ZukunftsForum II: Tauschen, Teilen, Selbermachen

„Tauschen, Teilen, Selbermachen“

Ergebnisse und erste Antworten des BMBF

Stand: Oktober 2016

Mit der ZukunftsNacht am 23. Juni 2016 fand das ZukunftsForum II „Tauschen, Teilen, Selbermachen“ seinen Abschluss und Höhepunkt. Rund 150 Gäste diskutierten gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Georg Schütte die Bürgerempfehlungen aus dem ZukunftsTag und stimmten über die Prioritäten ab.

Bürgerbeteiligung verfolgt keinen Selbstzweck, sondern muss sich stets an der glaubwürdigen Berücksichtigung ihrer Beteiligungsergebnisse messen lassen. In diesem Sinne wurden die Ergebnisse des ZukunftsForums vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewertet. Ziel ist es unter anderem, sie in die Entwicklung langfristiger Forschungs- und Innovationsstrategien einzubeziehen.

Weit oben auf der Agenda der Handlungsempfehlungen, die die Bürgerinnen und Bürger dem Bundesministerium mit auf den Weg gaben, steht der Bedarf an staatlichen Anreizen für nachhaltige Produkte und nachhaltigen Konsum zu schaffen sowie das Tauschen, Teilen und Selbermachen mithilfe einer geeigneten Infrastruktur zu unterstützen. Die Information und Aufklärung zur Förderung nachhaltigen Konsums wird von den Bürgern ebenfalls für wichtig befunden. Im Forschungsbereich schließlich stimmte rund ein Drittel der Diskussionsteilnehmer für die Erforschung der Auswirkungen und Einflüsse von Tauschen, Teilen, Selbermachen auf Arbeit und Lebensqualität. Die vollständige Liste der Handlungsempfehlungen aus dem ZukunftsTag finden Sie hier.

Die Ergebnisse des zweiten ZukunftsForums haben dem Ministerium für die weitere Arbeit wichtige Anregungen gegeben und in der bereits bestehenden Arbeit bestärkt.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl bestehender und erster geplanter Programme und Maßnahmen des BMBF bzw. der Bundesregierung, welche zu den Fragen und Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger Erkenntnisse generieren und Lösungen entwickeln sollen. Der Fokus liegt auf den Handlungsempfehlungen, die von den Bürgerinnen und Bürgern auf der ZukunftsNacht mit höchster Priorität bewertet wurden.


I. Rahmenbedingungen, Regulierungsfragen, Förderansätze

Für welche Rahmenbedingungen soll sich das BMBF einsetzen? Welche Ziele können durch Förderansätze erreicht werden?

„Der Staat schafft Anreize für nachhaltige Produkte und nachhaltigen Konsum.“

[Priorität für 25,3%]

  1. Die Bundesregierung unterstützt Carsharing: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) will Carsharing unter anderem dadurch unterstützen, dass Carsharing-Fahrzeuge von Parkgebühren befreit werden können. Ein neues Verkehrsschild soll Carsharing-Parkflächen kennzeichnen. Das neue Carsharing-Gesetz befindet sich in der Anhörung.
    Mehr Informationen unter: www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/LA/carsh...
  2. Der Forschungsverbund „Commons-based Peer Production in Offenen Werkstätten“ (COWERK) untersucht am Beispiel offener Werkstätten, wie sich in der Produktion kollaborative Wirtschaftsformen herausbilden. Das Projekt geht von der Annahme aus, dass Offene Werkstätten Ausdruck und Ergebnis sich verändernder Produktions- und Innovationsbedingungen sind und zugleich das Potenzial haben, nachhaltigere Formen des Wirtschaftens hervorzubringen. In Deutschland gibt es etwa 500 offene Werkstätten. Aktivitäten: knapp die Hälfte sind Reparaturen, etwa ein Drittel Neuproduktion und knapp ein Viertel Modifikation bereits vorhandener Gewerke. Gemeinsamkeit: sie bieten Infrastrukturen für die gemeinsame Nutzung von Mitteln für und den offenen Austausch über materielle Produktion.
    Mehr Informationen unter: www.cowerk.org
  3. Forschungsprojekt i-share zur Wirkung der Sharing Economy: Welchen Beitrag leisten Geschäftsmodelle der Sharing Economy zum nachhaltigen Wirtschaften in Deutschland? Dieser Frage wird im Rahmen einer Forschungsplattform unter Beteiligung von Organisationen der Sharing Economy durch eine systematische Analyse verschiedener Modelle und durch eine großzahlige Erhebung nachgegangen.
    Mehr Informationen unter: www.i-share-economy.org


