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Harald Heinrichs – Sharing Economy: Potenzial für eine nachhaltige Wirtschaft

Seit ungefähr fünf Jahren erfährt die sogenannte Sharing Economy eine beachtliche mediale Aufmerksamkeit. Während zu Beginn die neuen Möglichkeiten des Tauschens, Teilens und Nutzens ohne zu besitzen – oftmals realisiert über digitale Medien und mobile Kommunikationstechnologien – sehr positiv bewertet wurden, ist die mediale Stimmung inzwischen umgeschlagen. Im Mittelpunkt der Kritik stehen dabei insbesondere international agierende Plattformunternehmen, die Interaktionen und Transaktionen zwischen Privatpersonen gegen Gebühr vermitteln. Die tatsächliche Vielfalt der Sharing Economy und ihre Potenziale für eine nachhaltige Wirtschaft geraden dabei aus dem Blick.

Sharing Economy umfasst kommerzielle Angebote und nicht-kommerzielle Initiativen, das Spektrum reicht von Car-Sharing über Bike-Sharing, Plattformen zum Tauschen, Teilen und Vermieten von Gütern und Räumen bis hin zu kollaborativen Phänomenen, wie gemeinschaftlichem Wohnen oder Gemeinschaftsgärtnern. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Varianten, dass sie alternative Besitz- und Nutzungsformen darstellen.

Bildbeschreibung

Auch Gemeinschaftsgärten gehören zur Sharing Economy
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Statistiken zeigen, dass die Sharing-Economy aus Nischen heraus wächst: das gilt nicht nur für prominente Felder wie Privatzimmervermittlung oder Sharing im Mobilitätsbereich, sondern auch für andere Bereiche, wie beispielsweise gemeinschaftliche Wohnprojekte. Bürgerbefragungen zeigen, dass circa 40 Prozent der deutschen Bevölkerung sharing-affin sind, somit besteht ein signifikanter Nachfragepool.

Auch wenn noch zu wenige empirische Erkenntnisse vorliegen, erscheint das Potenzial der Sharing Economy für eine nachhaltige Wirtschaft attraktiv: Ressourcen können durch intelligentes Teilen und Nutzen von Gütern reduziert werden, Sozialkapital gerade durch die nicht-kommerziellen Formen gestärkt und Wertschöpfung durch Transaktionen zwischen Privatpersonen dezentralisiert werden. Damit sich die Chancen der Sharing Economy realisieren, ist politische Gestaltung notwendig. Neben einer angemessenen Regulierung, die Risiken reduziert ohne Chancen zu zerstören, bedarf es gerade auch für soziale Sharing-Innovationen der fördernden Unterstützung. Um den gesellschaftlichen Mehrwert der Sharing Economy sichtbar zu machen, ist es möglicherweise sinnvoll, dem BIP (Bruttoinlandsprodukt) zukünftig ein SEP (Sharing Economy Product) zur Seite zu stellen.