ITAFORUM 2017

Themenfeld „Partizipation in Forschung und Innovation“

Bildbeschreibung
Partizipation kann Innovation fördern: In „Open Creative Labs" beispielsweise können Bürgerinnen und Bürger an kreativen Projekten arbeiten und so gemeinsam vorankommen. Auf dem ITAFORUM diskutierten v.l.n.r.: Ulrich Walter (Moderator), Christoph Schneider, Dr. Katrin Grüber, Prof. Dr. Oliver Ibert und Camilo Fautz.
Copyright Florian Gärtner, Photothek


1. TechnoCitizenScience

Hinter diesem Forschungsprojekt verbirgt sich die Kombination von Bürger- und Technikwissenschaften. Christoph Schneider von der Technischen Universität München berichtete auf dem ITAFORUM 2017 von engagierten Gruppen, die sich abseits der Hochschulen mit neuen Innovationen und technischen Möglichkeiten auseinandersetzen. Solche Bürgerwissenschaften haben sich laut Schneider in den vergangenen Jahren in Deutschland etabliert. Das Interesse und die Kompetenz hinsichtlich neuer Technologien sollen in Zukunft noch schneller auch der Wissenschaft und der Industrie zugutekommen. Das Forscherteam von der Technischen Universität München und dem Karlsruher Institut für Technologie sieht in diesem Bereich ein großes soziales Potenzial und es geht davon aus, dass sich TechnoCitizenScience weiter entwickeln wird.

2. Ethische Fragen an die Pränataldiagnostik

Werdende Mütter nehmen immer öfter die nicht-invasive Pränataldiagnostik in Anspruch. Dabei wird gezielt nach möglichen Krankheiten oder Behinderungen der ungeborenen Babys gesucht. Das Verfahren ist einfach, da nur das Blut der Schwangeren untersucht wird. Allerdings ist die Methode nicht unumstritten. So wird mitunter befürchtet, dass aufgrund der neuen Möglichkeiten der gesellschaftliche Druck auf Frauen zunehmen könnte, eine Schwangerschaft wegen einer absehbaren Behinderung des Kindes abzubrechen. Am Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft in Berlin hat ein Forschungsprojekt am Beispiel der nicht-invasiven Pränataldiagnostik die „Partizipation in technisch-gesellschaftlichen Innovationsprozessen mit fragmentierter Verantwortung“ untersucht. Im Ergebnis fordern die Wissenschaftlerinnen eine breitere gesellschaftliche Debatte über neue Untersuchungsmethoden sowie eine bessere Vernetzung der verschiedenen Akteure.

3. Open Creative Labs

In offenen kreativen Laboren wird gemeinsam an Projekten aller Art getüftelt. Bürgerinnen und Bürger tauschen sich untereinander aus und treiben damit Innovationen außerhalb der etablierten Institutionen voran. Jeder dürfe diese Räume nutzen, erklärte Prof. Dr. Oliver Ibert vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner. Sein Forscherteam hat Labore unter die Lupe genommen, die Software für Musiker, Onlineplattformen, ein Digitales Interface für medizinische Bildung sowie Designlampen entwickeln. Politisch sind diese Open Creative Labs nach Ansicht der Wissenschaftler wertvoll, da sie eine sehr direkte Partizipation durch „Machen“ ermöglichen. Die Angebote müssten aber professionalisiert werden, so ein Ergebnis der Untersuchung.

4. Partizipation und Innovationsphasen

Partizipation kann zum Erfolgsfaktor von Innovationen werden. Davon sind die Wissenschaftler des Forschungsprojektes „Funktionale Gewinne durch Öffentlichkeitsbeteiligung in differenten Phasen der Innovationsentwicklung“ am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe überzeugt. Die Wissenschaftler haben insgesamt 90 verschiedene Projekte untersucht. Eine Erkenntnis: Partizipative Prozesse verlaufen oft nicht mit ausreichend spezifizierten Zielen. Das müsse sich bessern, hieß es auf dem ITAFORUM 2017. Deshalb entwickelt das Karlsruher Forscherteam einen „Orientierungskompass“. Der soll Aufschluss darüber geben, welche Partizipationsverfahren jeweils geeignet sind.