Die Themen

"Wir müssen die Normen der vernetzten Gesellschaft ernst nehmen"

Prof. Dr. Andréa Belliger ist Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Luzern und Co-Leiterin des Instituts für Kommunikation & Führung in Luzern. Als Themenpatin begleitet sie das ZukunftsForum "Gesundheit neu denken".

ZF: Das ZukunftsForum trägt den Titel: „Gesundheit neu denken - Wohlergehen durch Hightech-Medizin und Selbstoptimierung?“ Wie würde eine kurze Antwort von Ihnen auf diese Frage lauten?

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Andréa Belliger in der ZukunftsNacht
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B: Selbstoptimierung und Hightech-Medizin sind zwei aktuelle technologische Entwicklungen, aber die Technik, die das Gesundheitssystem der Zukunft am meisten prägen wird, ist möglicherweise eine „Kulturtechnik“. Denn Treiber hinter den gegenwärtigen Entwicklungen auch im Gesundheitswesen ist nicht so sehr technologische Innovation, sondern vielmehr eine soziale Bewegung, in deren Zentrum eine einfache, aber bestechende Philosophie steht: jene des Teilens und Mitteilens, des Interagierens und des Partizipierens.

ZF: Welche technologischen Trends kommen im Gesundheitsbereich auf uns zu?

B: Die Trends und technologischen Innovationen im Gesundheitsbereich sind kaum überschaubar: es gibt rund 40.000 Gesundheits-Apps, hunderte mobiler smarter Geräte, so genannte "Wearables" und "Insideables" mit Biosensoren, die sämtliche Vitalfunktionen messen, kluge Socken, "Foodscanner", 3-D-Drucker für Knorpel und Organe, smarte Uhren und Häuser, Algorithmen, die große Datenmengen interpretieren können, und vieles mehr.

ZF: Wie können wir uns auf diese Zukunft vorbereiten? Wie können wir lernen, Gesundheit neu zu denken?

B: Die Wunschliste ist fast grenzenlos: Indem wir – wie es das ZukunftsForum tut – einen offenen Dialog starten mit Bürgern und Patienten, diese mitentscheiden lassen, wo beim Thema Gesundheit und Krankheit künftig die vordringlichen (Forschungs-)Schwerpunkte liegen sollen.

Indem es keine medizinischen Konferenzen und Projekte ohne Einbeziehung von Patienten und Angehörigen mehr gibt.

Indem die Schnittstellen zwischen den Leistungserbringern im Sinne der integrierten Versorgung geöffnet werden.

Indem Start-ups im Bereich digitale Gesundheit ein förderliches, nicht überreguliertes Klima erhalten.

Indem wir das "Kastensystem" im Gesundheitswesen zwischen Laien und Experten, Ärzten und Pflegefachpersonen abbauen, damit Wissen und Information in und durch diversifizierte Pflegeteams, zu denen Patienten und Angehörige zählen, fließen und sämtliche Ressourcen im Gesundheitswesen genutzt werden können.

Und schließlich, indem wir die Normen und Werte der vernetzten Gesellschaft von offener Kommunikation, Transparenz und Partizipation ernst nehmen.


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