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Lernen Schüler bald mit Virtual Reality-Brille?

Davon sind jedenfalls die Spieldesignerin und -forscherin Greta Luise Hoffmann und der Regisseur Dominik Bücheler überzeugt. Beide haben sich im Rahmen des diesjährigen Foresight-Filmfestivals mit filmischen Zukunftsvisionen beschäftigt – sie als Jurymitglied, er als Wettbewerbsteilnehmer. Im Gespräch erklären sie, wie sie sich den Unterricht der Zukunft vorstellen.

ZF: Frau Hoffmann, Sie haben mal über Lernspiele gesagt: „Die Entwicklung der Virtual Reality oder des Neurogaming könnte etwas bahnbrechend Neues auf den Markt bringen, von dem man bisher in Rollenspielen oder in der Science‐Fiction nur träumen konnte.“ Beschreiben Sie doch mal, wie könnten solche Lernspiele aussehen?

H: Durch Virtual Reality können wir einen virtuellen Raum schaffen, in dem wir Dinge spielerisch und gefahrenfrei ausprobieren können. Das ermöglicht eine Erfahrung, die man vor allem im Kindesalter macht: das freie Spiel, als wären wir beispielsweise Piraten oder Prinz und Prinzessin, und durch diese Simulation sammeln wir neue Erfahrungen. Neurogaming würde noch einen Schritt weitergehen und eine Steuerung durch unser Gehirn bedeuten.

Durch all das lassen sich Fantasiewelten erstellen und besuchen – die dadurch möglichen Erlebnisse und Erfahrungen sind schier grenzenlos. Das würde beispielsweise die Assoziationsfähigkeit und Kreativität fördern und für eine viel schnellere Lernentwicklung sorgen, als das im Moment der Fall ist. Aus Frontalunterricht würde experimenteller Unterricht werden, der zwar von Erwachsenen begleitet werden würde, aber ohne die Gefahren der realen Welt.

Bildbeschreibung
Greta Luise Hoffmann
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ZF: Reicht es, sich dafür eine Virtual Reality-Brille aufzusetzen oder sollten für das Lernen noch andere Sinne angesprochen werden?

H: Langfristig sollten alle Sinne angesprochen werden. Genau das ist der große Vorteil von Virtual Reality. Ob das auch mit dem Geruchssinn klappen wird, bleibt offen. Aber bereits die Erweiterung auf haptische und räumliche Wahrnehmung wird unseren Lern- und Erfahrungshorizont erweitern, insbesondere durch die verstärkte Möglichkeit der sozialen Vernetzung, also das Treffen mit anderen im virtuellen Raum.

ZF: Herr Bücheler, Sie haben Ihren Festivalfilm „Omnis Fi“ bewusst als Dystopie, also düstere Zukunftsvision, angelegt. Hier wirkt künftige Technik eher bedrohlich. Wie bewerten Sie den Zukunftsoptimismus von Frau Hoffmann in Bezug auf digitales Lernen?

B: Ich teile diesen Optimismus. Aber zum Zeitpunkt, als ich das Drehbuch geschrieben habe, fehlte mir der öffentliche Diskurs in den Medien und der Wissenschaft darüber, welcher technologischen Entwicklung wir uns derzeit aussetzen. Deshalb verstehe ich den Film eher als Impulsgeber, indem er über ein Worst-Case-Szenario zeigt, was passiert, wenn man sich aus Faulheit in Abhängigkeit begibt. In weiten Teilen stimme ich Frau Hoffmann zu, VR wird einen riesigen Einfluss auf die Bildungsbranche haben.

Bildbeschreibung
Dominik Bücheler
Copyright Dominik Bücheler

ZF: Von Ihnen beiden war zu lesen, dass Sie die Ansicht vertreten, es mangele Menschen an digitaler Kompetenz. Auf die digitale Bildung bezogen, könnte man auch den Eindruck haben, dass Schüler sehr wohl „digital fit“ sind und es mehr die Lehrer sind, die dazulernen müssen … Welche Kompetenzen müssen denn im Zusammenhang mit digitaler Bildung vermittelt werden?

H: Man muss in der Lage sein, Informationen und Quellen zu hinterfragen und recherchieren zu können. Wichtig wäre außerdem, dass der Staat für Eltern eine Anlaufstelle für Informationen zur digitalen Bildung einrichtet.

B: Einer der ersten Schritte wäre aus meiner Sicht Programmieren als Pflichtfach ab der Grundschule, denn das ist wie eine Fremdsprache. Außerdem sollte man eine gesunden Skepsis vermitteln nach dem Motto „Ich stehe der Technik neutral gegenüber, aber hinterfrage das neue, coole Startup, das mir angeblich vieles in meinem Leben erleichtern will“. Man könnte es als „Erziehung zum mündigen Netzbürger“ bezeichnen, auch wenn das vielleicht utopisch ist.

ZF: Wo liegen die Grenzen von digitaler Bildung, was muss „offline“ gelernt werden?

H: Grenzen der digitalen Bildung bestehen aus meiner Sicht nur in der vorhandenen Technologie und darin, dass die menschliche Aufnahmefähigkeit begrenzt ist. Aber ich bin optimistisch, dass die Forschung diese Grenzen überwinden kann.

B: Wenn sich der Trend so fortsetzt, kann es sein, dass man bald alle Arten von Unterricht in Virtual Reality durchführen kann und es nur noch davon abhängt, wie groß der Wille ist, das auch zu tun.