ITAFORUM 2016

Strategische Empfehlungen

Verdichtung der politikrelevanten Impulse aus den ITA-Workshops

Aus den in den Sessions erarbeiteten Gewinnerimpulsen entstanden in jeweils einem Workshop pro Kategorie die letztendlich fünf forschungsstrategischen Empfehlungen für das BMBF. Bei der Erarbeitung dieser Empfehlungen wurde der Input aus den Sessions weiter verdichtet, zugespitzt oder auch aus mehreren ähnlich gelagerten Impulsen zu einer Empfehlung zusammengefasst. Unterstützt wurden die Workshop-Teilnehmer auch hier wieder von Mitgliedern des ITA-Beraterkreise, die in die Diskussion insbesondere ihre fachliche Perspektive einbrachten.

Am Ende des ITAFORUMs wurden als Ergebnis der Workshops folgende fünf strategische Empfehlungen präsentiert, die die Forschungs- und Innovationspolitik des BMBF unterstützen können.

>> Informationen zur Herleitung der fünf strategischen Empfehlungen finden Sie hier.



Workshop 1: Strategie

In diese Kategorie flossen Impulse ein, die sich auf große neue Meta-Themen beziehen und neue Förderinstrumente in der Forschungs- und Innovationspolitik induzieren könnten.

​Wichtig sind internationale strategische Forschungskooperationen, insbesondere im Nachhaltigkeitsbereich und vor allem mit Schwellenländern.

Hierbei soll es nicht um Entwicklungshilfe, sondern um einen beide Seiten befruchtenden Austausch auf Augenhöhe gehen. Insbesondere bei der Kooperation mit Schwellenländern ist es wichtig, voneinander zu lernen. Forschungskooperationen sollen zudem möglichst in eine solide Analyse der internationalen Tätigkeit in Forschung und Entwicklung (FuE) eingebunden werden. Dabei gilt es, alle relevanten Akteure miteinzubeziehen. Entscheidend ist das generelle Verständnis darüber, was global passiert und wo forschungs- und technologiepolitische Akzente gesetzt werden können, denn Ressourcen für FuE-Mittel sind knapp.


Workshop 2: Forschungsförderung

In dieser Kategorie ging es um Impulse, die im Rahmen existierender Dachstrategien, Förderinitiativen und Förderlinien neuen Forschungsbedarf aufzeigen.

Es ist Forschung zu der Frage notwendig, ob wir unser eigenes Forschungs- und Innovationshandeln in seiner Veränderungsdynamik gut genug verstehen.

Zwei Gedanken haben zu dieser Empfehlung geführt. Sie beziehen sich auf die gesellschaftliche Werte-Infrastruktur. Zum einen ist ein Verständnis ökonomischer Strukturierungs- und Innovationsprozesse notwendig, zum anderen ist Forschung zur Frage des ethischen Umgangs mit Daten erforderlich. Bei der Erarbeitung dieser Empfehlung stand die Diskussion um folgende Fragen im Mittelpunkt: Welche Daten erheben wir, wie gehen wir damit um, wie verwerten wir sie und was passiert am Ende mit ihnen? Die Teilnehmer waren der Ansicht, dass die Digitalisierung die Menschen teilweise überrolle. Umso wichtiger sei es zu fragen, ob die Menschen immer verstehen, was sie in diesem Bereich tun.


Workshop 3: Bildung

Diese Kategorie betraf Grundsatzfragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie der Bildungsforschung.

Das BMBF soll die Entwicklung von Standards der sozialen Medienkompetenz (in Schule, Berufsbildung, Hochschule, lebenslang) initiieren, moderieren und gestalten.

Bei der Formulierung dieser strategischen Empfehlung war den Teilnehmern bewusst, dass aufgrund der föderalen Struktur die Zuständigkeit des BMBF bezüglich Schule sehr eingeschränkt ist. Wichtig seien jedoch ein Kompetenzportfolio für die Nutzung von Digitalisierungsangeboten, die Schaffung von Bildungsstandards, aber auch die Schaffung und Förderung von sozialer Medienkompetenz. Dabei forderten die Workshop-Teilnehmer eine klare Rollenzuteilung bei der Gestaltung von Digitalisierung und Technik. Die Verantwortungsbereiche von Nutzern, Technikentwicklern und Regulierern müssten klar zugeordnet werden können. Damit auch der Nutzer Eigenverantwortung übernehmen kann, müssten seine Kompetenzen gestärkt werden.


Workshop 4: Kommunikation & Dialog

In dieser Kategorie wurden Impulse thematisiert, die den Bedarf an weiteren Partizipations- und Dialogprozessen aufzeigen und konkretisieren, wie dieser Dialog gestaltet werden kann.

Nachfrageorientierte, transparente, multimodale, adressatengerechte Kommunikation und Dialoge sollen vom BMBF initiiert, durchgeführt und evaluiert werden.

Bei der Entstehung dieser Empfehlung ging es darum, die vielen politikrelevanten Impulse – von Digitalisierung bis Nachhaltigkeit – zu einer ganzheitlichen Kommunikationsstrategie zu verdichten. Der Begriff Nachfrageorientierung wurde von den Workshop-Teilnehmern bewusst an den Anfang der Empfehlung gestellt, denn um Antworten auf die brennenden Fragen vor Ort zu finden, müsse man zuerst wissen, was die Gesellschaft bewege. Wichtig sei, dass Wissenschaftskommunikation auch vom gesellschaftlichen Bedarf ausgehe und nicht nur die Forschung Ausgangspunkt des Kommunikationsprozesses sei. Dabei waren sich die Teilnehmer darin einig, dass Wissen allen transparent und adressatengerecht zugänglich gemacht werden müsse.


Workshop 5: Rahmenbedingungen

Diese Kategorie behandelte Impulse, die gegenwärtige und möglichst in BMBF-Zuständigkeit fallende Rahmenbedingungen betreffen, wie beispielsweise existierende gesetzliche Regulierungen.

Erarbeitung, Typologie sowie die Grenzen von partizipativen Ansätzen für die Schaffung digitaler Transparenz sollen im Fokus stehen.

Diese Empfehlung entstand aus der Kombination zweier politikrelevanter Impulse: einer bezog sich auf das Thema digitale Partizipation, der andere auf die digitale Transparenz. Die Workshop-Teilnehmer betonten, dass das Thema Partizipation vielfach diskutiert werde, es aber an Konzepten fehle. Das Thema Transparenz befindet sich in einem Spannungsfeld: Es gebe Forderungen, alles transparent zu machen, sowie partizipative Konzepte, Probleme zu lösen, wie zum Beispiel „Open Community“. Beide Ansätze jedoch hätten ihre Limitationen. Letztendlich geht es darum zu überlegen, unter welchen Bedingungen es sinnvoll ist, Transparenz zu schaffen.