ZukunftsForum III: Lehren, Lernen & Leben in der digitalen Welt

Der ZukunftsTag zum Thema „Lehren, Lernen und Leben in der digitalen Welt“

ZukunftsTag am 24. September im Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF): Das Ministerium hatte Bürgerinnen und Bürger sowie Expertinnen und Experten eingeladen, um gemeinsam über digitale Bildung zu diskutieren. Digitale Technologien in der Bildung bieten großes Potenzial – aber bringen auch Risiken mit sich und stellen Herausforderungen an die Lernenden und Lehrenden. Welche Wünsche für den Umgang mit digitalen Technologien haben die Bürgerinnen und Bürger? Am ZukunftsTag kamen sie zu Wort und konnten ihre Perspektiven und Ideen schildern. Am Ende sollten Vorschläge stehen, die nicht nur kreativ sind, sondern dem Ministerium dabei helfen, Innovationsstrategien für die Zukunft zu entwickeln.

Eingeleitet wurde der ZukunftsTag von einem inspirierenden Vortrag der Themenpatin Prof. Dr. Katharina Zweig von der TU Kaiserslautern. Sie zeigte eindrücklich, welche Ansätze in der Bildung aktuell genutzt werden oder in den Startlöchern stehen – mit Hilfe der Sensoren in Smartphones lassen sich beispielsweise Beschleunigung oder Flugphasen berechnen. Eine weitere Herangehensweise sind interaktive Hinweise. Eyetracker liefern während des Lesens Daten darüber, an welchen Worten Menschen hängenbleiben – der Computer kann davon ausgehend Übersetzungen oder weitere Informationen anbieten. So werden „antizipierende Schulbücher“ möglich, die je nach Leser andere, angepasste Inhalte bereitstellen. Chancen bieten sich daraus für Integration, Inklusion und das individuelle Lernen. Gleichzeitig existieren Risiken, über die ebenfalls gesprochen werden muss. Diese drehen sich um Fragen wie: Was lernen wir noch, wenn Wissen immer verfügbar ist? Wer überprüft Lernprodukte und deren Qualität? Sollten sie wie Medizin erst ihre Wirksamkeit nachweisen, bevor sie zum Einsatz kommen?

Anschließend konnten die Chancen und Risiken intensiv diskutiert werden. Die sechs Workshops fokussierten auf verschiedene Teilaspekte der drei übergeordneten Kernfragen: „Was lernen wir in Zukunft?“, „Wie lernen wir in Zukunft?“ und „Wer lehrt in Zukunft?“ Jeder Workshop wurde von einer Expertin oder einem Experten begleitet. Sie standen den Diskutierenden nicht nur mit ihrem Fachwissen zur Seite. Zusätzlich ordneten sie Vorschläge, aber auch Nachfragen in den übergreifenden Zusammenhang ein und setzten sie in Bezug zum Stand der Forschung. Die Bürgerinnen und Bürgern konnten aus einem der folgenden Workshops wählen.


Workshop 1:
Früh anfangen: Welches Fach- und Orientierungswissen wird 2030 für Kinder und Jugendliche wichtig sein?
Expertin: Prof. Dr. phil. Dorothee Meister (Universität Paderborn)

Workshop 2:
Lernen nebenbei: Welche neuen Möglichkeiten entstehen für die Weiterentwicklung von Wissen in Alltag und Beruf?
Experte: Michael Härtel (Bundesinstitut für Berufsbildung)

Workshop 3:
Lust auf Neues: Wie kann Lernen 2030 spielerischer und leichter werden?
Expertin: Greta Luise Hoffmann (GameLab Karlsruhe)

Workshop 4:
Offen und leicht zugänglich: Wie nutzen wir die Möglichkeiten der digitalen Vermittlung?
Experte: Thomas Schmidt (Helliwood media & education)

Workshop 5:
Begleitung auf dem digitalen Lernweg: Wie gestalten Lehrende und Bildungseinrichtungen ihre Rolle 2030?
Experte: Prof. Dr. Michael Jäckel (Universität Trier)

