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Wenn der Lehrer das Arbeitsblatt remixt

Ein Arbeitsblatt kopieren und an die ganze Klasse verteilen? Das funktioniert oft nicht, berichtete eine Hamburger Lehrkraft dem „Projekt Mapping OER“: „In jeder Lerngruppe sitzen Schülerinnen und Schüler mit mindestens vier verschiedenen Leistungsniveaus.“ Um allen gerecht zu werden, müsse sie daher ihre selbst entwickelten Unterrichtsmaterialien – oder die von Kollegen – immer wieder neu überarbeiten. Das Anpassen und Vervielfältigen des urheberrechtlich geschützten Materials von Schulbuchverlagen kommt für sie wiederum wegen der rechtlichen Risiken nicht in Frage, erklärte sie.

Einen Ausweg bieten freie Bildungsmaterialien, auch als Open Educational Resources (OER) bekannt. Die Idee: So, wie man beim Onlinelexikon Wikipedia kostenlos auf das kollektive Wissen anderer zugreifen und es vervollständigen kann, geht dies mit OER. Digitale Arbeitsblätter, Aufgabenstellungen oder Grafiken können frei nach den Bedürfnissen der Lehrkraft und ihrer Klasse bearbeitet werden.

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Freie Unterrichtsmaterialien sind meist digital
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Doch die Qualität von Wikipedia basiert auf der strengen Prüfung, der die Macher des Onlineportals neue Einträge unterziehen: Was nicht durch Quellen belegt werden kann, wird gelöscht. Wie lässt sich bei OER sicherstellen, dass die zum Download bereitgestellten Lehrmaterialien inhaltlich korrekt sind und hohe qualitative Ansprüche erfüllen?

Mit dieser Frage hat sich Wikipedia-Betreiber Wikimedia im Rahmen des Projekts „Mapping OER – Bildungsmaterialien gemeinsam gestalten“ beschäftigt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Aus dem intensiven Dialog mit OER-Experten ist die Empfehlung entstanden, eine Clearingstelle einzurichten, die OER-Materialien qualitativ prüft und zertifiziert. Außerdem sollen ein Kriterienkatalog sowie ein Qualifizierungs- und Coaching-System die Ersteller von OER-Inhalten zu guter Qualität anleiten.

Langfristig führt nach Ansicht der Wikimedia an OER kein Weg vorbei: „Nur freie Lehr- und Lernmaterialien werden den digitalen Bildungsbedingungen des 21. Jahrhunderts gerecht, denn sie stehen nicht nur kostenlos zur Verfügung, sondern erlauben explizit auch die Bearbeitung und Weiterverbreitung durch andere.“ OER stellen also eine wichtige Ergänzung im Schulalltag dar. Doch auch wenn sie in Zukunft regelmäßig zum Einsatz kommen, werden herkömmliche Schulbücher vermutlich weiterhin eine Rolle spielen.