Freizeitforscher sammeln Wissen

„Bürgerforschung bietet großes Potenzial“

Interview mit Prof. Johannes Vogel, PhD, Genraldirektor Museum für Naturkunde Berlin


Bildbeschreibung
Prof. Johannes Vogel
Copyright Hwa Ja Götz,
Museum für Naturkunde

Wo steht die Bürgerforschung im Jahr 2030?

Die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in den Forschungsprozess wird im Jahr 2030 Standard sein. Jedes deutsche Forschungsinstitut, jede Uni wird „Beauftragte für Bürgerwissenschaften“ beschäftigen. Die frühzeitige Einbindung der Bevölkerung in Forschungsprojekte wird noch stärker als heute zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen – und zur Realisierung von volkswirtschaftlich nutzbaren Innovationen.

Worin sehen Sie die Vorteile der Bürgerforschung?

Die Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Bürgerforscherinnen und Bürgerforscher setzen sich heute schon sehr intensiv mit der Entwicklung von Umweltsensoren auseinander, beispielsweise um Luftverschmutzung und Lärm zu erfassen. Damit erhöhen sie den Druck auf die Politik. Wenn ich an „Garagenbiologen“ denke, sehe ich aber auch Gefahren. So schreiten Technologien zur Veränderung des Erbguts schnell voran und werden immer billiger. Hier ist es wichtig, dass die Wissenschaft mit den Bürgerforscherinnen und Bürgerforschern und mit der Bevölkerung im Gespräch bleibt.

Wo sehen Sie Herausforderungen für das Wissenschaftssystem?

Wissenschaftliche Exzellenz ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Forschung. Deshalb muss das Wissenschaftssystem seine Evaluierungskriterien überdenken. Allerdings ist es genauso wichtig, dass die gesellschaftliche Relevanz von Wissenschaft und Forschung besser dargestellt wird. Die Bürgerforschung bietet hier ein großes Potenzial. Im Bereich der Wissenschaftskommunikation sind die persönlichen Fähigkeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefragt. Diese Kompetenzentwicklung sollte daher stärker in die universitären Lehrpläne aufgenommen werden.