Workshop 6:
Wissen, was gut ist: Wie gewährleisten wir die Qualität von Bildungsangeboten 2030?
Expertin: Prof. Dr. Katharina Zweig (Technische Universität Kaiserslautern)

Bildbeschreibung
Teilnehmende des ZukunftsTages im Workshop „Lust auf Neues: Wie kann Lernen 2030 spielerischer und leichter werden?“
Copyright Thomas Köhler/photothek.net

In den Workshops spielten die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Rolle – über diesen Referenzrahmen stellten sie Zugang zum Thema her. In der beruflichen Bildung bieten digitale Technologien ganz praktische Aspekte. Viele kleine Betriebe bilden in ihren täglichen Aufgaben gar nicht alles ab, was Auszubildende lernen sollten. Hier kann die virtuelle Realität interessante Inhalte anbieten. „Die spannenden Sachen im Handwerk, die auch die Motivation obenhalten, können Auszubildende oft gar nicht üben. Das kann man mit digitalen Mitteln toll gestalten, zum Beispiel bei Installationen einen Fehler finden. Oder die Frage lösen: Warum steht die Maschine?“ sagte André O. Auch in der digitalen Bildung muss natürlich eine Lösung gefunden werden auf die Frage, wie sich die beste berufliche Bildung in kleinen wie großen Betrieben umsetzen lässt. Das wird nur im Zusammenspiel von Lehrbetrieb, Berufsschule und überbetrieblichen Betriebsbildungsstätten möglich sein, so waren sich die Teilnehmenden einig.

Auch Museen waren ein Lernort, den die Bürgerinnen und Bürger diskutierten. Sie sollen auch in Zukunft edukative Angebote zur Verfügung stellen. Hier können individuelle Ergänzungen vielversprechend sein, interessensgesteuert und intuitiv. Ein großartiges Szenario für das historische Lernen: Die Teilnehmenden ließen in ihrem Gespräch Museumsbesucher durch das Ischtar-Tor wandern und per VR-Brille in das Babylon der Antike eintauchen. Trotz des Reizes dieser Ideen war den Teilnehmenden der Diskussion wichtig, dass digitale Technologie nicht alles leisten kann und muss. „Lernen wird durch Emotion begünstigt. Das gelingt durch digitale Angebote, trotzdem geht alles vom Original aus“, so Dr. Christine R.

Am Ende der ZukunftsTags stand die Auswertung der Ergebnisse. Auf welche Vorschläge konnten sich die Bürgerinnen und Bürger einigen? Gemeinsam mit den begleitenden Expertinnen und Experten stellten die Teilnehmenden ihre Ideen vor und zeigten dabei auch, wie vielfältig das Thema ist. Über technische Aspekte hinaus spielten Werte eine zentrale Rolle. Die Debatte darüber sollte kontinuierlich fortgeführt werden, so die Meinung der Bürgerinnen und Bürger. Medienkunde und Medienkompetenz waren in verschiedenen Workshops genannte Stichworte. In der Berufsbildung ist auch die Attraktivität der Ausbildungsberufe von Bedeutung – sie könnte über zeit- und jugendgemäße Angebote gelingen. Gamification sollte dabei nicht an reinen Belohnungsmechaniken stehen bleiben, sondern weiter gedacht werden, so das Ergebnis eines weiteren Workshops. In einigen Gruppen wurden die Ideen sehr konkret: ein „Bot“ (elektronischer Begleiter) soll Menschen in ihrem Leben unterstützen und über (Bildungs-)Hürden hinweghelfen. Das Menschliche bleibt trotzdem extrem wichtig: Die Lehrkraft der Zukunft soll soziale Kompetenzen vermitteln, so das Anliegen des Workshops zu Lehrpersonen und Bildungseinrichtungen. Auch die Qualität der Angebote war ein Thema für die Bürgerinnen und Bürger – deshalb zielten auch darauf viele Vorschläge ab. Am Ende des ZukunftsTages ist eine große Zahl von Impulsen zusammengekommen. Diese werden in der ZukunftsNacht am 24. Oktober gemeinsam mit der Hausleitung des BMBF diskutiert.