Bürgerinnen und Bürger in der digitalen Gesellschaft

Selbermachen statt Massenproduktion

Es wird gebaut, gebastelt und getüftelt: Die „Maker“-Bewegung nimmt auch in Deutschland Fahrt auf. Bis zum Jahr 2030 könnte sie das Wirtschaftsleben hierzulande erheblich verändern: Produkte werden selbst hergestellt, geteilt und getauscht.

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Die "Maker"-Bewegung nimmt auch in Deutschland Fahrt auf
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Die Selbermacher von heute vernetzen sich im Internet und basteln nicht mehr für sich allein. Sie dokumentieren ihre Arbeit auf Video und teilen die Filme in sozialen Netzwerken. Von Kleidung und Fahrrädern über Software bis hin zu elektronischen Steuergeräten: Projekte entstehen auf Basis frei zugänglicher Datenbanken. Und jeder kann sie nachbauen.

Die digitale Vernetzung und neue Technologien wie der 3D-Druck versetzen Menschen in die Lage, Dinge selbst zu erschaffen oder zumindest zu reparieren. Davon profitieren in erster Linie die Verbraucherinnen und Verbraucher. Statt sie zu kaufen, werden Produkte einfach selbst gemacht, gegen andere eingetauscht oder in der Gruppe geteilt. Das ist eine Entwicklung, die eine nachhaltige Lebensweise für jeden Einzelnen bedeutet, die aber auch einen nachhaltigen Wandel in der Wirtschaftswelt auslösen könnte – hin zu dezentralen Formen der Wertschöpfung und nicht kommerziellen Wirtschaftsstrukturen.

Produzieren kann jeder

Aktuell ist nicht absehbar, ob sich das Selbermachen in den nächsten Jahren zu einem echten Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft ausweitet – oder ob sich das Phänomen nur am Rande in die bestehende Wirtschaftsordnung einfügt. Aber schon heute fordern Selberma-cherinnen und Selbermacher mehr kreative und handwerkliche Kompetenzvermittlung in Kinder-gärten und Schulen. Technik soll für jeden erfahrbar werden. Letztlich könnten die Grenzen zwischen kreativer Wissensarbeit und handwerklichem Schaffen aufweichen und lokale Handwerkstraditionen wieder aufleben.

Bei Töpferware ist das Do-it-yourself-Prinzip auch kein Problem. Wenn aber Baupläne für Ersatzteile aus dem Netz heruntergeladen und elektronische Geräte in offenen Werkstätten zusammengelötet werden, stellt sich die Frage: Wer sorgt dafür, dass sie auf Dauer funktionieren? Und wenn dies nicht der Fall ist: Was passiert mit dem ganzen Abfall? Wie können technische Standards auch in Zukunft durchgesetzt werden? Und wer steht für die Betriebssicherheit gerade? Klar ist: Wertschöpfungsmuster mit hohem Selbermach-Anteil erfordern neue Steuerungsmodelle in der Gesellschaft. Außerdem eine Forschungs- und Innovationspolitik, die auf das Selbermachen einzahlt.




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Tauschen, Teilen, Selbermachen – das Thema des zweiten ZukunftsForums

Wie funktioniert ein Wirtschaftssystem, das auf Kooperation setzt? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen haben Schwarmfinanzierung, der freie Zugang zu Daten und kollaborativer Konsum – die wichtigsten Treiber der Selbermach-Kultur? Zu diesen Fragen veranstaltete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein eigenes ZukunftsForum. Die Ergebnisse des Bürgerdialogs werden anschließend ausgewertet und fließen in die Entwicklung langfristiger Innovationsstrategien ein.