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„Roboterassistenz kann Arbeitsplätze erhalten“

Regisseur Max Philipp Glauner hat in seinem Diplomprojekt an der Filmuniversität Babelsberg eine Vision entwickelt, in der Androiden menschliche Bauarbeiter ersetzen. Der fiktive Werbespot „Schnell und billig“ will deren Vorzüge preisen, entlarvt dabei aber auch deren Schwächen. Carsten Knop befasst sich mit der zunehmenden Automatisierung in Deutschland und der Welt. Im Gespräch berichten beide darüber, wie der Einsatz von Robotern die Arbeit verändern wird, warum wir Menschen dazu tendieren, Maschinen zu vermenschlichen und welche Rolle Roboter in der Filmwelt spielen.

ZF: Herr Glauner, gibt es filmische Vorbilder, auf die Sie sich mit Ihrem Spot beziehen?

G: Da gab es eine ganze Menge. „2001 Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick, wo ein durchgeknallter Computer Gefühle entwickelt und die ganze Mannschaft auslöscht. Außerdem Filme wie „I, Robot“ oder „Blade Runner“ und „Ex Machina“. Uns war wichtig, Bauandroiden zu zeigen, die schon verschlissen sind, denen man ins Gesicht schaut und nicht genau sagen kann, ist das eine Maschine, die wirklich nur ihre Arbeit macht, oder empfindet die auch schon etwas. Daraus sollte ein Zwiespalt entstehen, wenn man den Film guckt. Man spricht den Robotern Emotionen und auch Rechte ab und benutzt und verbraucht sie ähnlich wie Nutztiere.

ZF: Der fiktive Werbespot preist die Vorzüge von Robotern, entlarvt aber auch deren Schwächen. Welche Schwächen stellen Sie denn bei Menschen im Umgang mit Robotern fest?

G: Ich denke, dass Roboter faszinierende Möglichkeiten bieten, die Welt besser zu machen. Gleichzeitig ersetzen sie Menschen zunehmend bei Aufgaben, die früher Arbeitsplätze und Identität für die Leute gestiftet haben. Wir geben viel Verantwortung und Fertigkeiten an Maschinen, an Software und auch an künstliche Intelligenz ab. Es geht jetzt schon damit los, dass Kinder in manchen Ländern nicht mehr lernen müssen, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Sie können alles per Tippen und Spracheingabe erledigen. Auch Pflegeroboter haben auf der einen Seite ein wahnsinniges Potenzial, auf der anderen Seite verliert man jedoch zunehmend den Bezug zum Menschen, weil man Maschinen einsetzt, um Aufgaben zu erledigen, die eigentlich der Mensch selber durchführen müsste.

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Max Philipp Glauners Film „Schnell und billig“ lief nicht nur auf dem Foresight Film Festival, sondern auch auf dem Boston Science Fiction Film Festival.
Copyright Max Philipp Glauner

ZF: Herr Knop, teilen Sie die Einschätzung, dass Roboter das Potenzial haben, die Welt zu verbessern?

K: Ja, eindeutig. Es sind vor allem die vielen Chancen, an die man denken sollte. Roboterassistenz kann Arbeitsplätze erhalten, was mit Blick auf den demografischen Wandel wichtig ist. Ein Roboter kann Arbeit abwechslungsreicher machen, weil der einzelne Mitarbeiter mithilfe des Roboters viel mehr tun kann, als immer nur denselben Handgriff. Bestimmte menschliche Begabungen lassen sich ausweiten: Die Sensoren eines Roboters können zum Beispiel das Feingefühl verstärken. Und vielleicht fördern die ganzen zusätzlichen Informationen, die ich von meinem technologischen Helfer an die Hand bekomme auch die Kreativität. Ich kann anspruchsvollere Arbeiten erledigen, weil ich möglicherweise gar nicht so gut ausgebildet oder gerade weil ich gut ausgebildet bin. In jedem Fall hilft mir der Roboter, aus dem was ich kann, noch mehr zu machen. Deutschland ist in dieser Hinsicht mit seinem dualen Ausbildungssystem gut aufgestellt. Arbeitgeber investieren erst einmal viel Geld in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Dieses Berufsbildungssystem ist perfekt geeignet, um Menschen zu befähigen, mit Robotern umzugehen.

ZF: Wie weit ist die Automatisierung in Deutschland im internationalen Vergleich tatsächlich fortgeschritten?

