Selbermachen statt Massenproduktion

„Potenziale jedes Einzelnen nutzen“

Interview mit Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz, Technische Universität Braunschweig


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Susanne Robra-Bissantz
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Welche Chancen eröffnet der Trend zum Selbermachen?

Im besten Fall können wir die Potenziale jedes Einzelnen nutzen, anregen und fördern. Wissen, Kreativität und Freude werden für die Gesellschaft nutzbar gemacht. Technische Geräte zu reparieren wird wieder üblich, ein Wiederverwertungskreislauf entsteht. Gerade junge Menschen lernen so Produkte neu kennen, von denen sie sich zunehmend entfremdet haben. Auf die Weise arbeiten wir gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft.

Welche Herausforderungen bringen kooperative Geschäftsmodelle?

In kooperativen, nicht kommerziellen Wirtschaftsstrukturen muss jeder in besonderer Weise Verantwortung übernehmen, gegenseitiges Vertrauen ist entscheidend. Aus gemeinsamen Visionen müssen gleichberechtigte Strukturen und neue Aushandlungsmechanismen entstehen. Das stellt herkömmliche Geschäftsmodelle und hierarchische Organisationen bisweilen infrage.

Wie lautet Ihre Prognose für 2030?

Wir werden immer mehr Informationstechnik zur Verfügung haben, um Dinge selber zu bauen. Gleichzeitig etablieren sich neue Internet-Plattformen, die eine dezentrale Produktion unterstützen. Die Frage ist jedoch, was die elektronische Vernetzung für das soziale Leben der Menschen bedeutet. Und wie sich die Erwerbsund Arbeitsmodelle verändern müssen. Die Zeit wird zeigen, ob wir mit heutigen Technologien die Chancen für eine kooperative Gesellschaft nutzen können. Und ob die nachfolgenden Generationen das überhaupt wollen.