ITAFORUM

ITAFORUM 2016

Mensch und Innovation - Chancen und Grenzen

Wie steht es um die Akzeptanz humanoider Service-Roboter? Wie lassen sich die Risiken der digitalen Arbeitswelt erkennen und wie kann man ihnen erfolgreich begegnen? Welche Chancen und Grenzen birgt die Nutzung von Smart Cams im öffentlichen Raum? Das sind nur drei Beispiele der 25 wissenschaftlichen Projekte, die derzeit im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse (ITA) des Bundesforschungsministeriums gefördert werden. Auf dem ITAFORUM 2016 in Berlin stellten sie ihre Zwischenergebnisse vor. Teilgenommen haben 150 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, die unter dem Titel Mensch und Innovation – Chancen und Grenzen über aktuelle Fragen zu technologischen und sozialen Innovationen diskutierten.

Bildbeschreibung
„Bleibt alles anders!“ – Zum Auftakt des ITAFORUMS 2016 stellte derVorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Dr. theol. Peter Dabrock, M.A., in seinem Impulsvortrag sozialethische Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und Technik vor.
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Mit dem ITAFORUM stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Podium zur Diskussion und eine informative und partizipative Plattform bereit, auf der unter anderem die in den ITA-Projekten gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentiert werden. Sie dienen der Abschätzung der gesellschaftlichen Folgen technologischer Entwicklungen.

Ein Schwerpunkt des diesjährigen ITAFORUMs war die Vorstellung der Zwischenergebnisse der 25 ITA-Projekte. In einem zweistufigen Verfahren wurden daraus zunächst politikrelevante Impulse abgeleitet und anschließend in Workshops fünf strategische Empfehlungen für das BMBF formuliert.


Impulsvorträge zum digitalen Wandel und der Freiheit im Umgang mit Technik

Den Auftakt des ITAFORUMs 2016 bildeten zwei Impulsvorträge. Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, thematisierte den Wandel, den unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung erfährt. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft gehe mit einer solchen Verdichtung technologischer Prozesse einher, dass man von einem qualitativen Sprung des menschlichen Lebens und Selbstverhältnisses sprechen könne, so Dabrock.

Im zweiten Impulsvortrag nahm der Wissenschaftsphilosoph Prof. Dr. Alfred Nordmann insbesondere die Freiheit des Menschen im Umgang mit der Technik in den Blick. Nordmann vertrat die Ansicht, dass die Vorstellung, die Technik diktiere dem Menschen die Abläufe, ihn unfrei im Verhältnis zur Technik mache. Er sprach sich dafür aus, diesem Technikdeterminismus mit mehr Gelassenheit entgegenzutreten und wie in einem Experiment die Position des Beobachters einzunehmen.

Die beiden Impulsvorträge veranschaulichten das Spannungsfeld, in denen sich Innovationen befinden, wenn es um eine ethische Reflexion geht.


Die ITA als Kompass für eine gesellschaftsrelevante Forschungs- und Innovationspolitik

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Bedeutung der ITA mit ihrer gesamten Bandbreite für die Innovationspolitik.

Der Leiter der Abteilung Grundsatzfragen im BMBF, Matthias Graf von Kielmansegg, wies darauf hin, dass auch die ITA sich in einem Wandel befinde, da der Innovationsbegriff mittlerweile technologische und soziale Innovationen gleichermaßen umfasse. Deshalb werde der breite interdisziplinäre Ansatz mehr denn je gebraucht.

Dieser breite interdisziplinäre Ansatz, bekräftigte der Vorsitzende des ITA-Beraterkreises, Prof. Dr. Michael Decker, beinhalte seit jeher eine ethische Reflexion neben einer ökonomischen, rechtlichen oder sozialgesellschaftlichen Analyse von Innovation und Technik.

Dem Vorschlag Alfred Nordmanns, den durch die Informations- und Kommunikationstechnologie hervorgerufenen Wandel aus der Beobachterperspektive zu begutachten, entgegnete Peter Dabrock, dass wir als Beobachter immer auch Beteiligte seien und uns dem technologischen Wandel kaum entziehen könnten.

