ZukunftsForum IV: Denken und Arbeiten in der Welt von morgen

Der ZukunftsTag zum Thema „Wissen schaffen – Denken und Arbeiten in der Welt von morgen“

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Das war die Leitfrage am ZukunftsTag, der am 4. März 2017 im Berliner FabLab stattfand. Auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) warfen rund fünfzig Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Expertinnen und Experten einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt. Sie tauschten sich über die Chancen und Risiken der zunehmenden Automatisierung von Tätigkeiten aus, diskutierten darüber, welche neuen Anforderungen sich daraus für den Menschen ergeben und welchen Stellenwert Arbeit insgesamt in unserem Leben haben wird. Die Ergebnisse dieses Bürgerdialogs sollen dem BMBF Impulse für Forschungsfragen und Innovationsstrategien rund um die Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft geben.

Zu Beginn der Veranstaltung führte der Themenpate des ZukunftsTages, Professor Dr. Jochen Steil von der Technischen Universität Braunschweig, die Anwesenden mit einem Impulsvortrag in die Thematik ein. Er machte deutlich, dass die Digitalisierung alle Arbeits- und Lebensbereiche verändert – von der vollautomatisierten Montage einer Autokarosserie, über ein Gesichtserkennungstool, das in den sozialen Medien zum Einsatz kommt, bis hin zum Handwerksbetrieb, dessen Produkt nun auch online bestellt werden kann. Gleichzeitig betonte der Experte für Robotik aber auch, dass das Szenario einer menschenleeren Fabrik mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintreten wird. Viel realistischer sei ein verstärktes Zusammenspiel von Mensch und Maschine, wie es beispielsweise Chirurginnen und Chirurgen in ihrem Arbeitsalltag erlebten. So würden die Ärztinnen und Ärzte immer mehr operative Eingriffe mit Hilfe von Robotern vornehmen und sich medizinische Daten von speziellen Computerprogrammen auswerten lassen.

Wie facettenreich die Frage nach der Arbeitswelt der Zukunft ist, zeigte sich in den anschließenden Workshops, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger zusammen mit den Expertinnen und Experten Fragen widmeten wie „Welche Kompetenzen brauchen Menschen, wenn sie zukünftig noch stärker mit Maschinen zusammenarbeiten?“, „Können Maschinen Chef sein?“, „Kann und sollte Arbeit mehr sein, als eine Tätigkeit, mit der Menschen Geld verdienen?“

Die Workshop-Themen im Überblick

Workshop 1:

Wie bereiten wir uns auf die Arbeitswelt von morgen vor?
Experten: Bernd Dworschak (Fraunhofer IAO), Henning Kautz (Continental)

Workshop 2:

Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag von morgen?
Experten: Prof. Dr. Jochen Steil (TU Braunschweig), Tobias Schwarz (Sankt Oberholz Berlin)

Workshop 3:

Was bedeutet uns Arbeit in Zukunft?
Experten: Prof. Dr. Sabine Pfeiffer (Uni Hohenheim), Jeong Hong Oh (Dark Horse Innovations), Christian Cohrs (Business Punk)

Bildbeschreibung
Teilnehmende des Workshops „Was bedeutet uns Arbeit in Zukunft?“ während der Diskussion.
Copyright Thomas Köhler/photothek.net

Was sind die konkreten Ideen der Bürgerinnen und Bürger für das Jahr 2030?
In den Workshops entwickelten die Bürgerinnen und Bürger Visionen für die Arbeitswelt der Zukunft. Eine besondere Rolle spielten dabei die sozialen Auswirkungen der zunehmenden Automatisierung. Zentral war die Frage, wie nicht nur einzelne, sondern alle Teile der Gesellschaft von dieser Entwicklung profitieren können. „Mir ist wichtig, dass wir uns immer am Menschen orientieren. Der Einsatz von Robotern wird vor allem hochqualifizierte Jobs erfordern. Wir müssen jedoch auch an Menschen denken, die weniger gut qualifiziert sind“, sagte Manuel Heeren aus Bielefeld. Dabei ist die materielle Sicherheit nur ein Aspekt. Ebenso wurde betont, wie wichtig es ist, dass Menschen ihre Arbeit auch in Zukunft als identitätsstiftend und erfüllend wahrnehmen. Außerdem tauschten sich die Anwesenden über die Chancen und Vorteile der Digitalisierung aus, die Menschen an ihrem Arbeitsplatz für sich nutzen können. „Ich erhoffe mir, dass dadurch die Bürokratie abnimmt. Dann hätten wir mehr Zeit für soziale Kontakte“, sagte Nelea Tolckmitt aus Hildesheim. Ebenso wurden auch konkrete Ideen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zusammengetragen. „Ich finde bewegliche Büros interessant, weil man so mit den verschiedensten Menschen zusammenarbeiten kann und nicht immer aus demselben ‚Topf‘ schöpft“, sagte Martina Pechtl aus Leipzig.

Zum Abschluss des ZukunftsTages präsentierten die Teilnehmenden der einzelnen Workshops ihre Zukunftsideen und Handlungsempfehlungen für das BMBF. Diese reichen von einer stärkeren Flexibilisierung von Arbeit, einer stärkeren Vernetzung von Forschung und Praxis bis hin zu einer breiteren Definition von Arbeit. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass die anwesenden Bürgerinnen und Bürger trotz einiger Bedenken grundsätzlich optimistisch in die Zukunft der Arbeitswelt schauen und bereit sind, die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung auch für sich zu nutzen. Das BMBF wird ihre Vorschläge im Rahmen der ZukunftsNacht mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka am 29. März 2017 vertiefend mit Bürgerinnen und Bürgern diskutieren.

Impressionen vom ZukunftsTag finden Sie hier.