ITAFORUM 2017

Themenfeld „Neue globale Innovationspfade“

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Wirtschaftliches Wachstum erzeugt Innovationen in Schwellenländern. Dies wirkt sich auch auf die Industrieländer aus. Es diskutierten (v.l.n.r.): Ulrich Walter (Moderator), Dr. Björn Jindra, Prof. Dr. Rainer Walz, Dr. Luise Fischer und Dr. Carsten Gandenberger.
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5. Analyse von Innovationsprozessen

Schwellenländer werden als globale Innovationsstandorte immer wichtiger. Das belegt beispielsweise die rasant steigende Zahl von Patentanmeldungen in den BRICS-Staaten. Ein gemeinsames Projekt der Universität Bremen und der Technischen Universität Berlin hat erforscht, was das für deutsche und europäische Unternehmen bedeutet. Auffällig: Vor allem China und Indien konzentrieren ihre Aktivitäten auf wachstumsstarke Branchen wie Elektromobilität, Pharmazeutika und Biotechnologie. Die Forscher empfehlen daher unter anderem, bei technologischen Partnerschaften mit Schwellenländern Schwerpunkte zu setzen und die Informationsbasis für die Erfassung technologischer Aufholprozesse zu verbessern.

6. Schwellenländer und Umwelttechnologien

Das wirtschaftliche Wachstum der Schwellenländer führt zu mehr Innovationen in der Umwelttechnologie. Auf der anderen Seite aber belastet die Entwicklung gleichzeitig die Umwelt. Zu diesem Ergebnis kam ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe. Die Wissenschaftler haben die Implikationen des wirtschaftlichen Aufschwungs für die globalen technologischen Innovationssysteme bei Umwelttechnologien untersucht. Dafür wurden mehr als 2.500 Unternehmen in Deutschland befragt, erklärte Prof. Dr. Rainer Walz auf dem ITAFORUM 2017. Ein Ergebnis: Das wirtschaftliche Wachstum verhilft den Schwellenländern zu mehr Innovationen in der Umwelttechnik, die inzwischen immer häufiger von einheimischen Unternehmen und Instituten entwickelt werden. Insgesamt verschiebt sich dadurch der globale Schwerpunkt für Umweltinnovationen in Richtung Asien. Darauf stellen sich auch deutsche Unternehmen ein. Sie planen zunehmend Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Ausland.

7. Potenziale frugaler Innovationen

Die Nachfrage nach frugalen Innovationen steigt weltweit. Dahinter verbergen sich Produkte und Dienstleistungen, die sich konsequent auf ihre Kernaufgaben beschränken. Das Ziel sind schlanke und kostengünstige Lösungen für Verbraucher. Das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) in Leipzig und die Technische Universität Hamburg haben sich mit den Leitmärkten für frugale Innovationen beschäftigt – den Schwellenländern China und Indien. Gerade in diesen Ländern besteht großes Interesse an solchen einfachen und bezahlbaren Technologien, konstatieren die Forscher. Auf dem ITAFORUM 2017 warben sie dafür, auch die Hightech-Strategie in Deutschland um eine frugale Komponente zu erweitern.

8. Soziale Nachhaltigkeit

Kinderarbeit, Hungerlöhne, exzessive Überstunden: Die Verlagerung der Produktion in Schwellen- und Entwicklungsländer verursacht vor Ort gravierende soziale Probleme. Nötig seien deshalb soziale Innovationen, die auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ausgerichtet sind, sagte Dr. Carsten Gandenberger auf dem ITAFORUM 2017. Sein Team vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe untersucht die Transition in globalen Wertschöpfungsketten ganz konkret, vor allem in der Bekleidungs- und Smartphoneindustrie. Dabei stießen die Forscher nach eigenen Angaben auf Regulierungsdefizite, eine schwache Kontrolle der Fabriken sowie einen Mangel an Transparenz. Das müsse sich ebenso ändern wie das Kaufverhalten der Verbraucher in den Industrieländern, so die Empfehlung. Denn von einem grundlegenden Einstellungswandel sei die Gesellschaft noch weit entfernt, so Gandenberger.