Innovations- und Technikanalyse

ITA-Vorhaben

Im Sommer 2015 hat das BMBF 25 ITA-Vorhaben für eine zweijährige Förderung ausgewählt. Die laufenden Projekte werden im Folgenden vorgestellt.


Themenfeld „Partizipation in Forschung und Innovation“

TechnoCitizenScience

TechnoCitizenScience - Bürgerinnovationen in Wissenschaft und Technik

Dr. Sascha Dickel
Technische Universität München
Munich Center for Technology in Society
(Verbundkoordinator)

Dipl.-Pol. Christopher Coenen
Karlsruher Institut für Technologie
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Verbundvorhaben der Technischen Universität München (TUM) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) befasst sich mit Citizen Science (Bürgerwissenschaften/ Bürgerforschung) und erweitert das Untersuchungs- und Anwendungsgebiet auf die Technikwissenschaften (TechnoCitizenScience/TCS).

Das Teilprojekt „CitizenEngineering“ adressiert die genannten Themen für die Ingenieurwissenschaften und befasst sich mit dem Maker Movement und dessen Verbindungen zum Ingenieurwesen. Hierbei geht es nicht zuletzt um die vermeintliche Veränderung von Innovationsdynamiken und neu entstehende Beziehungen zum ökonomischen Sektor.

Im Teilprojekt „CitizenBioScience“ werden Projekte der Bürgerforschung hinsichtlich partizipativer Potenziale im Sinne einer Demokratisierung der Wissenschaft und der vermittelnden Rolle der Kunst untersucht. Im Fokus stehen dabei neue Entwicklungen im Bereich der Biowissenschaften – insbesondere Synthetische Biologie und Biohacking.

Vorgehen und Methodik

Der Schwerpunkt des Projekts liegt in der Beschreibung der Entwicklungspfade und Potenziale von TCS in Deutschland. Hierzu werden Partizipationsformen analysiert sowie wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen untersucht.

Mittels Online- und Literaturrecherchen wird ein Überblick zu TCS im gewählten Themenspektrum erarbeitet. Aufbauend auf diesen Recherchen werden fokussierte Ethnografien und Interviews durchgeführt. Diese Studien münden in eine Typologie der Partizipationsformen. Die Ergebnisse des Verbundvorhabens werden abschließend in einem Stakeholder-Workshop diskutiert und reflektiert.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die Arbeitshypothese des Vorhabens ist, dass die Digitalisierung neue Möglichkeitsräume für Partizipation schafft. Deren Ausschöpfung und Ausformung ist aber von der Gestaltung spezifischer technosozialer Settings abhängig, die mit drei Spannungsverhältnissen umgehen muss – und zwar zwischen

  • formaler und informaler Expertise,
  • Geschlossenheit und Offenheit, sowie
  • Instrumentalisierungsbefürchtungen und Emanzipationshoffnungen.

Es soll ermittelt werden, wie diese Spannungen bearbeitet und ggf. produktiv gewendet werden können. Damit trägt das Projekt dazu bei, die Möglichkeiten und Herausforderungen eines Forschungs- und Innovationssystems im soziotechnischen Wandel zu erschließen.


Kontaktinformationen:

Dr. Sascha Dickel | 089 289 28293 | sascha.dickel@tum.de

Mehr Informationen zu "TechnoCitizenScience" finden Sie hier.

Partizipationssystem NIPD

Partizipation in technisch-gesellschaftlichen Innovationsprozessen mit fragmentierter Verantwortung: das Beispiel nicht-invasive Pränataldiagnostik

IMEW - Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft

Projektleitung: Dr. Katrin Grüber
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Sabine Könninger
Kooperationspartnerin: Prof. Dr. Kathrin Braun (Leibniz Universität Hannover / Universität Wien)
Wissenschaftliche Hilfskraft: Diana Schneider

Thema und Ziel des Vorhabens

Die nicht-invasive Pränataldiagnostik (NIPD) ist eine hochdynamische technisch-gesellschaftliche Innovation mit großem Anwendungspotential. Sie ermöglicht das Auffinden genetischer Eigenschaften beim Fötus durch die Untersuchung des mütterlichen Bluts ohne das Risiko einer Fehlgeburt. Gerade diese Niedrigschwelligkeit bringt jedoch auch enorme gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Wie geht die Gesellschaft mit diesen Herausforderungen um? Welche Formen und Foren bieten sich für Bürgerinnen und Bürger und zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure, sich an der Bewältigung dieser Herausforderungen zu beteiligen? Welche schaffen sie möglicherweise selber? Hier setzt das Forschungsvorhaben „Partizipation in technisch-gesellschaftlichen Innovationsprozessen mit fragmentierter Verantwortung: das Beispiel nicht-invasive Pränataldiagnostik“ des Instituts Mensch, Ethik und Wissenschaft an. Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwiefern die existierende Partizipationslandschaft Chancen bietet, um die gesellschaftlichen Herausforderungen, die diese Technologie mit sich bringt, demokratisch zu gestalten.

Vorgehen und Methodik

In der Studie wird eine differenzierte Bestandsaufnahme durchgeführt, die Einsatzbereiche, Chancen und Grenzen der aktiven Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren am Prozess der Entwicklung, Bewertung und Gestaltung der NIPD in Deutschland wiedergibt. Sie basiert auf Dokumentenanalyse, leitfadengestützten Interviews mit Expertinnen und Experten sowie teilnehmender Beobachtung.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die Studie umfasst sowohl theoretische als auch empirische Ziele: Auf einer theoretischen Ebene wird die Forschung zu Partizipation, Wissenschaft, Technik und Innovation in den "Science and Technology Studies" vorangebracht, indem diese mit der "deliberative systems theory" verbunden und so eine umfassende Perspektive auf Partizipation entwickelt wird. Auf der empirischen Ebene wird dieser Ansatz auf das Problemfeld NIPD angewendet mit dem Ziel, Struktur und Dynamik dieses Innovations- und Partizipationssystems in der Gesamtsicht zu beschreiben, zukünftige Trends und Tendenzen zu identifizieren sowie Chancen und Probleme demokratischer Gestaltung zu benennen.


Kontaktinformationen:

Dr. Katrin Grüber | Tel. 030-29381770 | info@imew.de

Mehr Informationen zu NIPD finden Sie hier.

Open Creative Labs in Deutschland

Open Creative Labs in Deutschland: Typologisierung, Verbreitung, Entwicklungsbedingungen und politische Gestaltung

Prof. Dr. Oliver Ibert
Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung
Forschungsabteilung 1: Dynamiken von Wirtschaftsräumen

Thema und Ziel des Vorhabens

Gegenstand des Forschungsvorhabens sind Open Creative Labs in Deutschland. Darunter werden Einrichtungen wie FabLabs, Coworking Spaces, Grassroot Labs, Design Thinking Studios oder Maker Spaces verstanden, die Arbeitsräume und technische Infrastrukturen temporär für Nutzer, auch für organisierte und nicht organisierte Bürgerinnen und Bürger, niederschwellig und sozial offen bereitstellen. Ziele des Vorhaben sind:

  1. Einen Überblick über die Verbreitung des neuen Phänomens über die 11 Metropolregionen Deutschlands zu erlangen.
  2. Eine Typisierung von Labs zu entwickeln.
  3. Mehr über die Motive der Nutzer von Labs zu erfahren.
  4. Die Wege von Ideen, die in offenen kreativen Labs entwickelt wurden, in die gesellschaftliche Praxis zu verfolgen.
  5. Auf der Basis zu einer politischen Bewertung des neuen Phänomens zu kommen.

Vorgehen und Methodik

Open Creative Labs wurden in den 11 größten Metropolregionen Deutschlands mittels Desktop-Research in ihrer räumlichen Verbreitung erfasst und typologisiert, um förderliche oder hinderliche (regionale) Rahmenbedingungen abzuleiten. Für jeden Lab-Typ werden in einer zweiten Projektphase so genannte Innovationsbiografien erstellt, um die unterschiedlichen Möglichkeiten der Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an Forschungs- und Innovationsprozessen nachzuzeichnen sowie damit verbundene Chancen und Risiken aus Sicht verschiedener Akteursgruppen zu bestimmen. Zudem werden Interviews mit Lab-Betreibern und Nutzern durchgeführt, um die Motive, Motivation, Ziele, Erfolge und Perspektiven der jeweiligen Gruppe dazustellen und zu analysieren. Abschließend sollen Implikationen für die Forschungs- und Innovationspolitik im Hinblick auf Open Creative Labs abgeleitet werden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Open Creative Labs verteilen sich räumlich ungleich. Von 357 erfassten Labs sind allein 100 in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg zu finden, in Relation zur Zahl der Erwerbstätigen sind zudem überdurchschnittlich hohe Zahlen in der Region Mitteldeutschland zu verzeichnen. Traditionelle Zentren der Wissensökonomie wie München oder Stuttgart weisen hingegen absolut und relativ niedrigen Zahlen auf. Das Vorhandensein von Labs hängt eng mit urbanen Qualitäten der Mikrostandorte zusammen. Zudem benötigen diese verfügbare Flächen in Stadtquartieren, die sich im Aufwärtstrend befinden. Die Anwesenheit von räumlichen Konzentrationen von Kultur- und Kreativwirtschaft sowie von Einrichtungen akamdemischer Forschung erklärt zusätzlich das Auftreten von Labs. Für die zweite Untersuchungsphase wird erwartet, dass die Nutzer verschiedene Vorteile aber auch neue Nachteile für sich sehen. Zu den Vorteilen gehören beispielsweise die Entlastung durch einen organisatorischen Kontext sowie Zugang zu technischen Infrastrukturen, die privat und alleine nicht bezahlbar wären. Auch ist anzunehmen, dass sozialer Zusammenhalt – ähnlich dem unter Kollegen – sowie Inspiration bei kreativen Projekten durch Labs angeboten werden. Zugleich birgt eine offene Wissensteilung das Problem, dass eigenes Wissen sich unkontrolliert in den Gemeinschaften ausbreitet. Für partizipative Forschung bieten sich Chancen, da Bürgerinnen und Bürger bereits bei der Problemdefinition von Forschungs- und Entwicklungsprozessen involviert (Co-Design) werden können bzw. sie selber Forschungsprozesse initiieren und/oder realisieren können. Die Untersuchung der Open Creative Labs bietet dem Projekt einen empirischen, fallstudienbasierten Zugang zu dem übergeordneten Thema der Teilhabe von Bürgern an Innovationsprozessen.


