kann. Tobias Schwarz hat Internationale Politikwissenschaft in München, Venedig und Berlin studiert.