Herausforderungen der digitalen Revolution

Das Ende der Privatsphäre?

Immer wieder neue Berichte über Sicherheitslücken bei Computern und Smartphones, Daten-missbrauch, gekaperte E-Mail-Konten: Die digitale Revolution hat unsere Vorstellung von Privatsphäre grundsätzlich infrage gestellt. Welche Bedeutung wird sie 2030 überhaupt noch haben?

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Das Ende der
Privatsphäre?
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Mit den technischen Möglichkeiten haben sich die Grenzen der Privatsphäre spürbar verschoben. Anhängerinnen und Anhänger der sogenannten Post-Privacy-Bewegung plädieren längst für eine Gesellschaft ohne Geheimnisse. Transparenz und das Bedürfnis nach öffentlicher Darstellung ist in dieser Vorstellungswelt wichtiger als der Schutz persönlicher Daten. Krankenkassen könnten so vielleicht schon 2030 genügend frei zugängliche Patientendaten sammeln, um individuelle Versicherungstarife festzulegen. Vorstellbar ist aber auch das Gegenmodell: eine aufgeklarte digitale Gesellschaft, in der die Menschen private Informationen nicht mehr bedenkenlos teilen – und in der strenge Sicherheitsauflagen für technische Systeme größtmögliche Sicherheit bieten.

Das Bewusstsein schärfen

Fest steht heute nur: In Zukunft werden wir die Privatsphäre ganz neu definieren müssen. Denn der verstärkte Einsatz etwa von kamerabestückten Miniaturdrohnen und smarten Datenbrillen im öffentlichen Raum wird die Kontrolle über persönliche Daten und Bilder weiter einschränken. Auch das Aufstellen von Überwachungskameras im öffentlichen Raum wirft Fragen auf: Einerseits kann auf diese Weise die Sicherheit in Innenstädten merklich erhöht werden. Andererseits machen Technologien zur automatisierten Personenerkennung über Kamerabilder nahezu lückenlose Bewegungs- und Kontaktprofile möglich.

Jeder sollte deshalb verstehen, was mit persönlichen Daten passieren kann und welche Konse-quenzen der unbedarfte Umgang mit persönlichen Daten haben könnte. Denn klar ist: Die größte Schwachstelle in Sachen Datenschutz bleibt der Mensch. Schon Schülerinnen und Schüler sollten lernen, welche Folgen ein einzelner, unbedachter Facebook-Post nach sich zieht. Der deutschen Bildungspolitik stellt sich daher die Aufgabe, Bildungsinhalte zu entwickeln, die mediale Kompetenzen noch besser vermitteln und Menschen in die Lage versetzen, selbstbestimmt über die eigene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu entscheiden.