ITAFORUM

Das ITAFORUM 2017

Die digitale Revolution schreitet voran. Damit verbunden sind Innovationen in Gesellschaft und Arbeitswelt. Gleichzeitig ändern sich globale Innovationsprozesse, neue Konsum- und Eigentumsmodelle gewinnen an Bedeutung, Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich in Forschung und Innovation. Mit den Chancen und Risiken dieser und weiterer zukünftiger Entwicklungen beschäftigte sich das ITAFORUM 2017. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten am 5. und 6. Oktober 2017 in Berlin, wie sich mit neuen Technologien auch Gesellschaft und Alltag verändern könnten. Die Konferenz stand unter dem Motto „Zukünfte erforschen und gestalten“.

Bildbeschreibung
ITAFORUM 2017
© BMBF

Innovationen im Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken

In seiner Eröffnungsrede betonte Ministerialdirektor Matthias Graf von Kielmansegg, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in welchem Spannungsfeld sich die Innovationen bewegen. Dabei nannte er einige der aktuellen 25 ITA-Projekte, wie beispielsweise zur Entwicklung von In-vitro-Fleisch, zur Sharing Economy, zu humanoiden Service-Robotern oder zur Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung. Er verwies darauf, dass beispielsweise die Digitalisierung keineswegs Jobs vernichten müsse. Die Ergebnisse der ITA-Studien zeigten, dass sie über alle Berufsgruppen hinweg auch Chancen steigern könne. Kielmansegg warb für eine umfassende Innovations- und Technikanalyse. Rückblickend auf die Erfahrungen der Reformation, deren Beginn sich in diesem Jahr zum 500sten Mal jährte, schloss Kielmannsegg seine Rede mit dem hypothetischen Satz: „Hätte die damalige Amtskirche vor der Reformation doch eine ITA-Studie gemacht!“

Bürgerbeteiligung in Forschung und Innovation

Im Fokus der Eröffnungsrunde des ITAFORUMs 2017 stand auch die Frage, wie viel Partizipation sich strategische Vorausschau leisten könne und solle. „Richtig gemacht ist die Partizipation keine Bremse für Entwicklung“, sagte Kielmansegg. Ähnlich äußerte sich Dr. Sergio Bellucci. Der Geschäftsführer der TA-SWISS, Zentrum für Technikfolgen-Abschätzung der Akademien der Wissenschaften Schweiz in Bern, schilderte seine Erfahrungen aus dem Nachbarland. Schließlich sind in der Schweiz partizipative Verfahren wie Volksinitiativen und Referenden üblich. Er verwies darauf, dass gerade bei neuen Technologien moralische und ethische Aspekte sowie Emotionen eine große Rolle spielen. Deshalb sei eine breite Debatte im Vorfeld nötig. Bellucci plädierte dafür, Innovationen zu diskutieren, bevor der mediale Hype einsetze. Generell bewertete er die Partizipation als wichtige Hilfe für politische Entscheidungen, auch wenn die Empfehlungen am Ende nicht immer umgesetzt werden. „Zwischen dem Reden und dem Handeln liegt das Meer“, zitierte der TA-SWISS-Geschäftsführer ein italienisches Sprichwort. Dabei kann die Bürgerbeteiligung laut Bellucci die gesellschaftliche Akzeptanz von Innovationen erhöhen. Er warnte zugleich vor zu großen Erwartungen. „Die partizipative Methode kann nicht alle Probleme lösen“, räumte Bellucci mit Blick auf Innovationen ein.



Ministerialdirektor Matthias Graf von Kielmansegg, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung:

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„Nicht alle möglichen Nachteile werden eintreten und nicht alles wird man leider vorher erkennen können. Genauso ist das mit den Chancen.“





Dr. Sergio Bellucci, Geschäftsführer der TA-SWISS:

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„Die partizipative Methode kann nicht alle Probleme lösen. Partizipation kann Debatten anstoßen. Wir brauchen eine breitere Debatte im Vorfeld – und zwar bevor die Polarisierung in den Medien stattfindet.“