ITAFORUM 2017

„Themenfeldoffene Projekte“

Bildbeschreibung
Was dürfen Smart-Cams im öffentlichen Raum? Wie schmeckt Fleisch aus tierischen Muskelstammzellen? Diese und weitere Fragen wurden im themenoffenen Feld gestellt. V.l.n.r.: Ulrich Walter (Moderator), Prof. Dr. Bernd Hirschl, Dr. Edgar Rose, Prof. Dr. Oliver Schwedes, Dr. Arianna Ferrari.
Copyright Thomas Trutschel, Photothek

17. Digitale Stromsysteme sicher machen

Im Energiebereich ist Digitalisierung längst kein Fremdwort mehr. Das Stromsystem wird zunehmend mit Informations- und Kommunikationstechnologien gekoppelt. Das bringt enorme Vorteile. So können zum Beispiel erneuerbare Energien effizienter ins Netz eingespeist werden. Allerdings drohen dadurch auch Sicherheitsprobleme durch Fehler oder Cyber-Attacken. Das Forschungsprojekt „Vulnerabilität und Resilienz einer smarten Stromversorgung“ vom IÖW – Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin und der Universität Bremen fordert daher neue Strategien, um auf digitale Störfälle vorbereitet zu sein. Auch der Bund sei hier gefordert. „Einen großflächigen, langanhaltenden Blackout können wir uns nicht leisten“, betonte IÖW-Energieexperte Prof. Dr. Bernd Hirschl. Die Wissenschaftler empfehlen die Konzentration auf dezentrale Systeme sowie die Initiierung von Pilotprojekten, um länger andauernden Stromausfällen vorzubeugen.

18. In-vitro-Fleisch-Visionen

Ein Burger für 250.000 Euro? Das klingt utopisch. Dieser Imbiss wurde aber tatsächlich hergestellt — in einem Labor aus In-vitro-Fleisch. Das könnte ein Zukunftstrend werden, denn dafür müssen keine Tiere geschlachtet werden. Stattdessen wird das Fleisch aus tierischen Muskelstammzellen im Labor hergestellt. Technisch ist das schon heute möglich, aber eben noch sehr teuer. Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe mahnte auf dem ITAFORUM 2017 eine weitere Forschung in diesem Bereich an. Dabei müssten auch ethische Fragen beleuchtet werden. Wissenschaftlerin Dr. Arianna Ferrari verwies auf die Vorteile von In-vitro-Fleisch für Menschen, Tiere und Umwelt. Auf der anderen Seite bestünde die Gefahr einer Konsumsteigerung, wenn sich dieser Fleischgenuss als relativ unbedenklich durchsetzen würde.

19. Smart Cams im öffentlichen Raum

Vorsicht Kamera! Datenbrillen, Dash Cams und Drohnen erobern den Alltag. Nicht nur Polizei und private Sicherheitsdienste setzen verstärkt Body Cams ein, auch viele Privatpersonen haben schon heute moderne Geräte mit kleinen Kameras. Für Kameras gibt es viele interessante Anwendungsgebiete. Allerdings ist der Einsatz rechtlich noch unklar, die Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern ist kaum geschützt. Das belegen die Ergebnisse des Projekts „ChaRiSma“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Forscher regten auf dem ITAFORUM 2017 eine „Black List“ an, die klare Regeln für den Einsatz solcher Kameras aufstellen soll. Auch technisch könne dem Missbrauch begegnet werden, beispielsweise durch Aufnahmebeschränkungen bei Dash Cams.

20. Definition von Mobilitätsmanagement

„Wir brauchen ein deutliches politisches Bekenntnis zur integrierten Verkehrspolitik“, forderte Prof. Dr. Oliver Schwedes auf dem ITAFORUM 2017. Er koordiniert das Projekt „Möglichkeiten und Grenzen verkehrspolitischer Gestaltung am Beispiel Mobilitätsmanagement“ der Technischen Universität Berlin. Schon seit einem Vierteljahrhundert wird hierzulande über Mobilitätsmanagement diskutiert. Trotzdem mangelt es bislang an Strategien und ganzheitlichen Ansätzen. Deshalb sei es schwer, neue Konzepte in Deutschland umzusetzen. Dabei bremste Schwedes allzu hohe Erwartungen. Er räumte ein, dass technische Innovation allein noch nicht zu nachhaltiger Entwicklung führe. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehe noch eine Diskrepanz. Auch der Bund müsse hier aktiver werden, hieß es.