„Das Tauschen, Teilen und Selbermachen wird mithilfe einer geeigneten Infrastruktur unterstützt.“

[Priorität für 21,7%]

  1. Das BMBF fördert in verschiedenen Zusammenhängen sogenannte „Reallabore“. Besonders in der Sozial-ökologischen Forschung stehen Reallabore regelmäßig im Zentrum der Förderung. Sie sind als Methode viel versprechend, wenn es um das Ziel der Transformation der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit geht. Weitere Förderprojekte zu Reallaboren: in den Programmen „Forschung für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ - und Innovationsförderung in den neuen Ländern.

    Mehr Informationen unter:
    Bekanntmachung des BMBF von Richtlinien zur Förderung von Vorhaben für die Umsetzung der Leitinitiative Zukunftsstadt: www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1166.html
    Bekanntmachung des BMBF von Richtlinien zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung zum Themenschwerpunkt „Nachhaltiges Wirtschaften“: www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-883.html
  2. Auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft, das im Auftrag des BMBF durch Deutschland tourt, haben zum ersten Mal speziell für das Schiff entwickelte Reallabore, so genannte Ozeanwerkstätten, stattgefunden. Bürgerinnen und Bürger und Interessierte aus Wissenschaft, Design und Informatik tüftelten gemeinsam an Lösungen für die Zukunft der Meere. Zwei Tage je Werkstatt feilten die Teilnehmer an Bord der MS Wissenschaft kreativ an ihren Ideen und setzen dabei auch erste Prototypen um.
    Mehr Informationen unter: https://ms-wissenschaft.de/mitmachen
  3. Die gemeinnützige Stiftung "Haus der kleinen Forscher" engagiert sich seit 2006 für eine bessere Bildung von Mädchen und Jungen im Kindertagesstätten- und Grundschulalter in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Mit einem bundesweiten Fortbildungsprogramm werden pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, den Entdeckergeist von Kindern zu fördern und sie qualifiziert beim Forschen zu begleiten. Die Stiftung will damit einen Beitrag zur Verbesserung von Bildungschancen, zur Nachwuchsförderung in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und zur Professionalisierung des pädagogischen Personals leisten. Die Stiftung wird vom BMBF gefördert.
    Mehr Informationen unter: www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/
  4. Im Rahmen des Förderschwerpunkts „Open photonics“ verfolgt das BMBF das Ziel, neue Formen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft mit Bürgern zu ermöglichen und damit zusätzliche Innovationspfade und -potenziale zu erschließen. Es geht dabei um Open Innovation- und Open Source-Ansätze für neue Photonik-Komponenten und -Systeme sowie um offene Forschungsprojekte (Bürgerforschung/Citizen Science). Diese sollen dazu beitragen, Innovationsprozesse vielfältiger und offener zu machen und damit auch unerwartete Innovationen zu ermöglichen. Mögliche Zielrichtungen sind dabei u.a. Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die unter Einsatz leicht zu beschaffender und preiswerter photonischer Komponenten und Systeme zu einer stärkeren Bürgerbeteiligung an wissenschaftlichen Projekten führen (Open Science).
    Mehr Informationen unter: www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-997.html
  5. Mit dem „Wettbewerb Light Cares – Photonische Technologien für Menschen mit Behinderungen“ greift das BMBF das Prinzip des Open-Source-Gedankens und der Partizipation auf. Behinderte Menschen werden dabei unmittelbar in den Prozess der Ideen- und Lösungsfindung eingebunden. Um das zu erreichen, sind neue Ideen nötig. Oft kommen sie aus der Maker-Szene. Indem das BMBF kooperative, vorwettbewerbliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte unterstützt, sollen Vertreter der Maker-Bewegung und Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten. Zudem soll der Maker-Bewegung so der Weg zu den Unternehmen bereitet werden. Der Austausch und die Vernetzung mit Unternehmen sind ausdrücklich erwünscht. Angestrebt ist, die Ergebnisse zu verwerten - zum Beispiel durch Start-ups aus der Maker-Bewegung oder durch Industriepartner.
    Mehr Informationen unter: www.bmbf.de/de/light-cares-wettbewerb-zehn-projekt...


II. Information, Kommunikation, Debatten

Welche Debatten soll das BMBF anstoßen? Zu welchen Themen soll verstärkt informiert werden?

