Die Themen

„Ein Smartphone kann mehr als Star Trek-Technologie“

Filmemacherinnen und Filmemacher zeigen Ende Juni beim „Foresight Filmfestival“ in Halle an der Saale mit Unterstützung des BMBF ihre filmischen Zukunftsvisionen. In der Jury sitzt auch Dr. Sascha Dickel. An der TU München erforscht er die gesellschaftlichen Folgen des technischen Wandels: „Die Technik verändert die Gesellschaft und die Gesellschaft verändert die Technik“, fasst Dickel sein Forschungsthema zusammen. Privat lässt er seiner Kreativität zu diesem Thema freien Lauf: Er schreibt Science Fiction-Geschichten.

ZF: Herr Dr. Dickel, welche Folgen hat der digitale Wandel auf die Art, wie wir tauschen, teilen und selber machen?

D: Das hat enorme Konsequenzen, die gar nicht überschätzt werden können. Es wurde natürlich schon immer getauscht, geteilt und selbstgemacht. Aber die Digitalisierung macht das ganze natürlich viel, viel leichter. Alles, was digitalisiert werden kann, das kann leichter getauscht und geteilt werden. Das geht bereits bei digitalen Daten los. Und mit solchen schönen Technologien wie dem 3D-Drucker erleben wir noch eine weitere Dimension: Digitale Daten können nicht nur getauscht werden, sondern es gibt auch Technologien, um diese digitalen Daten wiederum in materielle Gegenstände umzuwandeln. Das steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber man kann sich das Potenzial vorstellen.

Bildbeschreibung
Sascha Dickel ist Forscher und Science-
Fiction-Autor
Copyright: privat

ZF: Welche Science Fiction aus der Vergangenheit ist mittlerweile zur Realität geworden und welche könnte es durch den digitalen Wandel werden?

D: Das schöne ist ja, dass Science Fiction niemals Eins zu Eins Realität werden muss, um in uns das Gefühl zu erzeugen, dass sie real geworden ist. Viel aus dem Bereich des Internets tauchte bereits in der Science Fiction auf, gerade das Internet selbst ist durch die Idee der Vernetzung durch Computer im sogenannten Cyberpunk vorgedacht worden. Oder nehmen wir den Kommunikator bei Star Trek als Beispiel. Das ist eine Technik, die heute mit dem Smartphone in weiten Teilen realisiert worden ist, das Smartphone kann sogar wesentlich mehr als diese Star-Trek-Technologie. Stellenweise hat die technische Entwicklung Science Fiction somit überflügelt.

ZF: Das Foresight Filmfestival nähert sich dem Thema Wissenschaft und Zukunftsvisionen filmisch, das Motto lautet „science meets vision“. Wo endet Wissenschaft, wo beginnt Science Fiction aus Ihrer Sicht?

D: Bei Wissenschaft geht es immer um überprüfbare Aussagen. Science Fiction kann sich da viel größere Freiräume erlauben, sie kann mit Ideen experimentieren, ohne dass sie behaupten muss: „Das entspricht bereits der Wirklichkeit“. Die Wissenschaft hat ihre Grenzen an der Überprüfbarkeit und die Science Fiction kann darüber weit hinausgehen.

ZF: Was erwarten Sie von den Filmbeiträgen des Foresight-Filmfestivals?

D: Beim letzten Mal hat sich gezeigt, dass die Filmeschaffenden das Thema ganz unterschiedlich ausgelegt haben. Wir hatten zum einen mehr oder weniger Werbefilme professioneller Art für bestimmte Technologien und zum anderen Beiträge, die man relativ klar der Science Fiction zuordnen konnte. Es gibt eine große Bandbreite an konkreten technischen Visionen auf der einen und Science Fiction auf der anderen Seite. Das ist für dieses Mal auch wieder zu erwarten.

ZF: Und wenn Sie selbst nochmal eine Science-Fiction-Geschichte schreiben würden, wovon würde die handeln?

D: Leider lässt mir die Arbeit als Wissenschaftler wenig Zeit, aber wenn ich mal wieder einen Roman schreibe, dann wird es um etwas gehen, das überhaupt nicht realisierbar ist, nämlich die Teleportation.