ITAFORUM 2017

Themenfeld „Flexible Kommunikations- und Eigentumsmodelle“

Bildbeschreibung
Tauschen und Teilen: Sharing-Angebote wie Gemeinschaftsgärten und Bücherschränke werden immer populärer. Dazu sprachen (v.l.n.r.): Ulrich Walter (Moderator), Dr. Jens Clausen, Dr. Christian Lerch, Dr. Annette Piorr, Prof. Dr. Heidi Sinnig.
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9. Eigentum teilen – aber richtig

Nutzen statt Besitzen, so lautet das Motto vieler Initiativen. Die Idee dahinter: Autos, Werkzeug, Bücher oder sogar Wohnungen werden mit anderen geteilt. Diese sogenannte Sharing Economy boomt. Am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit sowie bei Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften – wurde der neue Trend jetzt anhand von zwanzig Beispielen untersucht. Das Ergebnis des zweijährigen Verbundprojektes ist durchaus überraschend. Denn die Forscherinnen und Forscher können zwar durchaus positive soziale und ökologische Effekte erkennen. Allerdings könne das Sharing in einzelnen Fällen auch schädlich für die Umwelt sein. So sei zu befürchten, dass beispielsweise die Untervermietung von Wohnräumen zu einer verstärkten Reisetätigkeit führten. Dadurch gingen ökologische Effekte verloren, konstatierte Borderstep-Mitgründer Dr. Jens Clausen auf dem ITAFORUM 2017.

10. Industrial Collaborative Economy

In Deutschland etabliert sich zunehmend eine neue Tauschkultur. Das überträgt sich zögerlich auch auf die Industrie, betonte Dr. Christian Lerch vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI bei der Vorstellung der Projektergebnisse in Berlin. Als Treiber dieser Entwicklung machte er unter anderem die vereinfachten Zugänge durch die Digitalisierung aus. Industriell-kollaborative Wirtschaftsformen sind laut Studie zukunftsträchtig. Es besteht aber noch viel Wachstumspotenzial. Vor allem neue Technologien wie Robotik oder 3-D-Druck könnten die industrial-kollaborative Wirtschaft weiter stimulieren, hieß es.

11. Sharing Economy in der Lebensmittelversorgung

Konsumenten pflanzen und ernten einen Teil ihrer Lebensmittel selbst. Alternative Versorgungsnetzwerke wie Solidarische Landwirtschaft, Gemeinschafts- und Mietgärten gewinnen in Deutschland an Bedeutung. „Es ist sicherlich ein Nischenphänomen“, räumte Dr. Annette Piorr auf dem ITAFORUM 2017 ein. Ihr Forscherteam vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung hat die Entwicklung unter die Lupe genommen. In der Tiefenanalyse kamen die Wissenschaftler unter anderem zu der Erkenntnis, dass solche alternativen Versorgungsmodelle das Verhältnis zwischen Stadt und Land verändern. Die Rahmenbedingungen und die interne Organisation der Netzwerke müssten aber weiterentwickelt werden, damit die Initiativen noch erfolgreicher und nachhaltiger arbeiten können.

12. Share Economy in der Wohnungswirtschaft

Die WG als Vorreiter: In der Wohnungswirtschaft haben Sharing-Angebote teilweise eine lange Tradition. Zunehmend wird das Konzept von Teilen und Tauschen in diesem Bereich ausgeweitet. Dabei geht es beispielsweise um Gemeinschaftsräume, Gemeinschaftsgärten oder Recycling-Initiativen. Wohnungsunternehmen haben in diesen Bereichen bereits zahlreiche innovative Angebote entwickelt. Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt und der Bergischen Universität Wuppertal sind dieser Entwicklung in einem gemeinsamen Forschungsprojekt auf den Grund gegangen. Ein Ergebnis lautet: An solchen Sharing-Angeboten beteiligen sich die Menschen unabhängig von Alter, Bildung, Einkommen und Lebensstil. Die Vorteile liegen auf der Hand. So sparen Mieter Geld, die Nachbarschaft wird gestärkt, die Fluktuation wird geringer. „Die Wohnungswirtschaft ist Pionier des Wandels“, lobte Prof. Dr.-Ing. Heidi Sinning die Branche auf dem ITAFORUM 2017. Ihrer Meinung nach handelt es sich aber um einen „Dauerlernprozess“. Denn viele Wohnungsgesellschaften würden das Potenzial in diesem Bereich noch längst nicht ausschöpfen.