Weichenstellungen für Wachstum und Innovation

Mehr Wachstum, mehr Lebensqualität?

Macht grenzenloses Wirtschaftswachstum wirklich glücklich? Benötigen wir immer mehr Konsumgüter – Handys, Fernseher oder Kleidung? Angesichts drohender Umweltkatastrophen und neuer Wirtschaftskrisen könnte die Debatte um faires Wachstum bis 2030 an Bedeutung gewinnen.

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Viele Menschen wollen ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren.
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In Deutschland ist mittlerweile ein Bewusstseinswandel erkennbar. So hielt die Bundestags-Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ schon 2013 fest, dass hohe Lebensqualität und der Schutz natürlicher Lebensräume wichtige gesellschaftliche Ziele seien. Wirtschaftswachstum allein ist demnach kein ausreichender Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft.

In vielen Industriestaaten wird derzeit die Frage diskutiert, wie eine Entkoppelung von Wohlstand und Wachstum funktionieren kann. An die Stelle wirtschaftlicher Interessen treten verstärkt nachhaltige Werte – etwa der Wunsch, selbstbestimmter über die eigene Zeit zu entscheiden oder mehr für die persönliche Gesundheit zu tun. Viele Menschen fühlen sich von der Flut an Waren und Informationen überfordert. Sie wollen weniger Neuanschaffungen und eine Reduzierung ihres ökologischen Fußabdrucks. Sie investieren Erspartes nach ethischen Wertvorstellungen und fordern soziale Verantwortung statt Eigennutz.

Wertewandel als Herausforderung

Werden sich ein alternatives Konsumverhalten, ein geringer Umweltverbrauch und eine faire Wohlstandverteilung in der Gesellschaft durchsetzen? Die Expertinnen und Experten sehen da zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt Wachstum das gesellschaftliche Leitbild Nummer eins oder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft definieren den Wohlstandsbegriff neu. Als Hürden könnten sich dabei unsere Wirtschafts- und Sozialsysteme erweisen. Denn sie bauen auf Wirtschaftswachstum und sind weitgehend davon abhängig. Das Ziel eines nachhaltigen Wohlstands erfordert deshalb, sich zunächst von diesen Abhängigkeiten zu lösen und geeignete Alternativen zu entwickeln.