„Information und Aufklärung zur Förderung nachhaltigen Konsums“

[Priorität für 44,2%]

  • Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie wurde 2002 beschlossen und bestimmt seitdem den Kurs für eine nachhaltige Entwicklung in unserem Land. Sie trägt den Titel „Perspektiven für Deutschland“ und enthält konkrete Aufgaben und Ziele. Nachhaltigkeit bedeutet: Nur so viel Holz schlagen, wie auch nachwachsen kann; vom Ertrag – und nicht von der Substanz leben. Mit Blick auf die Gesellschaft heißt das: Jede Generation muss ihre Aufgaben lösen und darf sie nicht den nachkommenden Generationen aufbürden.
    Mehr Informationen unter: www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Nachhal...

III. Forschungsfragen

Zu welchen Themenfeldern sollte geforscht werden?

„Auswirkungen und Einflüsse von Tauschen, Teilen, Selbermachen auf Arbeit und Lebensqualität“

[Priorität für 33,0%]

  1. Ein eigenes Themenfeld der aktuellen Ausschreibung der Innovations- und Technikanalyse (ITA) widmet sich der Einstellungsforschung. Dabei steht im Fokus, unter welchen Bedingungen Akzeptanz oder Ablehnung zustande kommen, wie dauerhaft diese sind und unter welchen Bedingungen sie sich verändern. Dem Verständnis dieser Prozesse kommt eine stetig wachsende Bedeutung zu, zumal partizipative Elemente eine immer größere Rolle spielen und gleichzeitig im digitalen Zeitalter Meinungsbildungsprozesse wesentlich dynamischer über soziale Netzwerke verlaufen.
  2. Darüber hinaus untersuchen Projekte der Innovations- und Technikanalyse (ITA) im Themenfeld „Flexible Konsum- und Eigentumsmodelle“ die Chancen und Risiken der Sharing Economy:
    Das Projekt „NsB-Ress: Ressourceneffizienzpotenziale durch Nutzen statt Besitzen“ widmet sich der Transformation der Gesellschaft in Richtung einer zukunftsfähigen, ressourcenleichten Gesellschaft. Ziel ist die Analyse der Ressourceneinspar- und Diffusionspotenziale von Nutzen statt Besitzen-Formen.
    Das Projekt „KoSEWo: Wohnungswirtschaft: Nachhaltige Konsummodelle der Shared Economy in der Wohnungswirtschaft“ fragt, ob in der Wohnungswirtschaft über AirBnB hinaus eine Sharing Economy möglich ist und welche Potentiale dies hätte. Welche Formen der gemeinsamen Wohnraumnutzung gibt es bereits und wie können diese zu nachhaltigem Konsum sowie der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum beitragen?
    Mit dem Projekt „Future Food Commens: Sharing Economy in der Lebensmittelversorgung“ werden neue Modelle der Konsumenten-Produzenten-Interaktionen analysiert. Kann „Tauschen und Teilen“ die Lebensmittelbranche nachhaltig verändern (z. B. in Richtung Prosumenten)?
    Mehr Informationen unter: www.bmbf.de/de/innovations-und-technikanalysen-ita...
  3. Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung:
    Im Projekt „GetMobil“ sollen Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Ride-Sharing-Systemen erarbeitet und erprobt werden, die zu einer verstärkten Nutzung und insbesondere zu einer Erhöhung des bisher noch unzureichenden Angebots an „öffentlichen PKW-Fahrten“ führen.
    Mehr Informationen unter: http://nachhaltigeswirtschaften-soef.de/getmobil
    Das Projekt „REFOWAS: Wege zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen“ entwickelt Maßnahmen, Bewertungsrahmen und Analysewerkzeuge sowie zukunftsfähige Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln unter Einbindung sozio-ökologischer Innovationen. Die Abkürzung REFOWAS steht für “Pathways to Reduce Food Waste”.
    Mehr Informationen unter: http://nachhaltigeswirtschaften-soef.de/refowas
    Das Projekt „PeerSharing“ untersucht, wie Peer-to-Peer Sharing ökologisch wirkt und was Verbraucherinnen und Verbraucher motiviert oder daran hindert mitzumachen.
    Mehr Informationen unter: www.peer-sharing.de


Die Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern sind eng von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMBF begleitet worden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden die weitere Ausgestaltung der Bildungs- und Forschungspolitik begleiten und bereichern.