ZukunftsForum II: Tauschen, Teilen, Selbermachen

Bürgerinnen und Bürger teilen ihre Eindrücke und Wünsche zum Thema „Tauschen, Teilen, Selbermachen“

ZukunftsTag am 21. Mai. An einen inspirierenden Ort, dem Berliner Coworking Space betahaus, waren Bürgerinnen und Bürger vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen, um gemeinsam mit Expertinnen und Experten über die Gestaltungsmöglichkeiten der Sharing Economy und von „Maker-Angeboten“ zu diskutieren. Zu fünf verschiedenen Unterthemen entwickelten sie teils visionäre, teils ganz praktische Ideen zu den Chancen und Auswirkungen des Tauschens, Teilens und Selbermachens.

In seinem Impulsvortrag zeigte Themenpate Prof. Dr. Harald Heinrichs, was die Sharing Economy antreibt: Die Digitalisierung schafft die Möglichkeit, Menschen auch über den eigenen Bekanntenkreis hinweg zu verbinden. Sie ermöglicht digitale Bezahlsysteme und Mobilität per Smartphone. Bewertungen im Netz schaffen Vertrauen – grundsätzliche Bedingung beim Leihen und Ausleihen von Dingen. Auch die Lebensqualität spielt eine große Rolle in der Sharing Economy: Man braucht heute nicht alles selbst zu besitzen – und muss gleichzeitig auf nichts verzichten. Kein Wunder also, dass davon auch die Umwelt profitiert. Das Potenzial von weniger Waren wird besser ausgeschöpft, unter verschiedenen Personen geteilt und so unsere Ressourcen geschont.

In den fünf thematischen Workshops kamen anschließend die Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Welche Erfahrungen haben sie selbst schon mit dem Thema gesammelt, welche Visionen haben sie für das Jahr 2030?

Workshop 1:
Wo kann Tauschen, Teilen, Selbermachen die Wirtschaft in 2030 prägen?
Experten/innen:
Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz (Instituts für Wirtschaftsinformatik, TU Braunschweig)
Christoph Wenk-Fischer (Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland - bevh)

Workshop 2:
Wie steigert Tauschen, Teilen, Selbermachen die Nachhaltigkeit in 2030?
Experten:
Dr. Gerd Scholl (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW)
Tom Hansing (Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis)

Workshop 3:
Wie nutzen wir Tauschen, Teilen, Selbermachen für das lebenslange Lernen?
Experten:
Martin Hüppe (Bündnis für Bildung)
John Weitzmann (Wikimedia Deutschland)

Workshop 4:
Wie fördert Tauschen, Teilen, Selbermachen den sozialen Zusammenhalt in 2030?
Experten:
Prof. Dr. Harald Heinrichs (Universität Lüneburg)
Dr. Bastian Lange (Multiplicities Berlin)

Workshop 5:
Wie werden die Zugänge zum Tauschen, Teilen, Selbermachen in 2030 leichter?
Experten/innen:
Dr. Julia Kleeberger (Junge Tüftler e.V.)
Thomas Wagner (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP))

Bildbeschreibung

Teilnehmende des ZukunftsTages im Workshop zum lebenslangen Lernen
Copyright Thomas Köhler/photothek.net

In den Workshops beschrieben die Bürgerinnen und Bürgern erst mal ganz persönlich, welche Erfahrungen sie gemacht haben: welche positiven Erlebnisse verbinden sie damit, welche negativen Aspekte sind ihnen bisher aufgefallen? Die positiven Perspektiven überwogen bei weitem. Gerade im Bildungsbereich fielen den Teilnehmenden unglaublich viele bereichernde Erfahrungen ein, vom Austausch von Material unter Pädagoginnen und Pädagogen, über die Möglichkeiten per App oder Software zu lernen, das Teilen von Sportgeräten wie beispielsweise Booten zum Segeln lernen oder Freundschaften, die durch gemeinsames Lernen entstanden sind. Natürlich gab es auch einzelne ernüchterte Beispiele: Tauschplattformen für Lehrkräfte waren vor einigen Jahren für viele Pädagoginnen und Pädagogen noch zu neu, um eine kritische Masse an Nutzern finden. Trotzdem: das gemeinsame Wissenschürfen und Wissenschaffen wird heute flächendeckend anerkannt. Wikipedia hat nicht nur die Informationsbeschaffung revolutioniert, sondern vernetzt auch das Wissen unterschiedlichster Experten.

Nicht nur in der Bildung – auch für den sozialen Zusammenhalt wünschten sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer rechtliche Absicherung. Dieser Rahmen ermöglicht es für viele Privatpersonen nämlich erst, guten Gewissens zu teilen – aber auch verschiedene Angebote zu nutzen. Dabei soll auch immer die soziale Gerechtigkeit im Blick der Gesellschaft bleiben. Für die Teilhabe bietet das Thema Tauschen, Teilen und Selbermachen aber ungemein viele Chancen – darin waren sich viele Diskutanten einig. Veronika B. wünschte sich mehr Förderung für Innovationen im Bereich des Zusammenlebens. „Flexiblere Wohnformen, mehr Gemeinschaftsräume im öffentlichen Leben und das Anpassen des Wohnraums an die jeweilige familiäre Situation fördern den Austausch und dadurch auch den sozialen Zusammenhalt. Dafür sehe ich viel Potenzial gerade auch im ländlichen Raum. Damit die Leute wieder mehr zusammenkommen, sich austauschen und auch voneinander lernen.“ Förderung war für viele Bürgerinnen und Bürger ein wichtiges Stichwort. Auch Makerspaces sollten mehr unterstützt werden – damit viel mehr Menschen in Berührung mit den neuen Technologien kommen. Aber die Sharing Economy zu einem echten Gewinn für die Gesellschaft zu machen, kann auch noch auf andere Art und Weise gelingen. Im Workshop zum Thema Nachhaltigkeit wurde mehr als ein Weg in diese Richtung benannt. Ein Beispiel: Impulse für mehr nachhaltige Mobilität, die das Umsteigen auf umweltfreundliche Fahrzeuge erleichtern. Bei allen Detailfragen war den Teilnehmenden wichtig, dass die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger Gehör finden, in der Wirtschaft wie der Politik. Ein wichtiger Baustein dabei sind Formen der Bürgerbeteiligung wie die ZukunftsForen, darin war sich Angelika M. sicher: „Plattformen für die gute Kommunikation zwischen Staat und Bürgern sind wichtig und stärken unser Gemeinwohl.“

Am Ende ist die Zeit in den Workshops wie im Flug vergangen. Viele Ideen, Visionen und Wünsche sind diskutiert und in zahlreichen Empfehlungen festgehalten worden. Die Bürgerinnen und Bürger stellten die Ergebnisse gemeinsam mit ihren Expertinnen und Experten in einem großen Plenum vor. Eine Fülle von spannenden Vorschlägen kam zusammen – sie werden in der ZukunftsNacht am 23. Juni gemeinsam mit der Hausleitung des BMBF diskutiert.

Hier finden Sie einige Bildeindrücke vom ZukunftsTag.