ITAFORUM 2017

Themenfeld „Chancen und Risiken der Digitalisierung“

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Die Digitalisierung durchzieht alle Bereiche des beruflichen und privaten Alltags. Es diskutieren (v.l.n.r.): Ulrich Walter (Moderator), Dr. Ulrich Zierahn, Dr. Prisca Brosi, Prof. Dr. Simon Hegelich, Prof. Dr. Lutz Hagen und Martin Huschens.
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21. Digitalisierung und Zukunft der Arbeit

Übernehmen Roboter künftig die Aufgaben von Menschen? Droht uns das Ende der Arbeit? Viele befürchten, dass die fortschreitende Digitalisierung viele Jobs überflüssig macht. Im Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) konnte das Forschungsprojekt „Digitalisierung und Zukunft der Arbeit: Makroökonomische Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne von morgen“ die Sorge vor einem generellen Verlust von Jobs entkräften. Die Wissenschaftler kamen zum Ergebnis, dass makroökonomische Anpassungsprozesse meist neue Industrien und Arbeitsplätze entstehen lassen. In einigen Branchen wie beispielsweise dem Metallbau oder der Landwirtschaft dürften laut Prognose Jobs wegfallen. Dafür entstünden in anderen Zweigen neue Arbeitsplätze. Damit würde sich natürlich auch die Struktur der Wirtschaft ändern, was zu entsprechenden Verschiebungen und damit Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt führe, bilanzierte ZEW-Arbeitsmarktexperte Dr. Ulrich Zierahn in Berlin.

22. Digital Work Design

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt massiv. Damit sind neue Chancen verbunden, beispielsweise die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig gehen mit den Entwicklungen auch neue Herausforderungen für die Beschäftigten einher. Sie werden in Zukunft ein höheres Maß an Verantwortung zu tragen haben. Aufgaben werden komplexer, der Umgang mit Zeitdruck muss ausgehalten werden. An der Technischen Universität München wurde jetzt im Forschungsprojekt „Digital Work Design“ untersucht, wie diese Risiken in Chancen umgewandelt werden können. Ein zentrales Risiko ist der mit Innovationen verbundene zusätzliche Stress, konstatierte Dr. Prisca Brosi bei der Vorstellung der Ergebnisse. Sie empfahl unter anderem, die Organisationsstrukturen in Unternehmen zu verbessern, die Weiterbildungsmöglichkeiten zu stärken und die Work-Life-Balance zu wahren. So könne beispielsweise vereinbart werden, dass Beschäftigte nach 18 Uhr keine E-Mails mehr beantworten müssen.

23. Social Media Forensics

Social Bots simulieren im Netz menschliche Verhaltensmuster. Damit werden verstärkt auch Meinungen oder die Wahrnehmung relevanter Themen manipuliert. „Was wir jetzt erleben, ist eine digitale Revolution“, erklärte Prof. Dr. Simon Hegelich auf dem ITAFORUM 2017. Gemeinsam mit einem Team von der Hochschule für Politik der Technischen Universität München, der Cologne Business School, der Universität Siegen sowie dem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften erforschte er Täuschungen in sozialen Netzwerken. Das Projekt hat nach seiner Einschätzung bereits wichtige Erkenntnisse zu den Algorithmen herausgefunden und zu geeigneten Gegenmaßnahmen beigetragen. Trotzdem bestehe weiterer Forschungsbedarf, um Manipulationen im Netz einzudämmen.

24. Algorithmischer Strukturwandel

Warum bekomme ich in sozialen Netzwerken ausgerechnet jene Meldungen angezeigt, die mich tatsächlich interessieren? Die Antwort: Anbieter filtern ihre Inhalte und passen sie dem Nutzerverhalten an. Doch das führt nicht zwingend zu Filterblasen, wohl aber zu einer Polarisierung der politischen Meinung, hat ein Forscherteam von der Technischen Universität Dresden und der Hochschule Karlsruhe herausgefunden. Tatsächlich, so ein Ergebnis der Arbeit, ließen sich Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen leichter manipulieren als besser gebildete Nutzerinnen und Nutzer. Allgemein attestieren die Wissenschaftler der Gesellschaft zu wenig Bewusstsein für diese Algorithmen. Als Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen forderte Prof. Dr. Lutz M. Hagen von der TU Dresden, die schulische Medienbildung zu stärken.

25. E-Learning in der Schule

Ist E-Learning Fluch oder Segen? Dieser Frage ging ein Forschungsprojekt der Universität Mainz nach. Für ihre Studie entwickelten die Wissenschaftler eigens eine „MATHE-KIDS“-Lernsoftware, die fünf Wochen lang in mehreren Grundschulen eingesetzt wurde. Das Besondere an dem System: Über eine Verbesserungs-Rangliste wurden die Leistungssteigerungen der Mitschülerinnen und Mitschüler veröffentlicht. Diese Transparenz war sehr hilfreich, konstatierte Projektmitarbeiter Martin Huschens auf dem ITAFORUM 2017. „Man kann damit leistungsschwächere Schüler gezielt fördern“, so Huschens. Unter dem Strich sorgte der E-Learning-Versuch für eine höhere Motivation bei leistungsschwächeren Schülern. Negative Effekte auf das Sozialverhalten der Kinder wurden nicht festgestellt.