Bürgerinnen und Bürger in der digitalen Gesellschaft

Freizeitforscher sammeln Wissen

Sie untersuchen Mückenarten, entnehmen Wasserproben oder messen den Feinstaub in der Innenstadt: Mit erstaunlich einfachen Mitteln sorgen Hobbywissenschaftlerinnen und Hobbywissenschaftler schon heute für neue Erkenntnisse. Bis 2030 werden Laien für die deutsche Forschungslandschaft immer wichtiger.

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Hobbywissenschaftlerinnen und Hobbywissenschaftler sorgen schon heute für neue Erkenntnisse
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Neben dem Beruf investieren immer mehr Menschen in Deutschland Zeit und Geld in eigene Forschungsprojekte. Die Digitalisierung, frei zugängliche Datenbanken im Internet, aber auch preiswertere und einfacher zu bedienende Informations-, Mess- und Labortechnik treiben diese Entwicklung voran. Bürgerinnen und Bürger übernehmen zunehmend Rollen in der Wissenschaftswelt, die bislang professionellen Forscherinnen und Forschern vorbehalten waren.

Drei Zukunftsszenarien halten die Expertinnen und Experten bis 2030 für denkbar: Die Bürgerforschung bleibt auf wenige Nischen beschränkt. Die Wissenschaft erkennt die Chancen des zivilgesellschaftlichen Engagements und greift bewusst auf Freizeitforscherinnen und Freizeitforscher zurück. Oder aber: Die Bürgerinnen und Bürger finden jenseits etablierter Strukturen Gefallen an ihren neuen Möglichkeiten, starten gemeinsame Projekte über soziale Netzwerke und mobilisieren dort auch die nötigen finanziellen Mittel. Ganz gleich, welches Szenario in 15 Jahren Wirklichkeit wird: Bürgerforschung steigert die Akzeptanz von Wissenschaft in der Bevölkerung.

Lebensnahe Lösungsansätze

Es gibt noch weitere Vorteile: Lösungen für alltägliche Probleme werden lebensnah entwickelt. Gleichzeitig wird das Wissenschaftssystem insgesamt entlastet. Der spielerische Zugang zu Forschungsfragen übt gerade auf jüngere Menschen Faszination aus. Aber auch Seniorinnen und Senioren haben die Möglichkeit, sich noch stärker in einer alternden Gesellschaft einzubringen.

Nur wer ist verantwortlich, wenn die so gewonnenen Informationen fehlerhaft sind? Wer wertet zuverlässig die Daten aus? Und wie steht es um das geistige Eigentum? Forschung in Bürgerhand birgt jede Menge Herausforderungen. So können bei Bürgerprojekten Spannungen entstehen, wenn kommerzielle und nicht kommerzielle Interessen aufeinandertreffen. Außerdem ist es angesichts der Vielzahl an Akteuren schwierig, zielgerichtet Forschungs- und Innovationspolitik zu betreiben. Deshalb muss frühzeitig geklärt werden, welche Konsequenzen mit der Bürgerforschung verknüpft sind.




Mehr Informationen

Bürger schaffen Wissen – Die Internetplattform für Mitmachprojekte

Um das Potenzial der Bürgerforschung zu heben, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine eigene Anlaufstelle im Internet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen dort Projekte ein, informieren über ihre Vorhaben und fordern zum Mitmachen auf. Die Internetseite ist damit die zentrale Informationsplattform für sogenannte Citizen-Science-Projekte in Deutschland.