Mehr Wachstum, mehr Lebensqualität?

"Materielles tritt in den Hintergrund"

Interview mit Dr. Stefan Bergheim, Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt e. V., Frankfurt


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Dr. Stefan Bergheim
Copyright Ulrike Wolf

Welche Wohlstandsindikatoren gibt es neben dem Bruttosozialprodukt?

Schon heute gibt es eine Vielzahl an Wohlstandsindikatoren, die intensiv genutzt werden: Einzelindikatoren wie die Arbeitslosenquote, die Lebenserwartung, das Vertrauen in die Mitmenschen oder den ökologischen Fußabdruck. Und zusammengesetzte Indikatoren wie den Index menschlicher Entwicklung der Vereinten Nationen, den Index des besseren Lebens der OECD oder den Fortschrittsindex des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt.

Was können wir tun, um nicht weiter auf Kosten künftiger Generationen zu leben?

An vielen Stellen bauen wir seit Jahrzehnten Vermögen für künftige Generationen auf: Humanvermögen durch Bildung, Sozialvermögen durch unsere gesellschaftlichen Institutionen und natürlich Sachvermögen durch Investitionen. Dieser Reichtum sollte es uns ermöglichen, nun das Naturvermögen stärker zu berücksichtigen und weltweit weniger davon zu verbrauchen.

Welche Herausforderungen sind mit einer Lebensqualitätsgesellschaft verbunden?

Immer mehr Menschen besinnen sich auf das, was für sie und ihr Umfeld wirklich wichtig ist. Dazu gehören stabile soziale Kontakte, erfüllende Tätigkeiten und eine intakte Umwelt. Rein materielle Aspekte treten dadurch etwas in den Hintergrund – vor allem, wenn sie schlecht für die Umwelt und für andere Menschen sind. Viele Unternehmen stellen sich schon heute darauf ein und vetreiben nachhaltig produzierte Waren. Oder sie garantieren einen fairen Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Dienstleistungssektor.