Kontaktinformationen:

Prof. Dr. Oliver Ibert | oliver.ibert@leibniz-irs.de

Mehr Informationen zu Open Creative Labs finden Sie hier.

Partizipation und Innovationsphase

Funktionale Gewinne durch Öffentlichkeitsbeteiligung in differenten Phasen der Innovationsentwicklung – Erstellung eines Entscheidungskompasses für die Governance von Innovationen

Dr. Leonhard Hennen
Karlsruher Institut für Technologie
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse

Thema und Ziel des Vorhabens

Öffentlichkeitseinbindung (ÖE) in Innovationsprozessen wird als wesentliche Strategie zur Verbesserung der Effektivität und Legitimität von Innovationen angesehen. Die hoch gesteckten Erwartungen solcher Partizipationsgewinne werden jedoch nicht selten enttäuscht. Ein wichtiger Grund für diese Schieflage besteht darin, dass für die erfolgreiche Anwendung von Partizipationsverfahren zwar viele Voraussetzungen erfüllt sein müssen, zugleich aber oftmals weder die Bedingungen der Anwendbarkeit noch die Ziele der Partizipation genügend bestimmt sind. Über- wie Untersteuerungen in solchen Verfahren sind deshalb eher die Regel als die Ausnahme. Entsprechend sind die Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung partizipativer Verfahren von Öffentlichkeitsbeteiligung genau zu erkunden. Vor diesem Hintergrund hat sich dieses Projekt zum Ziel gesetzt, die Voraussetzungen der Anwendbarkeit partizipativer Verfahren, um Öffentlichkeit entlang typischer Innovationsphasen einzubinden und dabei möglichst vielfältige Partizipationsgewinne zu erzielen, systematisch zu explorieren sowie empirisch zu unterlegen. Deshalb stellt die Entwicklung eines „Entscheidungskompasses" ein zentrales Projektziel dar. Dieser gibt Auskunft darüber, welche Partizipationsgewinne in welchen Phasen sinnvollerweise zu erschließen sind (und welche nicht), um auf diese Weise nicht nur zu verdeutlichen, welche Randbe-dingungen bei der Anwendung eines Partizipationsverfahrens zu beachten sind, sondern auch, wo rasch Unter- oder Übersteuerungen in solchen Prozessen passieren.

Vorgehen und Methodik

Analytisch wird deshalb auf dem so genannten „Regler-Modell“ aufgebaut. Auch wenn die Regler-Metapher technokratisch konnotiert ist, lassen sich mit ihr vereinfacht die jeweils situationsadäquaten Ausprägungen der unterschiedlichen Erfolgsbedingungen abbilden. Für die Konzeptionierung eines solchen Modells für ÖE sind drei Faktoren besonders zu berücksichtigen: die Vielfalt der möglichen Partizipationsgewinne, die einzubeziehenden Akteure und die generalisierten Verfahrenselemente zur Steuerung von Partizipationsprozessen. Die Regelbarkeit dieser Faktoren zu einem stimmigen Setting von ÖE, welches die Erwartungen aller beteiligten Akteure (Auftraggeber, Organisator, Stakeholder, Öffentlichkeiten) erfüllen kann, wird durch den spezifischen Kontext des Settings eingegrenzt. Wichtige Kontextvariablen sind etwa die von einem ÖE-Prozess mehr oder weniger stark betroffenen Teilbereiche des Innovationssystems, die jeweils betroffenen Innovationsphasen, die (Konflikt-)Dynamik in einem Technologiefeld, die Parallelität von anderen ÖE-Prozessen etc.

Aus der Verknüpfung analytisch-konzeptioneller Überlegungen mit empirischer Forschung soll ein „Entscheidungskompass“ erarbeitet werden, welcher für die praktische Gestaltung von Partizipationsprozessen in Abhängigkeit von Innovationsphasen nützlich ist.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Dieser Kompass ist als Entscheidungshilfe für die Anwendung partizipativer Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung in Innovationsprozessen gedacht. Die konkreten Projektergebnisse in Form von Workshops und einer Entscheidungskompass-Broschüre zielen darauf hin, die Strategieentwicklung im BMBF zu unterstützen. Durch die Neuartigkeit des Projektansatzes in der Verbindung zwischen ÖE und Innovationsphasen sind wesentliche Beiträge zur wissenschaftlichen Diskussion zu Debatten um Responsible Research and Innovation sowie Öffentlichkeitseinbindung in Forschung & Entwicklung bzw. komplexeren Innovationsprozessen zu erwarten.


Kontaktinformationen:

camilo.fautz@kit.edu

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.


Themenfeld „Chancen und Risiken der Digitalisierung“

Algorithmischer Strukturwandel der Öffentlichkeit

Algorithmischer Strukturwandel der Öffentlichkeit: Chancen und Risiken der IKT für die Entwicklung der politischen Informationskompetenz

Prof. Dr. Lutz Hagen
TU Dresden
Institut für Kommunikationswissenschaft
(Verbundkoordinator)

Prof. Dr.-Ing. Thomas Schlegel
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Thema und Ziel des Vorhabens

Politische Nachrichten werden zunehmend durch digitale Medien vermittelt. Schon heute informieren sich die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen überwiegend aus digitalen sozialen Netzwerken wie z. B. Facebook, auch was das politische Geschehen angeht. Während die Webseiten großer Leitmedien noch weitgehend einheitliche Angebote für ihr gesamtes Publikum anbieten, kommt es in sozialen Netzwerken und anderen digitalen Angeboten zunehmend zu einer individuellen Anpassung von Informationsangeboten: Ausgehend von den Präferenzen und Gewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer erfolgt eine algorithmische Selektion und Individualisierung (politischer) Information.

Das Verbundvorhaben „Algorithmischer Strukturwandel der Öffentlichkeit: Chancen und Risiken der IKT für die Entwicklung der politischen Informationskompetenz“ erforscht, wie sich algorithmische Selektionsmechanismen auf die politische Informationskompetenz auswirken. So können Algorithmen einerseits zu einer breiteren Informationsbasis führen und Selektion nach journalistisch soliden Qualitätskriterien sicherstellen. Andererseits bleibt die genaue Ausgestaltung der algorithmischen Auswahlregeln weitgehend intransparent. Die Individualisierung der Informationsangebote (Filterfunktion der Algorithmen) kann zudem zu einer übermäßig konsonanten bzw. einseitigen Informationsversorgung führen oder bestehende Tendenzen verstärken (Augmented Selectivity), wonach andere Meinungen und Ideen ausgeblendet und bestehende Meinungen verfestigt werden. Auch die Boulevardisierung politischer Informationen könnte verstärkt werden.

Vorgehen und Methodik

Im Rahmen des Teilvorhabens: „Ermittlung von Nutzertypen und Nutzungsmuster algorithmischer Medien“ wurde eine repräsentative Telefonbefragung durchgeführt, um Nutzungsmuster und Informationskompetenzen zu ermitteln und unterschiedliche Nutzertypen algorithmischer Medien zu identifizieren. In einer zweiten Studie wird die alltägliche politische Informationsnutzung von 80 Nutzerinnen und Nutzern über mehrere Wochen mittels eines Mehrmethodendesigns (Kombination aus Beobachtung, Befragung und Tagebuch) geräteübergreifend erfasst und ausgewertet. Dadurch können Kognitionen (Befragung) und Handlungen (Beobachtung und Tagebuch) im Zusammenhang analysiert werden. Die dazu benötigte integrierte Erhebungsumgebung wird im Teilvorhaben „Entwicklung eines Erhebungstools zur Nutzungserfassung“ entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Datenerfassung und -auswertung über digitale Mensch-Maschine-Schnittstellen. Die Erhebungsumgebung wird nach Projektende als Open-Source-Software der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Aus den Forschungsergebnissen sollen Folgerungen für die Praxis abgeleitet werden, die den Umgang mit und die Gestaltung von Algorithmen zur Nachrichtenselektion betreffen und die Art und Weise, wie diese Algorithmen öffentlich kommuniziert und weiterentwickelt werden sollen. Dazu werden Empfehlungen für Medienpolitiker, Schulbehörden, die Bundeszentrale und Landeszentralen für Politische Bildung sowie für Akteure im digitalen Mediensystem wie zum Beispiel Anbieter von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken, Verlage und Rundfunksender entwickelt und mit diesen diskutiert.

Kontaktinformationen

Prof. Dr. Lutz Hagen | E-Mail: lutz.hagen@tu-dresden.de

E-Learning in der Schule Segen oder Fluch?

E-Learning in der Schule-Segen oder Fluch?

Prof. Dr. Franz Rothlauf/Prof. Dr. Daniel Schunk
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Thema und Ziel des Vorhabens

Immer mehr Schulen nutzen elektronische Lernformen. So starten in Deutschland insbesondere auch an Grundschulen vermehrt Pilotprojekte zum Einsatz digitaler Lernsysteme im Klassenzimmer. Elektronische Lernsysteme führen dazu, dass der soziale Vergleich durch eine erhöhte Leistungstransparenz erleichtert wird. Dies geschieht dadurch, dass Informationen über Mitschüler entweder implizit über die beobachtbare Aktivität auf der Plattform oder explizit über die öffentliche Darstellung von Leistungsinformationen einsehbar sind. Die Folgen dieses Trends sind jedoch bisher wenig untersucht und insbesondere auf individueller Ebene schwer abzuschätzen. Das Vorhaben mit dem Titel "E-Learning in der Schule - Segen oder Fluch?" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geht daher der Frage nach, welche Auswirkungen der Einsatz von vernetzten und leistungstransparenten E-Learning-Systemen auf das Lernverhalten und den Lernerfolg von Schülern hat.

Vorgehen und Methodik

Zu diesem Zweck wurde im September und Oktober 2016 eine 5-wöchige Feldstudie an insgesamt 7 Grundschulen der Stadt Mainz mit 20 dritten Klassen durchgeführt, im Rahmen derer eine eigenentwickelte E-Learning Software namens MATHE-KIDS im Matheunterricht eingesetzt wurde. 400 Drittklässler haben die Mathelernsoftware in insgesamt 17 Schulstunden genutzt, um den Mathematikstoff der 2. Klasse spielerisch zu wiederholen. Dabei wurden Daten zu den Auswirkungen von leistungstransparenten E-Learning-Systemen auf das Lern- und Wettbewerbsverhalten von Schülern und deren affektiven Zustand (Freude am Lernen, wahrgenommener Leistungsdruck) erhoben, die nun untersucht und ausgewertet werden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Das Forschungsvorhaben trägt zur wissenschaftlichen Erkenntnis bezüglich frühkindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse bei. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse sollen wissenschaftlich fundierte Handlungsanweisungen zur Entwicklung und zum Einsatz von E-Learning-Systemen formuliert werden. Zudem werden Implikationen für die Bildungspolitik hinsichtlich der Förderung und Nutzung von digitalen Lernformen in der Schule abgeleitet.

Kontaktinformation

Prof. Dr. Franz Rothlauf | Email: rothlauf@uni-mainz.de

DWD – TuRiChan

Digital Work Design - Turning Risks Into Chances

Prof. Dr. Isabell M. Welpe
Technische Universität München
TUM School of Management
Lehrstuhl für Strategie und Organisation

Thema und Ziel des Vorhabens

Die Digitalisierung verändert die zukünftige Gestaltung von Arbeit und Führung grundlegend. Diese Veränderungen sowie damit verbundene Risiken und Chancen werden jedoch in bisherigen Theorien und Studien zum Thema Arbeitsgestaltung und Führung nicht hinreichend berücksichtigt.

Um diese Forschungslücke zu schließen erforscht das Vorhaben „Digital Work Design - Turning Risks lnto Chances (DWD - TuRiChan)“ der Technischen Universität München die Veränderungen von Arbeitswelt und Führung durch die Digitalisierung. Im Rahmen des Projekts wurde ein umfassendes Modell entwickelt, dass die Veränderungen der Arbeitsgestaltung und Führung durch Digitalisierung und die daraus resultierenden Chancen und Risiken für Mitarbeitende abbildet. Aktuell werden im Rahmen weiterführender Studien Einflussfaktoren auf Führungs- und Organisationsebene identifiziert, mit denen die Risiken der Digitalisierung für Arbeitnehmende minimiert und deren Chancen ausgeschöpft werden können.

Vorgehen und Methodik

Um die Veränderungen, Chancen und Risiken digitalisierter Arbeit zu erfassen wurde zunächst eine zweistufige Experten-Befragung mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik durchgeführt. Deren Ergebnisse wurden in einer quantitativen Panelstudie mit Arbeitnehmenden und Führungskräften aus verschiedenen Branchen validiert. Aus dieser Befragung gehen zudem bereits Faktoren auf Führungs- und Organisationsebene hervor, die zu einer förderlichen Arbeitsgestaltung im digitalen Zeitalter beitragen können. Diese werden im Anschluss in mehreren einwöchigen Tagebuch-Studien mit Berufstätigen vertieft betrachtet.

Ergebnisse

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Themen Arbeitsgestaltung sowie Führung und Organisation in einer digitalisierten Arbeitswelt erweitern und wirtschafts-, medien- und politikrelevante Implikationen generieren. Die Ergebnisse aus Experten- und Panelbefragung zeigen zahlreiche Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung für die Arbeit von Mitarbeitenden in Organisationen ergeben. Es kommt zu einem deutlichen Wandel in der grundsätzlichen Organisation von Arbeit, z.B. zu einem veränderten Verhältnis von Arbeits- und Privatleben (höhere Flexibilität bei zugleich längerer Erreichbarkeit). Die Anforderungen an Mitarbeitende steigen deutlich an (höhere Komplexität, Unsicherheit, Geschwindigkeit, Arbeitsbelastung), Qualifikation und Kompetenzen werden wichtiger (IT-Kompetenzen, Agilität, kognitive Kompetenzen, lebenslanges Lernen). Mitarbeitende werden in ihrer Arbeit mehr durch IT unterstützt, es kommt jedoch auch zu einer stärkeren Automatisierung von Tätigkeiten. Mitarbeitende erhalten in der digitalisierten Arbeitswelt mehr Einfluss (höhere Autonomie, zunehmende Beteiligung an Unternehmensentscheidungen, flachere Hierarchien). Teamarbeit gewinnt weiter an Bedeutung, v.a. in virtuellen, globalen, dynamischen und unternehmensübergreifenden Teams. Zentrale Chancen für Mitarbeitende aus diesen Entwicklungen sind eine höhere Sinnhaftigkeit der Arbeit, höhere Arbeitszufriedenheit und bessere Weiterentwicklungsmöglichkeiten, zentrales Risiko ist eine erhöhte Stressbelastung. Um dieses Risiko zu minimieren sind ein stark beziehungs- und gesundheitsorientiertes Führungsverhalten sowie ein unterstützendes Organisationsklima vonnöten.


Kontaktinformationen:

Frau Tanja Schwarzmüller | 089-289-24820 | t.schwarzmueller@tum.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Social Media Forensics

Social Media Forensics – Risiken der digitalen Arbeitswelt erkennen und beheben

Die rapide steigende Verbreitung von sozialen Interaktionen im Kontext von Social-Media-Angeboten bedeutet einerseits die Schaffung einer neuen, in ihrer Qualität bislang nicht existierenden Datenquelle zu menschlichem Verhalten und andererseits die Möglichkeit der Auswertung, kommerziellen Verwertung und schließlich auch Manipulation dieser neuen Daten. Gleichzeitig sind konventionelle IT-Sicherheitsansätze für Social Media nur bedingt geeignet, da die bestehenden Sicherheitsinfrastrukturen den Herausforderungen nicht gewachsen sind. Es geht also um eine potenziell völlig neue Art von Risiken, die durch die netzwerkartige und grenzüberschreitende Kommunikation sowie die ungeheure Menge an Interaktionen und die daraus resultierenden Daten bedingt ist. Die passende Antwort auf diese Entwicklungen besteht darin, die forensischen Kompetenzen der Nutzerinnen und Nutzer insgesamt zu steigern, das heißt diese Risiken einschätzen und im Idealfall zwischen authentischer und manipulierter Information unterscheiden zu können.

Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit

Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit: Makroökonomische Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne von morgen.

JProf. Dr. Melanie Arntz
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Universität Heidelberg

Thema und Ziel des Vorhabens

Die gesellschaftlichen und ökonomischen Konsequenzen einer immer weiter digitalisierten Arbeitswelt werden zunehmend diskutiert. So wird zum Teil prognostiziert, dass die Übernahme von Routinetätigkeiten durch Maschinen und intelligente Algorithmen im mittleren Einkommens- und Qualifikationsbereich zu einer Polarisierung der Beschäftigungs- und Lohnverteilung führt. Zum Teil wird in der Debatte auch ein genereller Verlust an Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung prognostiziert. Makroökonomische Anpassungsprozesse, wie die Wechselwirkungen zwischen Sektoren oder das Entstehen neuer Industrien und Arbeitsplätze, werden in der bisherigen Diskussion und Forschung allerdings meist vernachlässigt. Zudem beruht die in der wissenschaftlichen und politischen Debatte häufig zitierte Einschätzung, welche Tätigkeiten durch den Einsatz von Algorithmen und Maschinen zukünftig tatsächlich leicht ersetzt werden können, auf subjektiven Einschätzungen weniger Experten.

Das Forschungsvorhaben „Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit: Makroökonomische Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne von morgen“ des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim setzt an dieser Stelle an.

Vorgehen und Methodik

Auf Basis einer Betriebsbefragung sollen Einschätzungen aus der betrieblichen Praxis über die gegenwärtige und zukünftig geplante Digitalisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen gewonnen werden, um den technologischen Wandel empirisch fundiert und differenziert abzubilden. Mit diesen Daten wird dann eine quantitative Abschätzung der Gesamtbeschäftigungseffekte mittels eines strukturellen makroökonomischen Modells vorgenommen, welches die veränderte Nachfrage nach Arbeitskräften seitens der Unternehmen ebenso berücksichtigt, wie das zur Verfügung stehende Angebot an Arbeitskräften und Qualifikationen. Zudem fließen auch mögliche positive Rückkopplungseffekte der Digitalisierung in Form einer steigenden Produktivität und somit Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in diese Modellierung mit ein. Auf diese Weise können realistische Szenarien zu den potentiellen Auswirkungen der zukünftig zu erwartenden Digitalisierung der Arbeitswelt auf die Beschäftigung, die Berufsstruktur, die Lohnverteilung oder die Arbeitslosigkeit in der näheren Zukunft entwickelt werden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Aus dem Vergleich der beschriebenen Szenarien lassen sich Rückschlüsse über die Bedeutung verschiedener Anpassungs- und Wirkungsmechanismen ziehen, so dass auch Empfehlungen für die Politik abgeleitet werden können. Insbesondere sollen die Auswirkungen der Qualifikationsstruktur sowie der Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte in Form von Mobilität analysiert werden, um aufzuzeigen, wie diese auch durch die Politik beeinflussbaren Faktoren die Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeitswelt beeinflussen. Mittels der Abschätzung der Bedeutung verschiedener ökonomischer Anpassungs- und Kompensationsprozesse können somit Ansatzpunkte für die Politik identifiziert werden, um den digitalen Wandel für den Arbeitsmarkt positiv zu gestalten.

Kontaktinformation

Jprof. Dr. Melanie Arntz

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

L7 1

68161 Mannheim

E-Mail: arntz@zew.de


Themenfeld „Neue globale Innovationspfade“

Innovationen in Schwellenländern

Analyse von Innovationsprozessen in Schwellenländern unter Einbeziehung einer Folgenabschätzung für traditionelle Innovationsstandorte in
Deutschland und Europa

Prof. Dr. Jutta Günther
Universität Bremen
Institut für Institutionelle Ökonomik und Innovationsökonomik
(Verbundkoordinator)

Prof. Dr. Knut Blind
Technische Universität Berlin
Fachgebiet Innovationsökonomie

Thema und Ziel des Vorhabens

Infolge des Globalisierungsschubs seit Beginn der 1990er Jahre und mit der Stärkung der Innovationskraft in Schwellenländern verschieben sich in jüngster Zeit die globalen Zentren der Innovation. Allerdings zeigt sich hier eine Heterogenität in Hinsicht auf Dynamik und Struktur der technologischen Aufholprozesse, die Resultat unterschiedlicher wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen in den jeweiligen Schwellenländern ist. Bei der Veränderung der globalen Innovationslandschaft spielen auch die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von multinationalen Unternehmen eine wichtige Rolle. Mit der zunehmenden Ansiedlung dieser Aktivitäten in Schwellenländern beeinflussen sie lokale Innovationsprozesse und tragen möglicherweise auch zur Stärkung der lokalen Innovationskraft bei. Insgesamt ergeben sich aus der sich verändernden Innovationskraft in Schwellenländern auch für Deutschland und Europa neue Herausforderungen im globalen Innovationswettbewerb.
Das Teilvorhaben der Universität Bremen hat zum Ziel, die Dynamik der Verschiebung von globalen Innovationszentren und die Rolle von multinationalen Unternehmen in Bezug auf Innovationen in Schwellenländern zu erforschen. Ziel des Teilvorhabens der Technischen Universität Berlin ist das Erforschen der Veränderungen im Komplex von Innovationen, Handel und globalen Wertschöpfungsketten im Kontext der sich verändernden globalen Innovationslandschaft. Zudem sollen in beiden Teilvorhaben neue Ansätze in der Innovationspolitik in Schwellenländern erforscht werden.

Vorgehen und Methodik

Zum Erreichen der Ziele sollen insbesondere Analysen von Patentindikatoren vorgenommen werden. Eine Analyse von Handelsmarken und Standards wird angestrebt. Darüber hinaus werden neu verfügbare OECD-Handelsdaten (OECD/WTO Trade in Value Added Database) sowie Zahlungen für und Einnahmen aus Verwertungsrechten untersucht um die Innovationstätigkeit in Schwellenländern und die Auswirkungen auf die Partizipation und Wertschöpfung in globalen Wertschöpfungsketten zu analysieren.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die Ergebnisse dieser Forschung liefern im Hinblick auf den Innovationswettbewerb grundlegende Erkenntnisse für betroffene Akteure in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Auch können neue Erkenntnisse zu den gegenwärtigen Wirkungsmechanismen in globalen Wertschöpfungsketten geliefert werden.

Kontaktinformation

Prof. Dr. Jutta Günther

Universität Bremen

Institut für Institutionelle Ökonomik und Innovationsökonomik

Hochschulring 4

28359 Bremen

E-Mail: jutta.guenther@uni-bremen.de

TITUS

Implikationen des wirtschaftlichen Aufstiegs der Schwellenländer für die globalen technologischen Innovationssysteme bei Umwelttechnologien

Prof. Dr. Rainer Walz
Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Thema und Ziel des Vorhabens

Die globale Innovationslandschaft ist weitreichenden Veränderungen ausgesetzt. Die Verlagerung von Absatzmärkten und Produktionsstätten sowie das Wachstum der Innovationsaktivitäten in den Schwellen- und Entwicklungsländern führen zu einer Verlagerung der Innovationszentren in Richtung dieser Staaten. Insbesondere bei den Umwelttechnologien in Schwellen- und Entwicklungsländern sind neue Konzepte wie frugale Innovationen von besonderer Bedeutung für die Entwicklung passfähiger Lösungen, da gerade diese Länder von Umweltproblemen und dem Abbau natürlicher Ressourcen besonders stark betroffen sind. Das Vorhaben hat zum Ziel, die mittelfristige Entwicklung im Bereich der Umwelttechnologien sowie die Chancen und Risiken für das deutsche Forschungs- und Innovationssystem zu untersuchen. Die Informationsbasis soll verbessert und der Anpassungsbedarf bzw. die Anpassungsmöglichkeiten für Deutschland abgeleitet werden.

Vorgehen und Methodik

Die Verlagerungen von globalen Innovationsaktivitäten im Bereich der Umwelttechnologien in Richtung der Schwellen- und Entwicklungsländer werden mit Hilfe von Innovationsindikatoren analysiert und die sich daraus ergebenden Implikationen für deutsche Unternehmen herausgearbeitet. Darüber hinaus werden mittels empirischer Erhebungen die charakteristischen Stärken und Schwächen der Technologischen Innovationssysteme der ausgewählten Länder China und Indien ermittelt. Des Weiteren erfolgt eine Analyse der Entstehungsbedingungen und notwendigen Kompetenzen für frugale Innovationen und der Passfähigkeit von frugalen Innovationen für die Innovationsprozesse deutscher Unternehmen. Zudem wird geprüft, inwieweit das Leitmarktkonzept auf frugale Innovationen anwendbar ist.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Mit diesen vielseitigen Methoden werden Optionen für die Anpassung an die aktuellen Entwicklungen/Veränderungen im globalen Innovationsgeschehen für die relevanten Akteure des deutschen Forschungs- und Innovationssystems entwickelt. Publikations- und Patentanalysen zeigen auf, dass die Anteile der Schwellenländer deutlich ansteigen. Eine Analyse der Außenhandelsströme signalisiert eine Marktsegmentierung: Insbesondere China nimmt einerseits viele Technologieimporte auf, andererseits exportiert China überproportional viele Technologien in andere Schwellen- und Entwicklungsländer.


Kontaktinformationen:
Prof. Dr. Rainer Walz | rainer.walz@isi.fraunhofer.de

Dr. Carsten Gandenberger | carsten.gandenberger@isi.fraunhofer.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Potenziale frugaler Innovationen

Potenziale, Herausforderungen und gesellschaftliche Relevanz frugaler Innovationen im Kontext des globalen Innovationswettbewerbs

Dr. Luise Fischer (Verbundkoordinator)

Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, Leipzig

Dr. Rajnish Tiwari

Technische Universität Hamburg, Institut für Technologie- und Innovationsmanagement (TUHH-TIM)


Thema und Ziel des Vorhabens

Empirische Beobachtungen zeigen, dass sich im Innovations-Diskurs der Begriff „frugalen Innovation“ als mögliches neues Paradigma herausbildet. „Frugale Innovationen“ bezeichnen Produkte und Dienstleistungen, welche konsequent auf ihre Kernfunktionen bzw. Kernaufgaben optimiert sind. Ziel ist „affordable excellence“ (erschwingliche Exzellenz), um signifikant geringere Herstellungs- und Nutzungskosten und somit einen günstigeren Verkaufspreis bei gleichzeitig hoher Qualität zu erzielen. Schwellenländer wie Indien und China etablieren sich derzeit immer mehr als Leitmärkte für frugale Innovationen. Das rasante Wirtschaftswachstum in diesen Ländern hat das Entstehen einer neuen Mittelschicht begünstigt, die an bezahlbaren und zugleich qualitativ hochwertigen Technologielösungen und Produkten interessiert ist. Diese Entwicklung bietet Wachstums- und Innovationsimpulse in den dortigen Ländern. Zugleich zeigt sich, dass frugale Innovationen zunehmend auch für den Markt in Deutschland und in anderen Industriestaaten relevant werden. In einem gemeinsamen Vorhaben des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW Leipzig und des TUHH-Instituts für Technologie und Innovationsmanagement (TIM) wird die gesellschaftspolitische Relevanz frugaler Innovationen erforscht und untersucht, welche möglichen Auswirkungen sich für das deutsche Forschungs- und Innovationssystem ergeben.

Vorgehen und Methodik

Zunächst wurde die Theoriebasis zur Analyse des Phänomens „frugale Innovationen“ entwickelt und mittels Diskursanalyse, Fokusgruppen und Experteninterviews eine Untersuchung des deutschen Diskurses und Trends zu diesem Thema durchgeführt. In einer deutsch-indischen Vergleichsstudie der Automobilzulieferindustrie werden nun deutsche und indische Innovationspfade identifiziert und analysiert. Die Frage, wie sich die vorwiegend aus Schwellenländern stammenden frugalen Innovationen von den Innovationspfaden in Industrieländern unterscheiden, steht im Zentrum des Forschungsprojektes. Das Institut für Technologie- und Innovationsmanagement der Technischen Universität Hamburg hat hier einschlägige Vorarbeiten durchgeführt und die Forschungsinitiative „Center for Frugal Innovation“ in Hamburg initiiert.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die Projektpartner untersuchen die gesellschaftspolitische Relevanz, Potenziale und Herausforderungen frugaler Innovationen. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für das deutschen Forschungs- und Innovationssystem abzuleiten, Technologie- und Innovationsmaßnahmen vorzuschlagen und deutsche Unternehmen bei der Auswahl zukunftsträchtiger Innovationsstrategien und der Entwicklung neuer Produkte und Technologien zu unterstützen. Der Standortvorteil Deutschlands im internationalen Wettbewerb soll dadurch nachhaltig gesichert werden.


Kontaktinformationen:

Dr. Luise Fischer | Tel. 0341 231 039 – 237 | luise.fischer@imw.fraunhofer.de

Dr. Rajnish Tiwari | 040 428 78 – 3776 | tiwari@tuhh.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

SoNa–WSK

Transition in globalen Wertschöpfungsketten: Förderung der sozialen Nachhaltigkeit

Dr. Carsten Gandenberger

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI Competence Center Nachhaltigkeit und Infrastruktur

Thema und Ziel des Vorhabens

In globalen Wertschöpfungsprozessen stehen oft Entwicklungsländer am Anfang der Lieferkette. In vielen dieser Länder sind die Arbeitsbedingungen u.a. im Hinblick auf Arbeits- und Gesundheitsschutz bedenklich und teilweise menschenunwürdig. Langfristig schneidet in einem solchen Modell der globalen Arbeitsteilung nicht nur die soziale Dimension der Nachhaltigkeit schlecht ab, sondern auch die ökonomische. Die Umsetzung der sozialen Nachhaltigkeit in globalen Wertschöpfungsketten und Produktionsnetzwerken stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Zum einen ist es schwierig, eine internationale Lieferkette durch politische Maßnahmen zu regulieren, da entsprechende nationalstaatliche Regulierungen immer nur einen kleinen Anteil der Kette tangieren. Zum anderen geht die Komplexität vieler Wertschöpfungsketten häufig mit einer fehlenden Transparenz in Bezug auf die beteiligten Akteure sowie die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards einher.
Das Vorhaben SoNa-WSK untersucht in diesem Zusammenhang zum einen die Entwicklungsbedingungen, die in den nächsten fünf Jahren die Verbreitung sozial nachhaltiger Wertschöpfungsketten prägen werden. Zum anderen sollen Transitionsszenarien erarbeitet werden, die sich mit unterschiedlichen Handlungsoptionen und möglichen zukünftigen Transitionen auseinandersetzen, um zu untersuchen, welcher Veränderungen es bedarf, damit sozial nachhaltigere Praktiken in globalen Wertschöpfungsketten stärker Einzug in das operative Geschäft nehmen.

Vorgehen und Methodik

Um die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Verbreitung sozial nachhaltiger Wertschöpfungsketten zu identifizieren, wurde zunächst ein heuristisches Modell zu Verhaltenstransitionen basierend auf dem Ansatz der Multi-Level-Perspektive erstellt. Im Rahmen von zwei exemplarischen Fallstudien zu mobilen Endgeräten und Kleidung werden auf dieser Basis durch Literaturrecherche und Experteninterviews mögliche Treiber und Hemmnisse für eine sozial nachhaltigere Gestaltung von Wertschöpfungsketten in diesen beiden Sektoren herausgearbeitet. Abschließend werden mittels eines Foresight-Ansatzes mögliche Transitionsszenarien und Handlungsempfehlungen für die Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft abgeleitet. Das Vorhaben wird durch zwei fallstudienspezifische, praxisnahe Projektbeiräte begleitet.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Neben den Anforderungen an sozial nachhaltige Wertschöpfungsketten werden sowohl aktuelle Herausforderungen als auch mögliche Lösungsansätze identifiziert. Hierfür wird zunächst der gegenwärtige Stand der sozialen Nachhaltigkeit in den jeweiligen Sektoren untersucht, um die praktische Relevanz der Ergebnisse zu erhöhen. Schlussendlich werden Transitionsszenarien und Handlungsempfehlungen für die Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft partizipativ entwickelt.


Kontaktinformationen:

Miriam Bodenheimer | miriam.bodenheimer@isi.fraunhofer.de | 0721-6803952

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.


Themenfeld „Flexible Konsum- und Eigentumsmodelle“

NsB - Ressourceneffizienz und Diffusionspotenziale (NsB-Ress)

Nutzen statt Besitzen - soziotechnische Ressourceneffizienz- und Diffusionspotenziale ausgewählter Angebotsformen

Martina Schmitt

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH (Wuppertal Institut)

(Verbundkoordination)


Holger Rohn

Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften gGmbH (Faktor – 10 Institut)


Dr. Jens Clausen

Borderstep – Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbH (Borderstep Institut)

Thema und Ziel des Vorhabens

Im Rahmen des Vorhabens sollen die Potenziale zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs und die Chancen und Risiken der Diffusion von Nutzen statt Besitzen-Angebotsformen (NsB-Angebotsformen) ermittelt und somit die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützt werden. Da sich im Bereich der neuen und flexiblen Konsum- und Eigentumsmodelle durch Nutzen statt Besitzen kontinuierlich neue Geschäftsmodelle etablieren, werden diese aktuellen Entwicklungen aufgegriffen und anhand spezifischer Fallbeispiele untersucht. Im Ergebnis sollen Handlungsempfehlungen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Rahmen eines partizipativen Prozesses formuliert werden, die auf die Verbreitung ressourcenleichter NsB-Angebotsformen hinwirken. Das Vorhaben zeigt Handlungsoptionen und Erfolgsfaktoren für eine (frühzeitige) ressourcenschonendere Gestaltung von NsB-Angebotsformen auf.

Vorgehen und Methodik

Zu Beginn erfolgt eine Bestandsaufnahme der aktuell am Markt bestehenden NsB-Angebotsformen. Diese werden anhand spezifischer Kategorien bewertet und im Expertenkreis evaluiert. Als Ergebnis wird eine in Bezug auf mögliche Ressoucenschonungs- und Diffusionspotenziale priorisierte Shortlist von 20 NsB-Angebotsformen erstellt (Teilvorhaben Faktor 10 – Institut).

Die NsB-Angebotsformen der Shortlist werden unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette hinsichtlich ihrer Ressourceneffizienzpotenziale analysiert. Die gewonnen Erkenntnisse zum Ressourcen-verbrauch werden einschließlich möglicher Reboundeffekte in Steckbriefen dokumentiert (Teilvorhaben Wuppertal Institut).
Parallel erfolgt die Identifikation von Erfolgsfaktoren für die Diffusion ressourcenleichter NsB-Formen. Es werden die ausgewählten 20 Angebotsformen hinsichtlich der Verbreitung (Geschwindigkeit, Umfang) in der Innovations- und Markteinführungsphase untersucht. Die Daten werden ex-post erhoben, um charakteristische Diffusionsverläufe und Einflussmöglichkeiten zu identifizieren (Teilvorhaben Borderstep Institut).

Auf der Grundlage der Analyseergebnisse werden vier bis sechs Angebotsformen ausgewählt und vertiefende Fallstudien durchgeführt. In diesen Prozess werden Vertreter/-innen relevanter Akteursgruppen im Rahmen von Fokusgruppen und Experteninterviews eingebunden (Teilvorhaben Faktor 10 – Institut).

Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse synthetisiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet (Teilvorhaben Wuppertal Institut). Die Projektpartner sind in die jeweiligen Teilvorhaben in unterschiedlichem Umfang aktiv eingebunden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Ziel ist die Ableitung von fallbezogenen und übergreifenden Handlungsempfehlungen, um die ermittelten Ressourceneffizienzpotenziale nutzbar zu machen und die Diffusion von ressourcenschonenden NsB-Angebotsformen zu unterstützen. Die Ergebnisse werden über unterschiedliche Medien und Foren (z.B. Broschüre, Fachartikel, Buch, Konferenzen) vorgestellt und veröffentlicht.

Kontaktinformation

Martina Schmitt

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH

Döppersberg 19

42103 Wuppertal

WICE

Potenziale eines Wandels zu einer Industrial Collaborative Economy – Grundzüge einer kollaborativen Wirtschaftsform in der Industrie

In Deutschland etabliert sich eine neue Tauschkultur. Diese hat zur Entstehung neuer Consumer-to-Consumer-Angebote geführt, die auf innovativen Konsum- und Eigentumsmodellen gründen. Als erweiterte Stufe einer Sharing Economy wird die Erschließung des Business-to-Business-Bereichs in der Industrie angesehen. Neue Nutzungs- und Eigentumsmodelle sind in der Lage, als Triebfeder einer sogenannten Industrial Collaborative Economy zu agieren. Trotz einer derzeit eher geringen Verbreitung solcher Konzepte in der Industrie besteht durch die Digitalisierung große Hoffnung, dass diese schneller und stärker diffundieren. Ziel des Projekts WICE ist es daher, die Voraussetzungen eines Wandels zur Industrial Collaborative Economy zu analysieren, deren Wirkungen hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Ziele zu bewerten und eine Grundlage für innovationspolitische Maßnahmen zu schaffen, um den potenziellen Wandel durch geeignete Rahmenbedingungen zu unterstützen.

Future | Food | Commons

Future | Food | Commons – neue Modelle der Konsumenten-Produzenten-Interaktionen in der Lebensmittelversorgung

Im Konsumbereich Ernährung interagieren Konsumenten und Produzenten in neuen Beteiligungsmodellen, wie zum Beispiel der Solidarischen Landwirtschaft oder Selbsterntegärten, indem sie Land, Arbeit, Produktionsmittel, Geld, aber auch Wissen teilen, tauschen oder gemeinschaftlich nutzen. Wie im BMBF-Foresight-Prozess herausgearbeitet wurde, sind diese Formen der Konsumenten-Produzenten-Interaktionen (KPI) soziale Innovationen, deren Verbreitung als ein Anzeichen einer neuen Wirtschaftsform gedeutet werden kann. Ziel des Forschungsvorhabens ist es,

a) diese KPI zu beschreiben und zu kategorisieren,

b) ihre Innovations- und Technikfolgen sowie deren Wirkungszusammenhänge zu beschreiben und abzuschätzen,

c) Szenarien zur Zukunft neuer Beteiligungsmodelle zu entwickeln und zu bewerten und

d) Steuerungsbedarfe und Modelle interner und externer Governance zu erarbeiten, die den Chancen und Risiken der neuen Beteiligungsmodelle gerecht werden.

KoSEWo

Nachhaltige Konsummodelle der Share Economy in der Wohnungswirtschaft

Prof. Dr. Heidi Sinning

Fachhochschule Erfurt

Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP)

(Verbundkoordinator)


Prof. Dr. Guido Spars

Bergische Universität Wuppertal

Fachgebiet Ökonomie des Planens und Bauens (ÖPB)

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Verbundvorhaben des Institutes für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der Fachhochschule Erfurt und dem Fachgebiet Ökonomie des Planens und Bauens (ÖPB) der Bergischen Universität Wuppertal erforscht nachhaltige Konsummodelle der Share Economy in der Wohnungswirtschaft. Ziele sind die Erhebung und Typisierung bestehender Modelle, die Ermittlung und Abschätzung möglicher Potentiale, das Aufzeigen von Chancen, Risiken und Wirkungen der Förderung des kollaborativen Konsums in der Wohnungswirtschaft sowie die Identifikation von Potentialen und Konflikten zwischen derartigen Konsummodellen und der Versorgung mit bezahlbaren Wohnraum.

Vorgehen und Methodik

Die beiden Verbundpartner arbeiten in allen Arbeitspaketen eng zusammen. Neben der Literatur- und Medienrecherche für die Grundlagenermittlung wurde im Frühjahr 2016 anhand einer quantitativen Erhebung (Online-Befragung) der aktuelle Ist-Zustand in der Wohnungswirtschaft in Kooperation mit den bundesweiten Wohnungsverbänden GdW und vhw abgefragt. Ergänzt und analysiert wurden diese Erkenntnisse durch einen im Juni 2016 organisierten Expertenworkshop in Erfurt. Sowohl die Online-Befragung als auch der Expertenworkshop bilden eine wichtige Grundlage für die anstehende qualitative Untersuchung von vier Fallbeispielen (Fallstudien), die durch ergänzende Interviews mit den betrachteten Wohnungsunternehmen und deren Mietern detailliert untersucht werden. Im Rahmen eines partizipativen Ansatzes sollen zusätzlich mit Bewohnern der Untersuchungsgebiete in Zukunftswerkstätten Ansätze erarbeitet werden, wie mehr Akzeptanz für nachhaltige, kollaborative Konsummodelle geschaffen und Hemmnisse überwunden werden können. Dies trägt zu einer realistischen Einschätzung der zukünftigen Entwicklung hin zu nachhaltigen Konsummodellen aus Nutzersicht bei.

Methodisch wird die Untersuchung des systemischen Kontextes der Konsumveränderungen und der Diffusion der kollaborativen Konsummodelle als soziale Innovation insbesondere innerhalb der Mieter- bzw. Haushaltsbefragungen erfolgen, indem nach Verhaltensveränderungen innerhalb der Angebote zur Share Economy und darüberhinausgehende Änderungen im Umweltverhalten erfragt werden. Veränderungen im Konsumentenverhalten hin zu einer ökologischeren oder sozialeren Entwicklung können ebenso in den Mieterbefragungen und in den ergänzenden Zukunftswerkstätten der Fallstudien erfasst werden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für Wohnungsunternehmen abgeleitet werden.
Durch die Zusammenarbeit mit bundesweit agierenden Wohnungsverbänden können die Ergebnisse des Vorhabens breit gestreut werden. Für ein Wohnungsunternehmen soll außerdem eine modellhafte Entwicklung von Integrationsansätzen in Bezug auf nachhaltige, kollaborative Konsummodelle erfolgen.


Kontaktinformationen:

Prof. Dr. Heidi Sinning

ISP - Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt

Altonaer Straße 25

99085 Erfurt

E-Mail: sinning@fh-erfurt.de

www.fh-erfurt.de/isp


Prof. Dr. Guido Spars

ÖPB - Fachgebiet Ökonomie des Planens und Bauens der Bergischen Universität Wuppertal

Haspeler Straße 27

42285 Wuppertal

E-Mail: spars@uni-wuppertal.de

www.oekonomie-arch.uni-wuppertal.de


Themenfeld „Einstellungsforschung“

IRA

Entstehungsgründe und Ansätze zur Überwindung von Indifferenz, Resistenz und Ablehnung im Adoptionsprozess von Innovationen

Prof. Dr. Patrick Spieth

Universität Kassel

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

(Verbundkoordinator)


Jun.-Prof. Dr. Sven Heidenreich

Universität des Saarlandes

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Verbundprojekt „Entstehungsgründe und Ansätze zur Überwindung von Indifferenz, Resistenz und Ablehnung im Adoptionsprozess von Innovationen“ zielt darauf ab, entlang des Adoptionsprozesses innovativer Produkte mögliche Formen der Ablehnung von Konsumenten zu identifizieren. Diese sollen anhand ihrer relativen Bedeutung systematisiert und geeignete Strategien zur Überwindung eben dieser entwickelt werden.

Vorgehen und Methodik

Das Projekt ist in zwei aufeinander aufbauende Arbeitspakete eingeteilt: Im Rahmen einer ersten explorativen Studie sollen mögliche Ursachen von Konsumentenwiderständen gegenüber Innovationen erfasst und in Widerstandskategorien überführt werden. Die Widerstandskategorien werden dann zu Adoptionsbarrieren verdichtet und anschließend in einer quantitativen Konsumentenumfrage hinsichtlich ihrer relativen Wichtigkeit entlang des Adoptionsprozesses beurteilt. Im zweiten Arbeitspaket werden Ansätze zur Überwindung von Adoptionsbarrieren in den jeweiligen Phasen des Adoptionsprozesses abgeleitet und im Rahmen von Experimentalstudien auf ihre Effektivität überprüft.
Das Teilvorhaben der Universität des Saarlandes richtet seinen Schwerpunkt auf die marktorientierte Analyse der Entstehungsgründe und Ansätze zur Überwindung von Adoptionsbarrieren sowie auf die adoptionsspezifischen und psychologischen Charakteristika von Adoptionsbarrieren. Weiterhin wird in diesem Teilvorhaben die Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse der explorativen Studie und der Ergebnisse der Experimentalserien vorgenommen.
Das Teilvorhaben der Universität Kassel konzentriert sich auf die strategische Analyse der Entstehungsgründe produktspezifischer und funktionaler Adoptionsbarrieren und Ansätze, diese zu überwinden. Weiterhin wird in diesem Teilvorhaben die Auswertung der Ergebnisse der quantitativen Studie vorgenommen.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Indem die Studie bisher unerforschte Bereiche der Adaptionsforschung adressiert, soll das Verbundprojekt dazu beitragen die Ursachen für das Scheitern von Innovationen am Markt besser zu verstehen. Das bedeutet, dass die geplanten Kenntnisse sowie die Entwicklung geeigneter Maßnahmen um diesem entgegenzuwirken, nicht nur einen Erkenntnisgewinn zur Einstellungsforschung im Bereich Innovation generieren können sondern auch dazu beitragen, die mit dem Scheitern von Innovationen verbundene Ressourcenfehlallokation für innovative Unternehmen zu reduzieren.

153 Probanden nahmen von September bis Oktober 2015 an der explorativen Studie an der Universität Kassel sowie der Universität des Saarlandes teil. Erste Ergebnisse zeigen, dass passive Innovationsresistenz tatsächlich existiert und ihre Auswirkung von dem Grad an individueller kognitiverer Auslastung beeinflusst wird. Die Ergebnisse dieser Studie wurden an Hand eines Videos auf dem ITAFORUM im November 2015 und durch einen Konferenzbeitrages bei der IPDMC Konferenz (Juni 2016, Glasgow) vorgestellt.

Kontaktinformation

Prof. Dr. Patrick Spieth

Universität Kassel

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Nora-Platiel-Straße 4

34109 Kassel

E-Mail: spieth@uni-kassel.de

Verkehrszugangssysteme (VERS)

Einfluss der Nutzerbeteiligung auf Einstellungen zu Verkehrszugangssystemen

Prof. Dr. Hans-Liudger Dienel | Technische Universität Berlin

(Verbundkoordinator)

M.A. Robin Kellermann | Technische Universität Berlin

Dr. Markus Weißkopf | Wissenschaft im Dialog

Dipl.-Geogr. Ansgar Düben | Nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Vorhaben „Einfluss der Nutzerbeteiligung auf Einstellungen zu Verkehrszugangssystemen (VERS)“ untersucht, inwiefern partizipative Verfahren bei Nutzern und Nutzerinnen des öffentlichen Nahverkehrs die Hemmnisse gegenüber RFID (radio-frequency identification)-basierten Verkehrszugangssystemen (z.B. elektronische Ticketeinlesung) abbaut.

Elektronische Systeme zur Erfassung und Weitergabe von Informationen sind vor allem durch die Diskussionen um Datensicherheit, Schutz der Privatheit und informelle Selbstbestimmung gekennzeichnet. Insbesondere herrscht in der Bevölkerung eine große Unsicherheit aufgrund der Unüberschaubarkeit, welche Personen oder Institutionen zu welchem Zweck der Zugang zu persönlichen Daten gewährt ist. Diese Ressentiments gegenüber technologischen Neuerungen führen dazu, dass auch offensichtliche Vorteile von RFID-Systemen durch reale oder vermeintliche Nachteile überlagert werden. Im Vorhaben „VERS“ werden daher anhand einer Vorher-Nachher-Analyse die Einstellungen vor und nach den partizipativen Interventionen anhand Berliner ÖPNV-Nutzer untersucht.

Vorgehen und Methodik

Das Teilvorhaben der TU-Berlin umfasst die Sekundäranalyse zum aktuellen Forschungsstand, die Erstellung und Spiegelung von Praxisbeispielen anhand einer empirischen Erhebung sowie die Zusammenfassung der Ergebnisse und Präsentation konkreter Handlungsoptionen für potenzielle Anwender.

Im Fokus der Wissenschaft im Dialog gGmbH stehen die konzeptionelle und operative Durchführung der partizipativen Wissenschaftskommunikation und des Szenarioworkshops, aus dem Handlungsempfehlungen für RFID-basierten Verkehrszugangssystemen hervorgehen sollen.

Im Teilvorhaben "Vorher-Nachher-Analyse zu Einstellungsänderung; Partizipation" des nexus Instituts für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung e.V. sollen die Änderungen der Einstellung zu Sicherheit, Komfort, Privatheit und Datenschutz gegenüber RFID gestützten Verkehrszugangssystemen qualitativ und quantitativ untersucht werden. Ein zentrales Element ist dabei eine Bürgerbefragung (partizipatives Instrument "Kurzplanungszelle") mit ÖPNV-Benutzern.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die mit dem Teilvorhaben der TU-Berlin erzielten Ergebnisse werden neue Erkenntnisse zu aktuellen Fragestellungen der Akzeptanzforschung von RFID-basierten Verkehrszugangssystemen bieten und damit zu einer Verbesserung operativer Schritte für Verkehrsunternehmen führen, die planen, solche Systeme einzuführen.
Die Ergebnisse des Verbundvorhabens sollen auch auf andere Untersuchungsbereiche übertragbare allgemeine Kenntnisse im Bereich der Einstellungsforschung generieren.

Modellierung von Einstellungsdynamiken in komplexen sozialen Systemen

Modellierung von Einstellungsdynamiken in komplexen sozialen Systemen: Monitoring und Foresight von Sentiments zu Mobilitätsinnovationen

Prof. Dr. Tobias Schröder

Fachhochschule Potsdam

Institut für Angewandte Forschung Urbane Zukunft

(Verbundkoordinator)


Prof. Dr. Gerhard de Haan

Freie Universität Berlin

Institut Futur

Thema und Ziel des Vorhabens

Unsere Alltagsmobilität befindet sich im Umbruch. Technische Innovationen, wie beispielsweise neue vernetzte Mobilitätsdienste oder autonom fahrendende Fahrzeuge, sowie gesellschaftliche Trends zum gemeinschaftlichen Konsum von Gütern verändern die Möglichkeiten individueller Mobilität. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sind diese Veränderungen mit Hoffnungen auf ein nachhaltigeres Mobilitätssystem verbunden. Das Vorhaben „Modellierung von Einstellungsdynamiken in komplexen sozialen Systemen: Monitoring und Foresight von Sentiments zu Mobilitätsinnovationen“ untersucht vor diesem Hintergrund potentielle Einflussfaktoren und Dynamiken eines gesellschaftlichen Einstellungswandels gegenüber ausgewählten Mobilitätsinnovationen. Ziel ist die Entwicklung eines interaktiven Visualisierungs- und Analyseinstruments, das von Akteuren in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu genutzt werden kann, um effektive Innovations- und Kommunikationsstrategien für Innovationen im Mobilitätssektor zu entwickeln und wirksam auszugestalten.

Vorgehen und Methodik

Das Instrument, mit dem diese Ziele erreicht werden sollen, basiert empirisch zum einen auf traditionellen Einstellungsmessungen (repräsentative Bevölkerungsbefragung) und zum anderen auf automatisierten Sentiment-Analysen von thematisch relevanten Äußerungen in sozialen Medien (z. B. Twitter). Die geographische und inhaltliche Übereinstimmung der so gemessenen Einstellungen werden im Projekt kritisch untersucht, um die Aussagefähigkeit neuer computerbasierter Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften mit traditionellen Methoden empirischer Sozialforschung zu vergleichen. In einem weiteren Schritt werden auf dieser Datengrundlage einstellungsverändernde Effekte unterschiedlicher Interventionsstrategien mittels eines agentenbasierten Modells simuliert.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Zum jetzigen Zeitpunkt (September 2016) liegen bereits umfangreiche Ergebnisse zu Einstellungen in der Bevölkerung zu Mobilitätsinnovationen vor. Am Ende wird das Projekt in theoretischer Hinsicht zum verbesserten Verständnis von sozialen und technologischen Transformationsprozessen beitragen und im methodischen Bereich zur Evaluation neuer Methoden der Computational Social Science. Zudem wird die öffentliche Verfügbarmachung des Monitoring- und Foresight-Tools einen über die Projektlaufzeit hinausgehenden praktischen Beitrag zum Gelingen des politisch angestrebten Mobilitätswandels leisten.


Kontaktinformationen:

Prof. Dr. Tobias Schröder | Tel. 0331-580-2512 | Email: schroeder@fh-potsdam.de

Hintergründe und (Zwischen-)Ergebnisse finden Sie hier.

Akzeptanz humanoider Service-Roboter

Zur Akzeptanz humanoider Service-Roboter: Experimentelle Untersuchungen unter besonderer Berücksichtigung der Uncanny Valley-Hypothese

Prof. Dr. Markus Appel

Universität Koblenz-Landau

Thema und Ziel des Vorhabens

Die Robotik ist eine der Schlüsseltechnologien der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Viele Labore und Technologieunternehmen setzen bereits heute auf einen massiven Ausbau von Robotik und Automations-Schwerpunkten. Neben großen industriellen Einsatzgebieten geht es dabei mitunter auch um „soziale Maschinen“, die in unterschiedlichen Situationen des Alltags direkt mit Menschen in Kontakt treten sollen. In den nächsten 10 Jahren werden Service- und Assistenzroboter zunehmend Eingang in das Alltagsleben finden. Beispielhafte Einsatzbereiche mit hohem gesellschaftlichem Potenzial sind die Krankenpflege und Unterstützung im Haushalt. Technisch sind diese autonomen Systeme häufig schon sehr elaboriert, jedoch steht deren potenziellen Verbreitung noch die mangelnde Akzeptanz insbesondere sehr menschenähnlich gestalteter (humanoider) Service- und Assistenzroboter entgegen. Ein Lösungsansatz zur Überwindung dieses Problems besteht darin, die psychologischen Faktoren der Einstellungsbildung näher zu untersuchen. Das Vorhaben widmet sich daher der Klärung der Frage, inwiefern die Akzeptanz oder Ablehnung humanoider Roboter durch kontextuelle Bedingungen (z.B. Produktbeschreibung des Roboters; intendiertes Einsatzgebiet des Roboters) oder nutzerseitige Faktoren abhängt. Diese wichtigen Determinanten nutzerseitiger Einstellungen gegenüber Service- und Assistenzrobotern sollen erforscht und wichtige Informationen für Entscheidungsträger und Hersteller von Assistenz- und Serviceroboter geliefert werden.

Vorgehen und Methodik

Das wissenschaftliche Arbeitsprogramm basiert auf Theorien und Befunden zur Akzeptanz humanoider Roboter, nach denen vor allem eine hohe – aber noch nicht perfekte – Menschenähnlichkeit unheimlich und damit aversiv wirkt (uncanny valley-Erleben). Zur Erreichung der Projektziele sind sechs experimentelle Studien über eine Projektdauer von zwei Jahren geplant. Seit Projektbeginn wurden bereits drei der Experimente durchgeführt und ausgewertet. Ein viertes Experiment steht kurz vor dem Abschluss. Bei diesen Experimenten wurde vor allem untersucht, welche Aspekte bzw. Dimensionen der Menschenähnlichkeit von Robotern zu einer geringen Akzeptanz führen. Flankiert werden die experimentellen Studien durch ExpertInnen-Interviews sowie einen NutzerInnen-Workshop.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Mit Hilfe der wissenschaftlichen Studien sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie sich der technologische Fortschritt im Bereich der Robotik noch besser den menschlichen Bedürfnissen anpassen und zur Steigerung der Lebensqualität beitragen kann. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass humanoide Roboter vor allem dann wenig akzeptiert werden, wenn ihnen menschliches Erleben und menschliche Gefühle zugeschrieben werden. Die ersten Ergebnisse wurden bereits auf der ACM/IEEE Int. Conference on Human-Robot Interaction (HRI) im März 2016 vorgestellt. Dadurch konnte die internationale Vernetzung des Projekts gewährleistet werden. Die Korrelate und Auswirkungen der Verbreitung robotischer Technologien in den Alltag gehören zu den Schlüsselthemen des menschlichen Erlebens und Verhaltens im 21. Jahrhundert. Über die fachwissenschaftlichen Grenzen hinaus sollen die Ergebnisse einem breiten Publikum bekannt gemacht werden. Dazu dienen ein Internetauftritt, eine aktive Beteiligung am öffentlichen Diskurs durch Beiträge in Zeitungen und Publikumszeitschriften, sowie die Rückkopplung der Ergebnisse zu Unternehmen im Bereich autonome Systeme / Robotik.


Kontaktinformationen:

Prof. Dr. Markus Appel

Universität Koblenz-Landau

Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik

Fortstr. 7

76829 Landau

Tel: +49 (0)6341 280-36714; +49 (0)6341 280-36711 (Sekretariat)

E-Mail: appelm@uni-landau.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.


Themenfeldoffene Projekte

Resilienz und Vulnerabilität einer smarten Stromversorgung

IKT und Stromversorgung: Potenziale und Risiken der Kopplung in Bezug auf Vulnerabilität und Resilienz

Prof. Dr. Bernd Hirschl

IÖW - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

(Verbundkoordinator)


Prof. Dr. Stefan Gößling-Reisemann

Universität Bremen

Fachbereich Produktionstechnik

Fachgebiet Resiliente Energiesysteme

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Vorhaben "IKT und Stromversorgung: Potenziale und Risiken der Kopplung in Bezug auf Vulnerabilität und Resilienz" des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Fachgebietes Resiliente Energiesysteme der Universität Bremen (UHB) hat zum Ziel, Vulnerabilitätsanalysen, Resilienzkriterien und Handlungsoptionen für eine zukünftige, vor allem auf fluktuierenden Erneuerbaren Energien (FEE) und Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) basierende Energieversorgung zu erarbeiten.

Vorgehen und Methodik

Die beiden Verbundpartner arbeiten im Vorhaben eng zusammen. Das IÖW wird insbesondere den Status Quo aufarbeiten und Optionen zur Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für ein resilientes Energiesystem ermitteln.

Die UHB übernimmt dabei insbesondere die Ermittlung und Analyse möglicher Störereignisse, die Konkretisierung von Resilienzkriterien sowie die Identifikation von Optionen zur Minimierung der Vulnerabilität und zur Maximierung der Resilienz.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Akteuren aus der Energiewirtschaft sollen die Problematik und mögliche Lösungsansätze verständlich dargestellt werden, um ihnen so die Entwicklung von Innovationen zur resilienten Umsetzung der Energiewende zu erleichtern. Politischen Entscheidungsträgern soll der Anpassungsbedarf der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Gewährleistung eines resilienten Energiesystems aufgezeigt werden, damit dieser bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Website: www.strom-resilienz.de

Innovations- und Technikanalyse zu In-vitro-Fleisch

Visionen von In-vitro-Fleisch – Analyse der technischen und gesamtgesellschaftlichen Aspekte und Visionen von In-vitro-Fleisch

Dr. Arianna Ferrari

Karlsruher Institut für Technologie Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse

Thema und Ziel des Vorhabens

Das Vorhaben „Analyse der technischen und gesamtgesellschaftlichen Aspekte und Visionen von In-vitro-Fleisch“ des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie hat zum Ziel, die In-vitro-Fleisch-Forschung zu analysieren. Dabei sollen naturwissenschaftliche, technische, gesellschaftliche, kulturelle und politische Aspekte beleuchtet werden.

In-vitro-Fleisch ist im Labor synthetisch hergestelltes Fleisch aus tierischen Muskelstammzellen, das Ergebnis von Gewebezüchtung. In-vitro-Fleisch wird von den Innovatoren als bestmögliche Lösung zur Überwindung der ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Probleme der traditionellen Fleischproduktion und des Fleischkonsums dargestellt. Das Gedankenexperiment, das erstmals vor bereits 80 Jahren formuliert wurde, ist seit einiger Zeit Realität geworden: Im August 2013 präsentierte der Physiologe Mark Post von der Universität Maastricht den ersten Burger aus Rinderstammzellen. Vor kurzem realisierte ein nordamerikanisches Start-up die ersten In-vitro-Fleischbällchen. Noch sind die Verfahren zur Synthese von In-vitro-Fleisch nicht für eine Produktion im großen Maßstab geeignet, dennoch sind die Innovatoren von In-vitro-Fleisch erfolgreich darin, diverse Investoren zu faszinieren. Die Vision einer (zukünftigen) Ernährung mit In-vitro-Fleisch wird als großer Schritt für eine nachhaltige Ernährung auf der globalen Ebene präsentiert.

In-vitro-Fleisch ist somit eine Technologie in einem frühen Entwicklungsstadium, die von den Innovatoren als Innovation mit viel Potenzial und vielen Versprechen dargestellt wird. Aufgabe einer Innovationsanalyse, die mit Technikvisionen zu tun hat, ist es, nicht nur den Stand der Forschung, die Chancen und Risiken jenseits der Begeisterung der Innovatoren zu untersuchen, sondern auch, welchen praktischen Einfluss die Visionen von In-vitro-Fleisch in Innovations- und Transformationsprozessen haben. Dazu gehören im Fall von In-vitro-Fleisch die Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen der Akzeptanz dieser Innovation und die kulturellen Auswirkungen auf Landwirtschaft, Ernährung, das Verhältnis von Mensch und Tier sowie die Auseinandersetzung mit der Frage, ob und inwieweit die Visionen die forschungspolitische Agenda beeinflussen und ob sie etablierte Denkmuster oder sogar Gewohnheiten ändern können.

Vorgehen und Methodik

Um diese Ziele zu erreichen werden Literaturanalyse, Akteursanalyse sowie Experten- und Stakeholderinterviews (eine Methode der qualitativen Sozialforschung) durchgeführt. Außerdem werden einige partizipative Verfahren wie Citizen’s Jury und Fokusgruppen eingesetzt, um Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland miteinzubeziehen.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

In-vitro-Fleisch ist eine neue und emergierende Technologie in einer sehr frühen Phase des Innovationsprozesses, die nicht nur forschungspolitisch relevant ist, sondern auch das Potenzial für eine große Veränderung von Essgewohnheiten aufweist. Die Angemessenheit und Robustheit dieser Vision sind im Sinne der Politik eines innovativen Deutschlands erstmals zu überprüfen. Das vorliegende Projekt zielt darauf ab, Wissen zu generieren, um die Relevanz dieser Innovation für eine nachhaltige Landwirtschaft und somit eine gerechte Gesellschaft abzuschätzen.


Kontaktinformationen:

Arianna Ferrari | arianna.ferrari@kit.edu

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

ChaRiSma

Smart Cams im öffentlichen Raum

Prof. Dr. Jürgen Taeger

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

(Verbundkoordinator)


Dr. Wilko Heuten

OFFIS e.V. – Institut für Informatik (Verbundpartner)

Thema und Ziel des Vorhabens

Eine neue Generation von „Smart Cams“ könnte schon bald im öffentlichen Leben allgegenwärtig sein. Sie sind in Brillen, Ansteckern oder Kopfbedeckungen verborgen (Datenbrillen, Body Cams) oder in Fahrzeugen bzw. Fluggeräten installiert (Dash Cams, Drohnen). Bilder und Ton der Umgebung werden automatisch oder personengesteuert aufgenommen und können oft direkt ins Internet übertragen werden. Umgekehrt können Informationen zur erfassten Umwelt (z.B. Personenerkennung) aus dem Internet dem Träger der Kamera übermittelt werden. Diese Techniken erlauben faszinierende Anwendungen, erzeugen aber auch Risiken mit großem Konfliktpotenzial für die Gesellschaft. Der öffentliche Raum (Marktplatz, Bahnhof, Volksfest, Sportveranstaltung, ÖPNV usw.) könnte sich in einen visuell und auditiv überwachten Raum verwandeln.
Das Verbundvorhaben soll zunächst herausfinden, inwieweit es für den Konflikt zwischen vielfältigen Anwendungsinteressen für Smart Cams und dem Wunsch, möglichst frei von Überwachung zu leben, rechtliche Regelungen, die beiden Seiten gerecht werden, bereits gibt. Dann gilt es, Regelungsalternativen für die Zukunft zu entwickeln, die künftige technische Möglichkeiten sowie einen möglichen Einstellungswandel zum Stellenwert der Privatsphäre in der Bevölkerung in Rechnung stellen.

Vorgehen und Methodik

Im Teilvorhaben der Universität Oldenburg wird in einem ersten Schritt geklärt, inwieweit das bestehende Recht den genannten Problemen der Anwendung von Smart Cams gerecht wird oder Regelungsdefizite aufweist. Zweitens werden verschiedene Regelungsalternativen für einen angemessenen künftigen Schutz entwickelt und eingeschätzt. Dabei sind sowohl die Grundrechte der Anwender als auch der von Smart Cams Erfassten zu verwirklichen. Außerdem werden Möglichkeiten einer technischen Ausgestaltung berücksichtigt, die die Überwachung des öffentlichen Raumes durch Smart Cams begrenzt, ohne ihre sinnvolle Anwendung zu verhindern. Drittens gilt es, die Wünsche und Bedenken der Nutzer und Betroffenen selbst zu ermitteln; denn eine Regelung ist nur sinnvoll, wenn sie auf Akzeptanz in der Bevölkerung stößt.
Das Teilvorhaben des OFFIS – Institut für Informatik e.V. konzentriert sich auf die technische Gestaltung von „Smart Cams“. Zunächst werden die vielfältigen technischen Varianten sowie deren Anwendungs- und Gefährdungspotenzial analysiert. Dann gilt es, solche technischen Lösungen der Kameratechnik und ihrer Vernetzung zu identifizieren, die ihren Nutzen in einer Weise entfalten, dass die Persönlichkeitsrechte der Erfassten möglichst geschont werden. In diesem Sinne werden schließlich technische Anforderungen an künftige sozialverträgliche Produkte konkretisiert, auf die sich rechtliche Regelungen beziehen können. Zu diesem Zweck werden Fokusgruppen, Experteninterviews und Workshops durchgeführt, um die Ideen von Fachleuten, aber auch die Sicht der potenzielle Nutzer bzw. Betroffenen einzubinden.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Am Ende des Vorhabens soll mitgeteilt werden, welche Probleme der Anwendung von „Smart Cams“ einer Regelung bedürfen, welche technischen und sozialen Anforderungen an eine Regelung bestehen und welche Regelungsalternativen hierfür mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen zur Verfügung stehen


Kontaktinformationen:

Projektkoordinator Dr. Edgar Rose | Universität Oldenburg | edgar.rose@uni-oldenburg.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Mobilitätsmanagement

Mobilitätsmanagement - Möglichkeiten und Grenzen verkehrspolitischer Gestaltung am Beispiel Mobilitätsmanagement. Ein Beitrag zur Unterstützung eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens

Prof. Dr. Oliver Schwedes

Technische Universität Berlin

Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung


Thema und Ziel des Vorhabens

Der verkehrspolitische und -planerische Ansatz des Mobilitätsmanagements zielt auf die Beeinflussung des individuellen Mobilitätsverhaltens im Sinne einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung. Durch Informationsvermittlung und Beratung sollen gesellschaftliche Akteure weniger den privaten Pkw und stattdessen mehr den Umweltverbund nutzen. Dieses verkehrspolitische Ziel wird seit über zwanzig Jahren verfolgt, ohne dass signifikante Erfolge zu verzeichnen sind. Diese Diskrepanz von programmatischem Anspruch und realer Entwicklung wird zum Anlass genommen, eine politikwissenschaftliche Analyse durchzuführen, um die Möglichkeiten und Grenzen verkehrspolitischer Gestaltung durch Mobilitätsmanagement auszuloten. Das Ziel des Projektes ist die methodische und theoretische Entwicklung eines originären konzeptionellen Ansatzes zur Analyse des Politikfelds Verkehr. Die zugrunde liegende These lautet, dass das Politikfeld Verkehr durch ein spezifisches Geflecht sozialer Machtverhältnisse gekennzeichnet ist, durch das politische Gestaltung immer wieder blockiert wird.

Vorgehen und Methodik

Die Arbeiten im Projekt beinhalten eine qualitative Datenerhebung, welche eine ausführliche Aufarbeitung der Akteurs- und Interessenskonstellation im Politikfeld Verkehr ermöglicht und dem öffentlichen Diskurs bereitstellt. In einem ersten Schritt wurden die existierenden definitorischen und planungstheoretischen Ausprägungen von Mobilitätsmanagement analysiert, um das diffuse bzw. teilweise widersprüchliche Verständnis des Ansatzes aufzuzeigen. Durch die eindeutige Positionierung des Fachgebiets soll der Diskurs angeregt werden, welcher durch Experteninterviews, teilnehmende Beobachtungen und Dokumentenanalyse weiter beforscht wird. Ziel ist es, möglichst den gesamten Akteursraum einzubinden und so eine neue Dynamik für die verkehrspolitische Debatte zu induzieren.

Ergebnisse bzw. geplante Erkenntnisse

Die Analyse ist darauf gerichtet, die Konfliktlinien nachzuvollziehen und einem öffentlichen Diskurs zugänglich zu machen. Die Herstellung von Transparenz soll dazu beitragen, verkehrspolitische Entscheidungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit eine informierte Beteiligung der Bevölkerung zu ermöglichen. Gleichzeitig soll durch die Untersuchung geklärt werden, welche politischen Restriktionen derzeit für das Mobilitätsmanagement existieren und welche konzeptionellen Änderungen im Ansatz vorgenommen werden müssen, um in Zukunft ein erfolgreicheres Agenda-Setting zu erreichen.


Kontaktinformationen:

Projektleitung: Prof. Dr. Oliver Schwedes | Tel.: 030 314 78 767

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:Benjamin Sternkopf | Benjamin.Sternkopf@tu-berlin.de | Tel.: 030 314 78 772

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