Geschichten aus der Zukunft

Selbstbeobachtung und Wohlergehenskompetenz: Neue vernetzte Dienstleistungen 2030

Bildbeschreibung
Interpretation der zukünftigen Verknüpfung von Technologien und Gesundheit.*
Copyright BMBF/Heyko Stöber

Auch in Zukunft sind die Menschen geteilter Meinung über die Vor- und Nachteile der digitalen Vernetzung. Selbst in den Familien finden sich neben euphorischen auch kritische Stimmen – so auch am Frühstückstisch von Katharina und ihrem Mann Niklas.

Katharina setzt sich mit einem Grüntee zu Niklas an den Frühstückstisch. „Morgen, Schatz“, sagt sie. „Hm. Morgen“, brummelt Niklas und schaut kaum vom InfoTisch auf. „Du kannst dich freuen, wir bekommen eine Rückzahlung.“ Jetzt ist Niklas interessiert. „Eine Mail von der Krankenversicherung: Ich bekomme eine Prämienzahlung für meine gesunde Lebensweise“, erklärt Katharina. „Woher weiß die Krankenversicherung denn, wie gesund du lebst?“„Ach, ich habe denen doch über ’ne App Zugriff auf meine Gesundheitsdaten gegeben – meine Konstitution hat sich demnach verbessert.“ „Ich denke immer noch, es war ein riesiger Fehler, denen totalen Zugriff zu geben.“ „Immerhin gibt’s dafür eine Rückzahlung. Überhaupt lässt sich so für jeden Versicherten ein individuelles Leistungsangebot erstellen. Ich bin stolz auf meine Daten – ich habe sie schon in meiner Gruppe gepostet.“

„Bei deinen Fitnessfreaks?“ „Von wegen Fitnessfreaks. Wir werten gegenseitig unsere Daten aus und geben uns Tipps. Seit Mia die Infos zur Schlafrhythmusverbesserung gepostet hat, schlafe ich wieder ruhiger. Und meine Kondition konnte ich auch verbessern. Und meine Ernährung“, sagt sie mit Blick auf sein Spiegelei mit Speck.

„Wir werten gegenseitig unsere Daten aus und geben uns Tipps.“

„Aber dass inzwischen alles virtuell zusammenläuft, ist dir egal? Deine gesammelten Gesundheitsdaten, sogar die Arztbefunde und Röntgenbilder und dazu deine persönlichen Lebensdaten.“„Und? Ich kann dadurch viel über mich lernen. Mein Leben verbessern. Und auf meine Daten passen die schon auf.“ „Klar, die wollen nur dein Bestes.“ Er zeigt auf einen Artikel. „Der deutsche Weltmarktführer für optische Speichermedien und Cloudlösungen plant, ein Unternehmen für intelligente Sport- und Alltagskleidung zu kaufen. Er möchte eine internationale Größe im daten- und speicherintensiven Health-Care-Bereich werden.“

„Was ist so schlimm daran?“ „Na ja, erst mal nichts. Hier steht, die wollen einen medizinischen Rundumservice bieten. Natürlich analysieren die alle verfügbaren Daten. Am Ende bekommst du eine medizinische Empfehlung.“ „Hört sich gut an. Da müsste ich dann nicht auf mehrere Portale. Was soll das kosten?“ „Keine Ahnung, neben verschiedenen Familien- und Premiumtarifen soll es auch ein von Werbepartnern finanziertes Paket geben. Gesundheitsdaten gegen Werbung. Pah.“

„Aber vor einem Fußballspiel ist Werbung okay?“ „Ich weiß einfach nicht, warum ein Unternehmen, das nichts mit Gesundheit zu tun hat, plötzlich in diesem Bereich tätig wird. Warum soll ich einem Cloud-Anbieter in Gesundheitsfragen vertrauen? Erinnerst du dich an den Datenskandal letztes Jahr? Die Daten von Millionen Nutzerinnen und Nutzern eines amerikanischen Netzwerkes wurden gestohlen. Auch von vielen Promis aus Medien und Politik.“ „Ich bin doch kein Promi!“ „Aber es sind deine Daten, die Rückschlüsse auf deinen Lebensstil zulassen. Damals wurden viele der Betroffenen erpresst – egal, ob berühmt oder nicht.“

„Der Arzt informierte sich über ihre Gesundheitsdaten zur Krankheitsgeschichte.“

„Ich weiß“, gibt sie zu, „aber ich vertraue meinem deutschen Anbieter – der muss doch viel strengere Auflagen erfüllen.“ „Ja, stimmt“, sagt Niklas. „Manchmal ergibt Vernetzung ja auch Sinn. Letzte Woche war bei meinem Arzt eine Touristin, die kein Deutsch oder Englisch sprach. Der Arzt informierte sich über ihre Gesundheitsdaten zur Krankheitsgeschichte. Und mit seinem Übersetzungscomputer konnte er ihr dann schnell helfen. Und wenn meine anonymisierten Daten der Wissenschaft helfen, neue Erkenntnisse über verschiedene Krankheiten zu gewinnen, ist das tatsächlich gut für uns alle.“ „Dann lass dir deinen Kaffee schmecken“, nickt sie Niklas zu.


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*Die Zukunft können wir nur skizzieren: Diese Illustration zeigt, wie der Künstler Heyko Stöber die zukünftige Verknüpfung von Technologien und Gesundheit interpretiert. Entstanden ist die Illustration im Rahmen eines Foresight-Kreativworkshops.