Maschinen denken mit

„Digitalisierung schafft auch neue Berufe“

Interview mit Prof. Dr. Michael Decker, Karlsruher Institut für Technologie

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Prof. Dr. Michael Decker
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für Technologie (KIT)

Gilt das Versprechen vom Aufstieg durch Bildung auch in der digitalen Gesellschaft?

Ja, das gilt noch. Bildungsinhalte werden sich verschieben entlang neu entstehender gesellschaftlicher Anforderungen. Und das war schon immer so, das ist längst „eingeübt“. Wenn man sich die Themen und Lehrmodule heutiger Studiengänge vor Augen führt, wird das offensichtlich. Und die Digitalisierung schafft wieder neue, bislang vielleicht noch unbekannte Berufe.

Welche Arbeiten werden auch künftig nur von uns Menschen erledigt?

Wenn wir sagen: Ohne jegliche Zuhilfenahme von Technik, dann stimmt das doch schon heute nicht mehr. Arbeiten enthält immer technisches Handeln. Auch in einem Kindergarten erleichtern technische Hilfsmittel wie Mobiltelefone oder E-Mail-Verteiler die Arbeit. Deshalb ist die Kooperation von Mensch und Technik das zurzeit verfolgte Paradigma, wobei graduell das gesamte Spektrum von geringer technischer Unterstützung bis hin zur Übernahme von kompletten Teilhandlungen durch Technik abgedeckt wird.

Inwieweit hilft der Foresight-Prozess, uns auf die Digitalisierung vorzubereiten?

Der Blick in die Zukunft ist eine zentrale Aufgabe moderner Gesellschaften. Nur wenn man sich konzeptionell fundierte Bilder über mögliche Entwicklungen macht, ist man in der Lage, gesellschaftlich wünschenswerte Entscheidungen zu treffen. Die Zukunftsbilder werden dann zu Alternativen, die man nach wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen oder ethischen Kriterien beurteilen kann. Die Entwicklung von Szenarien – sei es entlang technischer Entwicklungen oder gesellschaftlicher Bedarfe – ermöglicht es überhaupt erst, sich über Chancen und Risiken dieser Entwicklungen zu verständigen.