ITAFORUM 2017

Themenfeld „Einstellungsforschung“

Bildbeschreibung
Maßgeblich für den Erfolg einer Innovation ist, dass die Menschen sie annehmen. Zur Einstellung forschten (v.l.n.r.): Ulrich Walter (Moderator), Prof. Dr. Patrick Spieth, Robin Kellermann, Prof. Dr. Tobias Schröder und Prof. Dr. Markus Appel.
Copyright Thomas Trutschel, Photothek

13. Warum werden Innovationen abgelehnt?

Nicht immer stoßen Innovationen auf einhellige Begeisterung. Warum das so ist, hat das Forschungsprojekt „Entstehungsgründe und Ansätze zur Überwindung von Indifferenz, Resistenz und Ablehnung im Adoptionsprozess von Innovationen“ der Universität Kassel und der Universität des Saarlandes untersucht. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass sich Verbraucher gerade in frühen Phasen der Kaufentscheidung für bewährte Produkte entscheiden. Das führt zunächst zu unbewussten Widerständen gegenüber Innovationen. Beispielsweise Qualitätssiegel oder die Erklärung von Funktionseigenschaften können Verbraucher schon in früheren Phasen umstimmen. Unternehmen müssten verstehen, warum bestimmte Neuerungen nur schwer angenommen werden, hieß es auf dem ITAFORUM 2017, denn fehlschlagende Innovationen würden auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Eine höhere Akzeptanz hingegen steigere auch die Erlöse.

14. Digitales Ticket für Bus und Bahn

Wer schon einmal in London war, kennt sicher die Oyster Card. Solch ein elektronisches Fahrkartensystem ist im Öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland noch Zukunftsmusik. Dabei werden digitale Ticketmodelle auch hier seit Jahren getestet. Die Technische Universität Berlin, das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung e.V. sowie die Initiative Wissenschaft im Dialog haben sich nun die Einstellungen, Erwartungen und Meinungen von Bürgerinnen und Bürgern zu solchen Systemen konkret angesehen. Dabei haben die Projektpartner einige wahrgenommene Risiken, zum Beispiel im Datenschutz, ausgemacht. Trotzdem raten sie, den eingeschlagenen Weg eines digitalen Tickets weiterzuverfolgen. Denn die Digitalisierung macht die Nutzung von Bussen und Bahnen einfacher, flexibler und sicherer. Bei der Entwicklung sollten Bürger aber stärker mit einbezogen werden. Wichtig sei, den Fahrgästen ein bedienfreundliches System zu bieten, sagten Projektvertreter in Berlin.

15. Skepsis gegenüber neuen Mobilitätsangeboten

Trotz eines neuen Umweltbewusstseins bleibt das Auto in Deutschland das attraktivste Verkehrsmittel im Alltag. Auch die Einstellung zu Elektroautos verbessert sich in der Gesellschaft kaum. Zu diesen Ergebnissen kam das gemeinsame Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin und der Fachhochschule Potsdam. Unter dem Titel „Modellierung von Einstellungsdynamiken in komplexen sozialen Systemen: Monitoring und Foresight von Sentiments zu Mobilitätsinnovationen“ untersuchten Forscherinnen und Forscher die Haltung der Deutschen zu neuen Mobilitätstechnologien. Sie entwickelten dabei auch ein Simulationsmodell, mit dem am Computer mögliche Verhaltensänderungen in der Mobilität ermittelt werden können. Fazit auf dem ITAFORUM 2017: Die mentale Transformation ist eine mindestens ebenso große Herausforderung wie die Technologie- und Infrastrukturentwicklung.

16. Akzeptanz humanoider Service-Roboter

Sie haben Arme, Beine, mitunter sogar Gesichter: Humanoide Roboter sind auf dem Vormarsch. Zunehmend werden Prototypen beispielsweise in der Krankenpflege und an Empfangsschaltern von Museen eingesetzt. In den kommenden zehn Jahren könnten Service- und Assistenz-Roboter in vielen verschiedenen Umgebungen alltäglich werden. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz aus? Das untersuchte ein Forschungsprojekt der Universität Würzburg und der Universität Koblenz-Landau. Dazu wurden unter anderem Nutzer und Experten befragt. Ein Ergebnis: Die Roboter sollten nicht zu menschenähnlich gestaltet werden, ansonsten wirken sie unheimlich. Es muss also deutlich gemacht werden, dass es sich um ein technisches Hilfsmittel handelt. Simulierte Emotionalität sei in geringem Ausmaß allerdings erwünscht, konstatierte Projektkoordinator Prof. Dr. Markus Appel auf dem ITAFORUM 2017.