ITAFORUM 2016

Anmerkungen aus der Podiumsdiskussion

Diskutiert wurde die Frage, inwiefern die Innovations- und Technikanalyse als Kompass für eine gesellschaftsrelevante Forschungs- und Innovationspolitik dienen kann. Die Anmerkungen der Podiumsteilnehmer finden Sie hier.


MinDir Matthias Graf von Kielmansegg, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen; Strategie; Digitaler Wandel im BMBF:

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„Wir brauchen weiterhin den breiten interdisziplinären Ansatz der ITA-Förderung. Sie ist dann erfolgreich, wenn sie frühzeitig Debatten und Diskussionen erfasst, die dann auch in der Folgezeit in Forschung und Innovation aufgegriffen und zu einem gewichtigen Thema werden. Wichtig ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse der Innovations- und Technikanalyse noch stärker als bisher in die Öffentlichkeit bringen. Deshalb appelliere ich an die Forschergemeinschaft, dort hinzugehen, wo solche Diskussionen stattfinden können, und beispielsweise Schulpartnerschaften zu übernehmen."

Patricia Lips, MdB, Vorsitzendende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages:

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„Als vor 26 Jahren im Deutschen Bundestag die Technikfolgenabschätzung eingeführt worden ist, fragte man sich, ob man auf die Entwicklungen der Technik vorbereitet ist. Heute kommen die ‚soften‘ Themen dazu, wie zum Beispiel Arzneimittel, Social Bots oder Big Data. Damit kommen wir in einen ethischen Bereich, in dem wir fragen müssen, welche Chancen und Risiken es gibt. Die wichtige Frage ist: Wie gestalten wir den gesellschaftlichen Diskurs? Das wird in Zukunft essentiell werden, wenn wir nicht einen großen Teil der Menschen verlieren wollen.“

Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates:

Peter_Dabrock_276x184.jpg„Die Welt ist in inzwischen zu komplex, als dass man nur auf ideelle bildungs- und befähigungsgetriebene Lösungen setzen könnte – so wichtig diese sind. In vielen Bereichen bedarf es kurz- und auch langfristig weiterhin auch technologisch vorangetriebener Lösungswege gesellschaftlicher Probleme, eingebettet in größere Visionen guten Lebens. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft geht dabei mit einer solchen Verdichtung technologischer Prozesse einher, dass man von einem qualitativen Sprung des menschlichen Lebens und Selbstverhältnisses sprechen kann. Nicht die Vielzahl der disruptiven Technologien allein, sondern ihre Summe und ihr Zusammenwirken hat das Potential, das Selbstverständnis der Gesellschaft zu verändern.“


Prof. Dr. Alfred Nordmann, Wissenschaftsphilosoph der TU Darmstadt:

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„Wir müssen auch in Bezug auf Technik als freie Menschen entscheiden können. Wir beschwören ein unfreies Verhältnis zur Technik herauf, wenn wir meinen, die Technik entwickle sich so schnell, dass die Menschen kaum hinterher kommen. Die Vorstellung, dass die Technik dem Menschen die Abläufe diktiert, macht ihn unfrei. Vielleicht sollten wir hier gelassener werden und die Haltung des Beobachters einnehmen – wie beim Experimentieren. Schauen wir mal, was da angeblich alles kommen könnte und was wir angeblich brauchen, um unsere Probleme technisch zu lösen. Und schauen wir mal, ob wir das wirklich wollen und gebrauchen können."


Prof. Dr. Michael Decker, Vorsitzender des ITA-Beraterkreises:

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„Technikfolgenforschung widmet sich heute nicht nur den möglichen Folgen von technischen Entwicklungen, sondern fragt auch bedarfsorientiert, welche technischen Lösungen bei der Bewältigung unserer gesellschaftlichen Herausforderungen helfen können. Auch hier muss die ITA frühzeitig Chancen und Risiken beurteilen, wobei sie sowohl bereits vorgeschlagene Handlungsoptionen berücksichtigt als auch weitere Alternativen entwickelt. Das ist schon seit den Anfängen eine Aufgabe der Technikfolgenbeurteilung und der ITA, die die Politik berät. Bei den ITA-Projekten wurde darauf Wert gelegt, dass sie im Rahmen ihrer Forschung ergebnisoffen sind und der daraus abgeleitete handlungsempfehlende Charakter frühzeitig in den Blick genommen wird.“