Wir müssten uns heute zudem mit Themen wie Arzneimittel oder Big Data auseinandersetzen, ergänzte die Vorsitzendende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages, Patricia Lips. Die Bedeutung dieser Themen nehme derart zu, dass sie nicht nur frühzeitig in den Blick genommen, sondern auch schnell an die Gesellschaft herangetragen werden müssen. In diesem Zusammenhang verwies Matthias Graf von Kielmansegg auf positive Erfahrungen mit dem Format des Bürgerdialogs.

Einig waren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion darüber, welches das entscheidende Thema der Zukunft bleibe: die Digitalisierung in allen Lebensbereichen.


Zwischenergebnisse der ITA-Projekte: Ableitung von politikrelevanten Impulsen

Im weiteren Verlauf des ITAFORUMs wurden die Zwischenergebnisse der 25 geförderten ITA-Forschungsvorhaben vorgestellt. Die Forschungsprojekte beschäftigen sich zum Beispiel mit Fragen wie: Warum werden bestimmte Innovationen von der Gesellschaft abgelehnt? Welche Potentiale stecken im Modell des Tauschens und Teilens für Wirtschaft und Verbraucher? Aber auch: Welche ethischen Debatten müssen über In-Vitro-Fleisch geführt werden, das aus Rinder-Muskelstammzellen hergestellt wird? Oder: Wie verändern Social Bots die Kommunikation in den sozialen Medien?

Die Zwischenergebnisse aller Forschungsprojekte wurden nach der Präsentation in den fünf Sessions von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemeinsam mit Mitgliedern des ITA-Beraterkreises und allen weiteren Teilnehmern des ITAFORUMs diskutiert. Ziel war, in gemischten, interdisziplinären Untergruppen für jedes Forschungsprojekt politikrelevante Impulse zu entwickeln und diese folgenden forschungsstrategischen Kategorien des BMBF zuzuordnen:

  1. Strategie
  2. Forschungsförderung
  3. Bildung
  4. Kommunikation und Dialog
  5. Rahmenbedingungen

Danach wurde in jeder Session die Vielzahl der so entstandenen politikrelevanten Impulse individuell bewertet und auf einen Impuls pro Kategorie reduziert. Daraus ergaben sich insgesamt 30 „Gewinnerimpulse“, sechs für jede forschungsstrategische Kategorie.


ITA-Workshops: Verdichtung der politikrelevanten Impulse zu strategischen Empfehlungen

Aus den in den Sessions erarbeiteten Gewinnerimpulsen entstanden in jeweils einem Workshop pro Kategorie die letztendlich fünf forschungsstrategischen Empfehlungen für das BMBF. Bei der Erarbeitung dieser Empfehlungen wurde der Input aus den Sessions weiter verdichtet, zugespitzt oder auch aus mehreren ähnlich gelagerten Impulsen zu einer Empfehlung zusammengefasst. Unterstützt wurden die Workshop-Teilnehmer auch hier wieder von Mitgliedern des ITA-Beraterkreises, die in die Diskussion insbesondere ihre fachliche Perspektive einbrachten.

Am Ende des ITAFORUMs wurden als Ergebnis der Workshops folgende fünf strategische Empfehlungen präsentiert, die die Forschungs- und Innovationspolitik des BMBF unterstützen können:

  • Wichtig sind internationale strategische Forschungskooperationen, insbesondere im Nachhaltigkeitsbereich und vor allem mit Schwellenländern.
  • Es ist Forschung zu der Frage notwendig, ob wir unser eigenes Forschungs- und Innovationshandeln in seiner Veränderungsdynamik gut genug verstehen.
  • Das BMBF soll die Entwicklung von Standards der sozialen Medienkompetenz (in Schule, Berufsbildung, Hochschule, lebenslang) initiieren, moderieren und gestalten.
  • Nachfrageorientierte, transparente, multimodale, adressatengerechte Kommunikation und Dialoge sollen vom BMBF initiiert, durchgeführt und evaluiert werden.Erarbeitung, Typologie sowie die Grenzen von partizipativen Ansätzen für die Schaffung digitaler Transparenz sollen im Fokus stehen.


>> Nähere Informationen zu den strategischen Empfehlungen finden Sie hier.


Autor:
Erich Wittenberge | ew@wittenbergmedia.de