K: Es gibt wohl kein Land auf der Erde, das in der Breite der Branchen in der produzierenden Industrie schon so automatisiert aufgestellt ist wie Deutschland. Deutschland hat wahrscheinlich die effizienteste Fertigung von komplexen Industriegütern, die es auf der Welt gibt. In der Automobilindustrie arbeiten wir zum Beispiel schon seit Jahren mit Robotern. Das ist eine unserer wichtigsten Branchen. Interessanterweise nimmt der Robotereinsatz da immer stärker zu, gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Beschäftigten immer mehr. In den Jahren von 2010 bis 2015 ist der Roboterbestand in der Automobilindustrie in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt um 17 Prozent gestiegen und in der gleichen Zeitspanne auch die Zahl der Beschäftigten. Dieser Zugewinn an Produktivität durch die Roboter kommt auch direkt den Beschäftigten zugute.

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Carsten Knop ist Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen der FAZ.
Copyright Wolfgang Eilmes

ZF: Herr Glauner, warum tendiert der Mensch dazu, Maschinen zu vermenschlichen?

G: Wir Menschen sind körperlich äußerst verwundbar und nur für kurze Zeit auf der Erde. Eine Maschine aus Metall vermittelt hingegen den Eindruck, dass sie Jahrhunderte überdauern kann. Wenn wir einen Roboter erschaffen, hat es immer etwas Gottgleiches. Wir erwecken eine Figur nach unserem Ebenbild zum Leben, die viel größere Möglichkeiten und Fähigkeiten hat als wir selbst. Wir projizieren unsere Sehnsucht nach Kraft und Unsterblichkeit auf den Roboter und identifizieren uns mit ihm. Daher ist die Vermenschlichung im Design von Androiden kein Zufall.

ZF: Welche Rolle spielen in der Filmwelt eigentlich Roboter, die Gefühle entwickeln?

G: In Filmen und Romanen kommt häufig die Frage auf, was passiert, wenn der Roboter tatsächlich erwacht und sich selber bewusst wird, dass er ein Lebewesen mit Emotionen ist. Daraus entsteht dann ein Kampf zwischen Mensch und Geschöpf, wie zum Beispiel bei „Frankenstein“. Schauen Sie sich auch „Ex Machina“ oder „Westworld“ an. Da geht es immer darum, was empfindet der Roboter, wie interagiert er mit Menschen, und welche Macht und Gewalt übt der Mensch auf den Roboter aus.

K: Es gibt in „Per Anhalter durch die Galaxis“ einen ganz bekannten Roboter, der Gefühle zeigt. Marvin, ein total süßer Kerl, und eine Ikone der Filmgeschichte. In der Realität sind Roboter noch unglaublich weit davon entfernt. Gleichwohl werden im Moment auf dem Feld der künstlichen Intelligenz unwahrscheinlich schnelle Fortschritte gemacht. Dass Roboter dem nahekommen, eigene Schlüsse aus Informationen zu ziehen, ohne dass diese eins zu eins programmiert sind, ist schon gut vorstellbar. In zehn bis zwanzig Jahren werden wir völlig andere Verhaltensweisen von Robotern sehen.

ZF: Herr Knop, was würde diese Entwicklung für das Arbeitsleben bedeuten und welche Branchen wären davon besonders betroffen?

K: Alle Branchen werden betroffen sein. Nicht nur Fabriken, wo Produkte hergestellt werden, sondern zum Beispiel auch mein Arbeitsplatz hier in der Redaktion. Es gibt längst Algorithmen, die dafür sorgen, dass ganz normale Standardtexte über neue Quartalszahlen von Unternehmen, automatisch geschrieben werden. Das ist, wenn man so will, dann ein Schreibroboter. Einige englischsprachige Medienhäuser nutzen diese Schreibroboter heute schon. Mit Deutsch ist das noch nicht ganz so einfach, aber hier ist man auch auf einem guten Weg.

G: Sind diese Schreibroboter für Sie eher eine Entlastung im beruflichen Alltag oder sehen Sie diese doch als Konkurrenz?

K: Beides. Es ist mithin genau das, was es für andere Berufe auch bedeutet. Wir haben vor zwanzig, dreißig Jahren Wirtschaftsteile gemacht, in denen ziemlich generische Quartalsberichte standen. Die Schreibroboter führen dazu, dass ein Journalist endlich Zeit für Artikel bekommt, die der Leser vielleicht viel spannender findet, als die Auswertung eines Quartalsberichts. Sie können sich zum Beispiel den handelnden Personen in der Wirtschaft intensiver widmen. Und jetzt kommt das Dilemma: Der Roboter darf nicht dazu benutzt werden, dass der Journalist, der früher diese Quartalsberichte geschrieben hat, einfach wegrationalisiert wird. Es muss dazu führen, dass die Arbeitskraft, die frei wird, umgelenkt wird in das, das hoffentlich mehr Wert schöpft und mehr Leserinteresse findet, nämlich in diese journalistische Tätigkeit. Vor dieser Herausforderung stehen dann wieder alle Branchen.


Hier können Sie sich den fiktiven Werbespot von „Schnell und billig“ von Max Philipp Glauner anschauen: