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„Die Grenze zwischen Digitalem und Greifbarem löst sich auf“

Selbermachen, das klang lange Zeit stark nach Heimwerken und Handarbeit. Doch der Boom von 3-D-Druckern hat einen neuen Typ von Bastlerinnen und Bastlern hervorgebracht: die Maker, eine Art Daniel Düsentrieb mit Programmierkenntnissen. Philip Steffan kennt diese Szene sehr gut: Er ist nicht nur Community Manager beim Bastel- und Erfinderfestival „Maker Faire“ und Redakteur der Zeitschrift „Make“, sondern auch selbst ein Tüftler. Was sein Großvater damit zu tun hat und welche Maschinen manche Maker am liebsten bauen, erklärt er im Interview.

ZF: Herr Steffan, wie sind Sie zum Maker geworden?

S: Vor ein paar Jahren hatte ich einen der ersten 3-D-Drucker mit programmierbarem Mini-Computer und habe mit ihm hier in Berlin Kurse angeboten. Irgendwann habe ich versucht, mit diesem Wissen etwas anzufangen und so bin ich zum Make-Magazin und darüber hinaus zum Maker-Faire-Festival gekommen.

Bildbeschreibung
Phillip Steffan ist Maker aus Überzeugung
Copyright Maker Media GmbH

ZF: Worin liegt denn die Faszination des Selbermachens?

S: Mein Opa hat sehr viel selber geschraubt und mit mir gebastelt, vielleicht gab das den Impuls. Allerdings wird das „neue Basteln“ der Makerszene einerseits stark befördert durch das Internet, wo man sich sehr schnell mit anderen austauschen kann und Anleitungen sowie Inspiration findet. Und andererseits gibt es viele tolle Geräte und Möglichkeiten, um auch ohne handwerkliches Geschick am Computer etwas zu designen und herzustellen. Das sind aus meiner Sicht die beiden Hauptgründe dafür, dass das Selbermachen in den letzten Jahren unter dem „Maker“-Begriff wieder populär geworden ist.

ZF: Und wie würden Sie Ihrem Opa erklären, was die Makerszene ist?

S: Maker sind Kreative, Künstler, Heimwerker, aber auch Leute aus sogenannten Fab Labs, also modernen und offenen Werkstätten, wo Geräte wie 3-D-Drucker und andere Technik geteilt werden. Wieder andere von ihnen kommen aus dem Bildungs- oder Forschungsbereich. Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich für das Selbermachen sowie das Zugänglichmachen und Teilen von Wissen interessieren.

All diese verschiedenen Communitys kommen auf der Maker Faire zusammen. Das ist ein Festival, bei dem sich die Maker untereinander kennenlernen und inspirieren können, aber es ist auch für Leute ohne Vorwissen interessant. An den Ständen präsentieren die Maker nämlich nicht nur ihre Projekte und Erfindungen, sondern die Besucherinnen und Besucher können auch mitmachen und beispielsweise selber löten, schweißen oder basteln.

ZF: Für welche Bereiche interessieren sich Maker besonders, welche Schwerpunkte lassen sich feststellen?

S: Ein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Geräten wie dem 3-D-Drucker, Fräsen sowie die Nutzung von Lasercuttern, mit denen man Holz, Plastik und manchmal sogar Metall schneiden kann. Ein Lasercutter ist wie eine Fräse, nur mit einem Laser anstatt eines Fräskopfs. Durch diese Technologien löst sich die bisher bestehende Grenze zwischen Digitalem und Greifbarem auf.

Außerdem dreht sich die Makerszene auch stark um alles, was mit Programmierung zu tun hat. Denn damit lassen sich nicht nur computerinterne Vorgänge steuern, sondern auch Roboter. Insgesamt besteht ein großes Interesse daran, wie man mit digitalen Methoden in unserer materiellen Welt etwas bewegen kann.

ZF: Welche spannenden Projekte gibt es aktuell in der Makerszene?

S: Es gibt begeisterte Roboterbastler. Aus Sperrholz, Teilen aus dem 3-D-Drucker und dem Automobilbereich lassen sie zum Beispiel fernsteuerbare Roboter entstehen. In fast allen Projekten stecken kleine Computer, die eigentlich für den Programmierunterricht entwickelt wurden. Man findet sie sowohl in selbstgebauten Buchscannern, die selber umblättern, in kleinen Laptops, mit denen Schulklassen programmieren lernen, als auch in vielen anderen Geräten, für die es keine richtigen Kategorien gibt. Viele von diesen Erfindungen sind nützlich und schließen sozusagen eine bestehende Lücke, andere dagegen sind eher interessante Erfindungen ohne konkreten Mehrwert.

ZF: Das klingt insgesamt nach einem Hobby mit einem hohen „Nerd-Faktor“, denn es setzt ein hohes Maß an Spezialwissen voraus. Wie massentauglich ist die Makerbewegung?

S: Obwohl die Makerbewegung tatsächlich einen gewissen „Nerd-Hintergrund“ hat, versuchen wir immer, dass auch Außenstehende zu unseren Veranstaltungen kommen, damit die Leute nach Hause gehen und sagen „Heute habe ich zum ersten Mal etwas gelötet oder repariert“. Das Wichtigste ist aus meiner Sicht der Impuls, zu wissen, dass man es auch selber könnte. Wir wollen zeigen, dass es gar nicht so schwierig ist. Darum gibt es auf der Maker Faire viele Workshops und die sind immer schnell ausgebucht von Leuten, die unabhängig von ihrem Alter große Lust haben, neue Hobbys zu entdecken. Wir haben schon erlebt, dass Leute bei ihrer ersten Maker Faire in ein Thema hineinschnuppern, im Jahr darauf bereits viel dazu gelernt haben und sich noch ein Jahr später sogar selbst als Aussteller präsentieren. Ich glaube, dieses ganze Do-it-yourself-Thema erlebt eine gewisse Renaissance. Man will sich nicht nur mit dem Computer beschäftigen, sondern auch mal wieder seine Hände einsetzen.

ZF: Wer als Maker etwas Neues entwickelt, spielt vielleicht auch mit dem Gedanken, daraus ein Business zu machen. Sind Ihnen solche Fälle bekannt?

S: Ja, ich kenne beispielsweise Maker aus München, die einen Lasercutter entwickelt haben. Das Team bringt aktuell die zweite Version der Maschine auf den Markt. Ich glaube, wer sich als Maker selbständig machen will, bei dem treffen eine Idee und ein Bedürfnis aufeinander – man hat eine konkrete Idee, einen Bedarf und wundert sich vielleicht, warum es eine Lösung oder ein Produkt noch nicht gibt.

Wenn es dann im Lebenslauf passt, vielleicht weil man gerade sein Studium beendet oder nach einer neuen beruflichen Perspektive sucht, ist man natürlich dankbar für Beratung und Gründungsförderung und wagt schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit.

ZF: Wie verändert sich aus Ihrer Sicht durch diese Professionalisierung das Verhältnis der betreffenden Maker zum Selbermachen, zum Hobby?

S: Ich glaube, dass das Leben mit dem neuen Job als Profi-Maker sicher so voll ist, dass man erst mal einige Zeit das Hobby hinter sich lässt. Außerdem denke ich, dass es nicht für jeden etwas ist. Gerade gestern erzählte mir wieder jemand, dass viele Maker natürlich einen Beruf haben, aber ihre Hobby-Tätigkeit ganz bewusst davon abgrenzen. Nicht jeder, der bastelt, will also auch ein Produkt entwickeln. Oder anders gesagt: Für viele soll das Hobby auch ein Hobby bleiben.